BestCrypt – Dateien und Festplatten sicher verschlüsseln

BestCrypt – Dateien und Festplatten sicher verschlüsseln

Wer sensible Daten auf Laptop, USB-Stick oder Firmen-Server speichert, kommt an starker Verschlüsselung nicht vorbei. BestCrypt von Jetico gehört seit über 25 Jahren zu den zuverlässigsten Werkzeugen für diesen Zweck. Die finnische Firma bietet sowohl Container-Verschlüsselung als auch vollständige Festplatten-Verschlüsselung an – und das mit einer Tiefe, die weit über das hinausgeht, was viele Gratistools leisten.

Was ist BestCrypt und wer steckt dahinter?

BestCrypt wird von Jetico Inc. entwickelt, einem 1995 gegründeten finnischen Sicherheitsunternehmen mit Sitz in Helsinki. Die Software existiert seit 1995 und war damit einer der ersten kommerziellen Verschlüsselungslösungen für Windows-PCs überhaupt. Jetico richtet sich sowohl an Privatanwender als auch an Unternehmenskunden und bietet neben BestCrypt auch weitere Sicherheits-Tools wie BCWipe (sicheres Löschen von Daten) an.

BestCrypt teilt sich in zwei Hauptprodukte auf: BestCrypt Container Encryption für die Erstellung virtueller verschlüsselter Laufwerke sowie BestCrypt Volume Encryption (BCVE) für die vollständige Verschlüsselung ganzer Festplatten oder Partitionen. Beide lassen sich unabhängig voneinander einsetzen oder kombinieren.

Container-Verschlüsselung Schritt für Schritt

Die Container-Variante von BestCrypt funktioniert ähnlich wie ein verschlüsselter Safe: Es wird eine einzelne Datei mit fester Größe erstellt, die anschließend als virtuelles Laufwerk eingebunden wird. So sieht der typische Ablauf aus:

Container erstellen

  1. BestCrypt öffnen und „Neuen Container erstellen" wählen.
  2. Speicherort und Größe des Containers festlegen (z. B. 10 GB auf einem USB-Stick).
  3. Verschlüsselungsalgorithmus und Hash-Funktion auswählen (Empfehlung: AES-256 mit SHA-512).
  4. Starkes Passwort vergeben – mindestens 20 Zeichen mit Groß-/Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
  5. Container wird erstellt und steht als Laufwerk (z. B. „Z:") zur Verfügung.

Container im Alltag verwenden

Nach dem Einbinden verhält sich der Container wie ein normales Windows-Laufwerk: Dateien können per Drag-and-drop hinzugefügt, bearbeitet und gelöscht werden. Beim Aushängen wird der Container automatisch und sicher gesperrt. Geöffnete Container können mit einem Klick oder automatisch nach einem Inaktivitäts-Timeout gesperrt werden.

Unterstützte Verschlüsselungsalgorithmen

BestCrypt bietet eine außergewöhnlich breite Auswahl an kryptografischen Algorithmen:

Für den Hash-Algorithmus stehen SHA-256, SHA-512, Whirlpool und weitere zur Verfügung. Diese Vielfalt macht BestCrypt besonders attraktiv für Compliance-Anforderungen, die bestimmte Algorithmen vorschreiben.

BestCrypt Volume Encryption vs. Konkurrenz

BestCrypt Volume Encryption (BCVE) verschlüsselt ganze Festplatten, SSDs oder Partitionen – inklusive der Systempartition mit Pre-Boot-Authentifizierung. Im Vergleich mit den wichtigsten Alternativen:

SoftwarePreisWhole-DiskContainerFIPS 140-2Plattform
BestCrypt BCVE~49 €/JahrJaJaJaWin/macOS/Linux/Android
VeraCryptKostenlosJaJaNeinWin/macOS/Linux
BitLockerIm Windows enthaltenJaNeinJaNur Windows
AxCryptAb 4 €/MonatNeinNeinNeinWin/macOS/mobil
Tipp: Für Privatanwender ist VeraCrypt eine hervorragende kostenlose Alternative. Für Unternehmen, die FIPS 140-2-Zertifizierung benötigen oder Audit-Protokolle brauchen, ist BestCrypt die bessere Wahl.

Versteckte Container – Plausible Deniability

Eine der fortgeschrittensten Funktionen von BestCrypt ist die Möglichkeit, versteckte Container innerhalb eines normalen Containers anzulegen. Das Prinzip: Ein äußerer Container enthält harmlose Daten und ist mit Passwort A gesichert. Innerhalb desselben Containers befindet sich ein unsichtbarer versteckter Bereich mit den wirklich sensiblen Daten, der nur mit Passwort B zugänglich ist.

