App-Berechtigungen pruefen: Android und iPhone richtig einstellen

Eine simple Taschenlampen-App, die Zugriff auf Ihren Standort und Ihre Kontakte verlangt? Ein Spiel, das unbedingt das Mikrofon braucht? Solche Anfragen sind ein gutes Beispiel dafuer, warum es sich lohnt, die Berechtigungen auf dem Smartphone regelmaessig durchzugehen. Viele Apps fragen weit mehr Zugriffsrechte ab, als sie fuer ihre eigentliche Funktion benoetigen. Im schlimmsten Fall fliessen daraus Bewegungsprofile, Aufnahmen oder Adressbuecher an Werbenetzwerke. Die gute Nachricht: Sowohl Android als auch iOS bieten heute uebersichtliche Werkzeuge, mit denen sich jede Erlaubnis einsehen und mit wenigen Tipps wieder entziehen laesst. Dieser Ratgeber zeigt Schritt fuer Schritt, worauf Sie achten sollten.

Welche Berechtigungen wirklich sensibel sind

Nicht jede Erlaubnis ist gleich heikel. Die Berechtigung, auf das Internet zuzugreifen, ist bei fast jeder App selbstverstaendlich. Kritisch wird es bei den sogenannten gefaehrlichen oder geschuetzten Berechtigungen, die direkten Zugang zu persoenlichen Daten oder Sensoren eroeffnen. Dazu gehoeren vor allem:

Die Faustregel lautet: Passt die Berechtigung nicht logisch zur Funktion der App, sollten Sie misstrauisch werden. Eine Navigations-App braucht selbstverstaendlich den Standort, eine Notiz-App in aller Regel nicht.

Berechtigungen unter Android pruefen

Android buendelt die Verwaltung im Berechtigungsmanager. Den finden Sie ueber Einstellungen › Datenschutz › Berechtigungsmanager (je nach Hersteller leicht anders benannt). Dort sind die Erlaubnisse nicht nach Apps, sondern nach Berechtigungstyp sortiert. Sie sehen also auf einen Blick, welche Apps Zugriff auf das Mikrofon oder den Standort haben.

  1. Oeffnen Sie den Berechtigungsmanager und waehlen Sie eine Kategorie, etwa Standort.
  2. Sie erhalten eine Liste aller Apps mit der Einstufung Zugelassen, Nur waehrend der Nutzung oder Nicht zugelassen.
  3. Tippen Sie auf eine App, um die Freigabe zu aendern oder ganz zu entziehen.

Alternativ koennen Sie auch eine einzelne App pruefen: Halten Sie das App-Symbol gedrueckt, oeffnen Sie die App-Info und dann den Punkt Berechtigungen. Hier lassen sich alle Rechte dieser App gesammelt anpassen.

Berechtigungen auf dem iPhone pruefen

Auf dem iPhone fuehrt der Weg ueber Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit. Dort finden Sie eine Liste mit Kategorien wie Ortungsdienste, Kamera, Mikrofon oder Kontakte. Hinter jedem Eintrag sehen Sie, welche Apps das jeweilige Recht angefragt haben und ob es aktuell aktiv ist.

Wer lieber pro App vorgeht, scrollt in den Einstellungen nach unten zur Liste aller installierten Apps. Ein Tipp auf eine App zeigt genau die Berechtigungen, die diese erhalten hat – praktisch fuer eine schnelle Einzelpruefung.

Standortfreigabe sinnvoll begrenzen

Der Standort ist die wohl sensibelste aller Berechtigungen, weil sich daraus Wohnort, Arbeitsplatz und Tagesablauf rekonstruieren lassen. Beide Systeme bieten deshalb abgestufte Freigaben. Waehlen Sie wann immer moeglich die Option Nur waehrend der Nutzung beziehungsweise Beim Verwenden der App. So bekommt die App den Standort nur, wenn sie geoeffnet im Vordergrund laeuft, nicht aber rund um die Uhr im Hintergrund.

