Der Avast Secure Browser ist ein kostenloser Webbrowser des bekannten Sicherheitsunternehmens Avast, der auf der quelloffenen Chromium-Engine basiert. Im Gegensatz zu Google Chrome bringt er von Haus aus eine Reihe von Sicherheits- und Datenschutzfunktionen mit, die bei anderen Browsern erst durch Erweiterungen nachgerüstet werden müssen: integrierter Ad-Blocker, Anti-Fingerprinting, Bank-Modus und Webcam-Schutz gehören zum Standardumfang. Wir haben den Browser ausführlich getestet, seine Datenschutzversprechen unter die Lupe genommen und ihn mit Mozilla Firefox sowie Brave verglichen.
Technische Basis: Chromium unter der Haube
Der Avast Secure Browser basiert auf Chromium, demselben Open-Source-Kern, der auch Google Chrome, Microsoft Edge, Opera und Brave antreibt. Das bringt entscheidende Vorteile mit sich: Alle Erweiterungen aus dem Google Web Store sind kompatibel, die Rendering-Engine ist ausgereift und die Web-Kompatibilität ist nahezu universell. Für Umsteiger von Chrome ist die Lernkurve minimal, da die Benutzeroberfläche vertraut wirkt und Lesezeichen, Passwörter und Einstellungen importiert werden können.
Avast aktualisiert den Chromium-Kern regelmäßig, um Sicherheitslücken zu schließen. In der Praxis liegt die Versionsnummer gelegentlich wenige Wochen hinter dem aktuellen Chrome-Stand. Bei kritischen Sicherheitslücken werden Patches jedoch in der Regel zügig übernommen, sodass das Risiko überschaubar bleibt. Für sicherheitskritische Umgebungen empfiehlt sich dennoch ein regelmäßiger Blick auf die Versionsnummer unter „Einstellungen › Über Avast Secure Browser".
Eingebaute Sicherheitsfunktionen im Detail
Der Avast Secure Browser bündelt mehrere Schutzfunktionen in einem zentralen Datenschutz-Dashboard, das mit einem Klick auf das Schild-Symbol in der Werkzeugleiste erreichbar ist:
- Ad-Blocker: Werbeanzeigen und Tracking-Skripte werden auf Netzwerkebene blockiert, was Seiten spürbar schneller lädt. Auf werbelastigen Nachrichtenportalen wurden im Test Ladezeit-Verbesserungen von 30–60 % gemessen.
- Anti-Fingerprinting: Browser-Fingerprinting ist eine Methode, mit der Werbenetzwerke Nutzer auch ohne Cookies geräteübergreifend verfolgen können. Der Avast Browser randomisiert erkennbare Fingerprint-Merkmale wie Canvas-Fingerprint, WebGL-Renderer und installierte Schriften, um dieses Tracking zu erschweren.
- Bank-Modus: Öffnet Online-Banking-Seiten in einer isolierten, gehärteten Browserumgebung, die vor Keyloggern, Screenshot-Malware und Browser-Hijacking schützt. Der Modus lässt sich manuell aktivieren oder automatisch für bekannte Banking-URLs konfigurieren.
- Webcam-Guard: Blockiert den Kamerazugriff durch Webseiten über das normale Browser-Popup hinaus und zeigt eine explizite Warnung, wenn eine Seite Kamerazugriff anfordert.
- Passwort-Manager: Ein integrierter Passwort-Manager speichert Anmeldedaten verschlüsselt und füllt sie automatisch aus. Für Nutzer, die bereits einen dedizierten Passwort-Manager wie Bitwarden oder 1Password nutzen, ist dieser Vorteil irrelevant.
- HTTPS-Erzwingung: Leitet automatisch auf die sichere HTTPS-Version einer Webseite weiter, sofern verfügbar – vergleichbar mit der HTTPS Everywhere-Erweiterung.
Das Datenschutz-Dashboard
Ein Alleinstellungsmerkmal des Avast Secure Browser ist das zentrale Datenschutz-Dashboard. Es zeigt auf einen Blick, wie viele Tracker und Werbeanzeigen blockiert wurden – sowohl für die aktuelle Seite als auch kumuliert seit der Installation. Außerdem ist der Status aller aktiven Schutzfunktionen sichtbar, und einzelne Features können bei Bedarf gezielt deaktiviert werden, etwa wenn eine Webseite den Ad-Blocker erkennt und die Nutzung verweigert.
