Zwei Zahlen auf dem Display des Messgeräts – mehr braucht es nicht, um deinen Blutdruck zu beschreiben. Doch was diese Zahlen genau bedeuten und ab wann sie kritisch werden, ist vielen unklar. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie du deinen Blutdruck verstehst, was die einzelnen Werte aussagen und wie du sie nach den gängigen Leitlinien einordnest.
Was die zwei Werte bedeuten
Jede Blutdruckmessung liefert zwei Werte, angegeben in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Der erste, höhere Wert ist der systolische Druck: Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Arterien pumpt. Der zweite, niedrigere Wert ist der diastolische Druck – der Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens zwischen zwei Schlägen.
Ein Wert von "120 zu 80" bedeutet also: 120 mmHg systolisch, 80 mmHg diastolisch. Beide Werte zusammen ergeben das Gesamtbild. Ein einzelner erhöhter Wert reicht aus, um den Blutdruck in eine höhere Kategorie einzustufen.
Die Blutdruck-Tabelle nach Leitlinie
Die European Society of Cardiology (ESC) und die European Society of Hypertension (ESH) teilen den Blutdruck in folgende Bereiche ein. Mit der Blutdruck Einordnung kannst du deine eigenen Werte direkt eingeben und sofort die passende Kategorie ablesen.
- Optimal: systolisch unter 120 und diastolisch unter 80 mmHg
- Normal: 120–129 systolisch und/oder 80–84 diastolisch
- Hochnormal: 130–139 systolisch und/oder 85–89 diastolisch
- Bluthochdruck Grad 1: 140–159 systolisch und/oder 90–99 diastolisch
- Bluthochdruck Grad 2: 160–179 systolisch und/oder 100–109 diastolisch
- Bluthochdruck Grad 3: ab 180 systolisch und/oder ab 110 diastolisch
Liegen systolischer und diastolischer Wert in unterschiedlichen Kategorien, gilt immer die höhere Stufe. Ein Wert von 142 zu 82 zählt also bereits als Bluthochdruck Grad 1, obwohl der diastolische Wert noch im normalen Bereich liegt.
Warum zu hoher Blutdruck gefährlich ist
Bluthochdruck (Hypertonie) verursacht über lange Zeit kaum Beschwerden – deshalb wird er auch "der stille Killer" genannt. Dauerhaft erhöhter Druck belastet jedoch die Gefäßwände, das Herz, die Nieren und die Augen. Die Folgen reichen von Arteriosklerose über Herzinfarkt und Schlaganfall bis zu Nierenschäden. Genau weil Symptome fehlen, ist die regelmäßige Messung so wichtig.
Richtig messen für verlässliche Werte
Ein einzelner Wert sagt wenig aus. Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf erheblich – nach Kaffee, Stress, körperlicher Anstrengung oder sogar beim Arztbesuch (Weißkittel-Effekt). Für eine verlässliche Einordnung gelten ein paar Grundregeln:
- Vor der Messung fünf Minuten ruhig sitzen, Rücken angelehnt, Beine nicht überschlagen.
- Die Manschette auf Herzhöhe am unbekleideten Oberarm anlegen.
- Während der Messung nicht sprechen und ruhig atmen.
- Über mehrere Tage morgens und abends messen und die Werte notieren.
Erst der Durchschnitt aus mehreren Messungen über mehrere Tage erlaubt eine sinnvolle Einordnung. Ein einmalig hoher Wert nach einem stressigen Tag ist kein Grund zur Panik.
Was du selbst tun kannst
Bei hochnormalen oder leicht erhöhten Werten lässt sich oft schon mit dem Lebensstil gegensteuern: weniger Salz, mehr Bewegung, Gewichtsreduktion, weniger Alkohol und der Verzicht auf Nikotin senken den Blutdruck nachweislich. Wer auf sein Gewicht achten möchte, kann mit dem BMI Rechner seinen Body-Mass-Index bestimmen, und mit dem Trinkmenge Rechner seine tägliche Flüssigkeitszufuhr im Blick behalten. Weitere nützliche Helfer findest du in der Webtools-Übersicht.
Wichtig: Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei wiederholt erhöhten Werten, plötzlich sehr hohen Messungen oder Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen solltest du immer eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Häufige Fragen
Ist niedriger Blutdruck gefährlich?
Niedriger Blutdruck (Hypotonie, unter etwa 100 zu 60) ist meist harmlos und sogar herzschonend. Probleme entstehen erst, wenn Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit oder Ohnmacht auftreten. Anders als Bluthochdruck schädigt niedriger Druck die Gefäße nicht.
Welcher Wert ist wichtiger – systolisch oder diastolisch?
Beide sind relevant. Bei jüngeren Menschen gilt der diastolische Wert als aussagekräftig, ab dem mittleren Lebensalter rückt der systolische Wert in den Vordergrund, da die Gefäße steifer werden. In der Praxis wird die höhere der beiden Kategorien für die Einordnung herangezogen.
Wie oft sollte ich messen?
Gesunde Erwachsene ohne Risikofaktoren sollten den Blutdruck mindestens einmal jährlich kontrollieren lassen. Wer bereits erhöhte Werte hat oder Medikamente nimmt, misst nach Absprache mit dem Arzt regelmäßig zu Hause, oft morgens und abends.