Eine weitere Schutzschicht ist der ungefaehre Standort. Apple und Google erlauben es, statt der exakten Position nur einen groben Bereich freizugeben. Fuer eine Wetter-App reicht das voellig, fuer eine Navigation hingegen nicht. Pruefen Sie pro App, wie genau die Ortung wirklich sein muss.

Werbe-ID und Tracking einschraenken

Neben den klassischen Sensoren gibt es eine unsichtbare Kennung, die viele uebersehen: die Werbe-ID. Sie erlaubt es Werbenetzwerken, Ihr Verhalten ueber verschiedene Apps hinweg zu verknuepfen. Auf iOS regelt das die App-Tracking-Transparenz: Unter Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Tracking koennen Sie verbieten, dass Apps ueberhaupt um Tracking-Erlaubnis bitten. Damit ist die Kennung fuer fremde Anbieter faktisch unbrauchbar.

Unter Android finden Sie die entsprechende Einstellung meist unter Einstellungen › Datenschutz › Werbung. Dort laesst sich die Werbe-ID loeschen oder ganz entfernen, sodass Apps stattdessen nur eine Folge von Nullen erhalten. Beides reduziert personalisierte Werbung und erschwert geraeteuebergreifendes Profiling deutlich.

Datenschutz-Dashboard und Berechtigungsverlauf nutzen

Moderne Smartphones zeigen nicht nur, wer Zugriff hat, sondern auch, wann er genutzt wurde. Android bietet dafuer das Datenschutz-Dashboard unter Einstellungen › Datenschutz. Es protokolliert in einem Zeitstrahl, welche App in den letzten 24 Stunden auf Kamera, Mikrofon oder Standort zugegriffen hat. So entlarven Sie Apps, die heimlich im Hintergrund lauschen.

Beim iPhone uebernimmt der App-Datenschutzbericht diese Aufgabe. Sobald aktiviert, sammelt er ueber Tage hinweg, wie oft jede App Sensoren angesprochen und mit welchen Netzwerk-Domains sie kommuniziert hat. Achten Sie zusaetzlich auf die kleinen Statuspunkte am oberen Bildschirmrand: Ein oranger Punkt signalisiert eine aktive Mikrofonnutzung, ein gruener die Kamera. Tauchen sie auf, ohne dass Sie es erwarten, lohnt ein genauer Blick.

Unnoetige Apps ganz entfernen

Die wirksamste Berechtigung ist die, die gar nicht erst existiert. Eine App, die Sie seit Monaten nicht mehr oeffnen, kann auch keine Daten sammeln, wenn sie deinstalliert ist. Deaktivieren allein genuegt oft nicht, da Reste auf dem Geraet verbleiben koennen. Gehen Sie Ihre App-Liste daher in Ruhe durch und loeschen Sie konsequent, was Sie nicht brauchen. Das spart nebenbei Speicherplatz und Akku.

Vor dem Loeschen lohnt ein kurzer Blick in die Einstellungen der App, ob dort verknuepfte Konten oder Cloud-Daten geloescht werden sollten. Manche Dienste speichern Informationen serverseitig weiter, auch wenn die App vom Geraet verschwindet.

Berechtigungen im Ueberblick: Risiko und Weg

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Berechtigungen zusammen, zeigt das Risiko bei Missbrauch und nennt den jeweiligen Weg unter Android und iOS.