Für Nutzer ohne technisches Vorwissen ist dieses Dashboard eine echte Erleichterung: Statt dutzende Einstellungsmenüs zu durchsuchen, reicht ein Blick auf das Schild-Symbol, um den aktuellen Schutzstatus zu verstehen und zu steuern.
Erweiterungskompatibilität und Chrome Web Store
Da der Avast Secure Browser auf Chromium basiert, sind sämtliche Erweiterungen aus dem Chrome Web Store installierbar. Das umfasst populäre Tools wie uBlock Origin, Bitwarden, Grammarly, Dark Reader oder LastPass. Nutzer, die von Chrome umsteigen, können ihre gesamte Erweiterungssammlung problemlos mitnehmen. Avast bietet zusätzlich eine eigene, kleinere Erweiterungs-Galerie an, die sicherheitsorientierte Tools bevorzugt listet.
Vergleich: Avast Secure Browser vs. Firefox vs. Brave
| Kriterium | Avast Secure Browser | Mozilla Firefox | Brave |
|---|---|---|---|
| Engine | Chromium | Gecko (eigene Engine) | Chromium |
| Ad-Blocker (integriert) | Ja | Nein (via Add-on) | Ja (Brave Shields) |
| Anti-Fingerprinting | Ja | Ja (begrenzt) | Ja (sehr umfassend) |
| Bank-Modus | Ja (einzigartig) | Nein | Nein |
| Open Source | Nein (Chromium-Kern ja) | Ja (vollständig) | Ja (vollständig) |
| Telemetrie-Transparenz | Mittel | Hoch (Mozilla Foundation) | Hoch (Brave Software) |
| RAM-Verbrauch (Leerlauf) | ca. 180 MB | ca. 150 MB | ca. 160 MB |
| Chrome-Erweiterungen | Ja | Nein (eigenes Add-on-System) | Ja |
Performance im Alltag
Im praktischen Test auf einem Windows-11-System mit Intel Core i7 und 16 GB RAM zeigt der Avast Secure Browser solide Leistung. In Browser-Benchmarks (Speedometer 3, JetStream 2) liegt er im Bereich anderer Chromium-Browser und damit vor Firefox. Der integrierte Ad-Blocker beschleunigt das Laden werbelastiger Seiten spürbar – gemessene Verbesserungen von 30–60 % auf typischen Nachrichtenportalen sind realistisch und stimmen mit den Avast-eigenen Angaben überein.
Der RAM-Verbrauch ist mit ca. 180 MB im Leerlauf bei einem geöffneten Tab leicht höher als bei Firefox, aber vergleichbar mit Chrome und Brave. Bei zehn geöffneten Tabs steigt der Speicherbedarf auf ca. 700–900 MB – ebenfalls typisch für Chromium-Browser. Auf Systemen mit 8 GB RAM oder mehr ist das kein Problem; auf älteren Rechnern mit 4 GB kann es zu Engpässen kommen.
Für wen ist der Avast Secure Browser geeignet?
Der Avast Secure Browser richtet sich primär an Nutzer, die ohne technisches Vorwissen von einem sicheren Browsing-Erlebnis profitieren möchten – direkt nach der Installation, ohne manuelle Konfiguration. Wer nicht selbst Dutzende Erweiterungen einrichten will, findet hier eine gute Komplettlösung mit Ad-Blocking, Tracking-Schutz und Banking-Modus. Für fortgeschrittene Datenschutz-Nutzer bietet Brave mit aggressiveren Schutzmaßnahmen, integriertem Tor-Modus und dem vollständig transparenten Open-Source-Ansatz die überzeugendere Wahl. Den kostenlosen Download gibt es direkt auf avast.com/de-de/secure-browser.
Fazit
Der Avast Secure Browser ist ein alltagstauglicher, sicherer Browser mit echten Vorteilen gegenüber Chrome: Der Bank-Modus und das Anti-Fingerprinting sind praktische Extras, die man anderswo ohne Zusatzkonfiguration nicht findet. Die Chromium-Basis garantiert breite Web-Kompatibilität und Chrome-Erweiterungs-Support. Hauptkritikpunkte bleiben die proprietäre Natur des Browsers und das notwendige Vertrauen in Avast als Hersteller nach der Datenschutzkontroverse von 2020. Als Gesamtpaket für normale Nutzer ist er empfehlenswert; für datenschutzbewusste Nutzer mit technischem Hintergrund sind Firefox oder Brave die überzeugenden Alternativen.