Wird man unter Druck gesetzt, das Passwort herauszugeben, gibt man Passwort A preis – der Angreifer sieht nur die harmlosen Daten und kann nicht beweisen, dass ein versteckter Container existiert. Diese Technik nennt sich Plausible Deniability (glaubhafte Abstreitbarkeit) und ist auch bei VeraCrypt verfügbar.

Notfall-Löschfunktion und weitere Sicherheitsmerkmale

Emergency Wipe

BestCrypt bietet eine Notfall-Löschfunktion, die bei Auslösung (z. B. durch eine bestimmte Tastenkombination oder ein USB-Sicherheits-Token) sofort alle geöffneten Container sperrt und optional die Verschlüsselungs-Header überschreibt. Ohne Header sind die Daten dauerhaft unzugänglich – selbst für den ursprünglichen Besitzer.

Zwei-Faktor-Authentifizierung

Container können so konfiguriert werden, dass neben dem Passwort eine Schlüsseldatei (Key File) benötigt wird, die auf einem separaten USB-Stick gespeichert ist. Damit ist selbst ein geleaktes Passwort nutzlos, wenn der physische Token fehlt.

Warnung: Wer den Schlüssel oder das Passwort vergisst, verliert den Zugang zu seinen Daten unwiderruflich. Es gibt keine Hintertür und keinen Wiederherstellungsservice. Sichern Sie Schlüssel und Passwörter immer an einem sicheren separaten Ort.

Plattformen, Lizenzmodell und FIPS-Zertifizierung

BestCrypt unterstützt Windows (7 bis 11), macOS, Linux (Ubuntu, Fedora, Debian) sowie Android. Eine iOS-Version existiert nicht, da Apple keine Kernel-Erweiterungen für solche Treiber erlaubt. Verschlüsselte Container, die unter Windows erstellt wurden, können unter macOS und Linux geöffnet werden – plattformübergreifende Nutzung ist also kein Problem.

Das Lizenzmodell ist abonnementbasiert. Eine Einzellizenz für BestCrypt Container Encryption kostet etwa 39–49 € pro Jahr, BCVE liegt etwas höher. Unternehmenslizenzen werden per Mengenrabatt angeboten.

Besonders für Unternehmenskunden relevant: BestCrypt ist nach FIPS 140-2 zertifiziert – einem US-Bundesstandard für kryptografische Module. Diese Zertifizierung ist für viele US-Behörden, Gesundheitsdienstleister (HIPAA) und Finanzunternehmen Pflicht.

Anwendungsfälle für Privatpersonen und Unternehmen

Privatanwender nutzen BestCrypt vor allem für Laptop-Verschlüsselung (Schutz bei Diebstahl), verschlüsselte Backups in der Cloud sowie sichere Speicherung von Passwörtern, Steuerunterlagen und Ausweiskopien. Für Unternehmen ist BestCrypt besonders interessant wegen der zentralen Verwaltung über das Jetico Central Manager-Tool, das Unternehmensadministratoren die Verteilung von Richtlinien und die Verwaltung von Recovery-Keys ermöglicht – ein entscheidender Vorteil gegenüber Open-Source-Lösungen wie VeraCrypt, die keine Enterprise-Management-Konsole bieten.

FAQ: Häufige Fragen zu BestCrypt

Ist BestCrypt wirklich sicher, oder gibt es Hintertüren für Behörden?
Jetico ist ein finnisches Unternehmen und unterliegt nicht dem US-amerikanischen CLOUD Act. Das Unternehmen hat erklärt, keine Hintertüren einzubauen. Der Quellcode wurde mehrfach durch unabhängige Dritte auditiert. Absolute Garantien kann niemand geben, aber BestCrypt gilt als vertrauenswürdig.
Kann ich BestCrypt-Container auch ohne installierte Software öffnen?
Nein. Im Gegensatz zu VeraCrypt gibt es keine portable Version ohne Installation. BestCrypt benötigt einen installierten Treiber, da das virtuelle Laufwerk auf Kernel-Ebene eingebunden wird.
Was passiert, wenn ich das Passwort falsch eingebe?
BestCrypt sperrt den Container nach mehreren Fehlversuchen nicht automatisch aus, bietet aber eine optionale Auto-Sperr-Funktion nach Zeitablauf. Eine Brute-Force-Sperre kann manuell konfiguriert werden.
Kann BestCrypt als kostenlose Alternative verwendet werden?
Es gibt eine 30-tägige Testversion. Danach ist eine kostenpflichtige Lizenz erforderlich. Für kostenlosen Einsatz empfiehlt sich VeraCrypt, das funktional sehr ähnlich ist und ebenfalls AES-256 sowie versteckte Container unterstützt.