Berechtigung Risiko bei Missbrauch Android-Weg iPhone-Weg
Standort Bewegungsprofil, Wohn- und Arbeitsort Datenschutz › Berechtigungsmanager › Standort Datenschutz & Sicherheit › Ortungsdienste
Mikrofon Mithoeren von Gespraechen und Umgebung Berechtigungsmanager › Mikrofon Datenschutz & Sicherheit › Mikrofon
Kamera Heimliche Foto- und Videoaufnahmen Berechtigungsmanager › Kamera Datenschutz & Sicherheit › Kamera
Kontakte Adressbuch wird abgegriffen Berechtigungsmanager › Kontakte Datenschutz & Sicherheit › Kontakte
Fotos / Medien Zugriff auf private Bilder und Dateien App-Info › Berechtigungen › Fotos Datenschutz & Sicherheit › Fotos
Werbe-ID / Tracking App-uebergreifendes Werbeprofil Datenschutz › Werbung › ID loeschen Datenschutz & Sicherheit › Tracking

Ein praktischer Pruef-Rhythmus

Datenschutz ist kein einmaliges Projekt, sondern Routine. Es genuegt, sich etwa einmal pro Quartal zehn Minuten Zeit zu nehmen und die wichtigsten Kategorien durchzugehen. Ein guter Anlass ist auch jedes groessere Systemupdate, weil dabei manchmal Berechtigungen zuruckgesetzt oder neue Optionen eingefuehrt werden. Wer beim Installieren neuer Apps von Anfang an kritisch jede Anfrage hinterfragt, hat ohnehin schon das meiste gewonnen. Weitere praktische Helfer und Anleitungen finden Sie in unseren Webtools sowie regelmaessig im News-Bereich.

Haeufige Fragen

Funktionieren Apps noch, wenn ich Berechtigungen entziehe?

In der Regel ja. Apps reagieren auf entzogene Rechte meist mit einem Hinweis, dass eine bestimmte Funktion nicht verfuegbar ist, und arbeiten ansonsten weiter. Eine Foto-App ohne Kamerazugriff kann zwar keine Bilder aufnehmen, aber gespeicherte Fotos weiter anzeigen. Sie koennen die Erlaubnis jederzeit wieder erteilen.

Warum fragt eine Taschenlampen-App nach meinem Standort?

Technisch braucht eine Taschenlampe nur Zugriff auf das Kamera-Blitzlicht. Wird zusaetzlich der Standort verlangt, geht es fast immer um Werbung oder Datenhandel. Solche ueberzogenen Anfragen sind ein deutliches Warnsignal und ein guter Grund, nach einer schlankeren Alternative zu suchen.

Was bedeutet der orange Punkt oben am iPhone?

Der orange Punkt zeigt an, dass gerade eine App auf das Mikrofon zugreift. Ein gruener Punkt steht fuer die Kamera. Erscheinen die Punkte, ohne dass Sie es erwarten, sollten Sie pruefen, welche App im Vordergrund laeuft. Android nutzt aehnliche Indikatoren am oberen Bildschirmrand.

Sollte ich lieber alle Berechtigungen pauschal verweigern?

Nein, das ist nicht sinnvoll. Viele Apps brauchen bestimmte Rechte fuer ihre Kernfunktion, etwa eine Messenger-App die Kontakte oder eine Karten-App den Standort. Entscheidend ist die Abwaegung im Einzelfall: Erteilen Sie nur, was zur Funktion passt, und bevorzugen Sie zeitlich begrenzte Freigaben.

Hilft das Loeschen der Werbe-ID gegen alle Werbung?

Es verhindert nicht, dass Sie Werbung sehen, aber es erschwert personalisierte und app-uebergreifende Werbung erheblich. Anzeigen werden dann eher kontextbezogen als anhand eines Profils ausgespielt. In Kombination mit der App-Tracking-Transparenz auf iOS ist das ein wirksamer Schritt.

Kann ich Berechtigungen automatisch zuruecksetzen lassen?

Ja. Beide Systeme bieten eine Funktion, die ungenutzten Apps nach laengerer Zeit automatisch alle Berechtigungen entzieht. Unter Android heisst das ungenutzte Apps pausieren, auf iOS werden selten genutzte Apps optional ausgelagert. Das haelt das Geraet aufgeraeumt und reduziert stille Datensammlung.