Eine Dachrinne wirkt unscheinbar, bis bei Starkregen das Wasser über den Rand schwappt und an der Fassade herunterläuft. Dann zeigt sich, ob Rinne und Fallrohr für die tatsächlich anfallende Wassermenge ausgelegt sind. Wer ein Dach plant, saniert oder einfach prüfen möchte, ob die vorhandene Entwässerung ausreicht, sollte die Grundlagen kennen: Wie viel Wasser fällt überhaupt an, und welche Rohrquerschnitte schlucken diese Menge zuverlässig?
Worauf es bei der Dachentwässerung ankommt
Die anfallende Wassermenge hängt von drei Faktoren ab: der wirksamen Dachfläche, der Regenintensität und einem Abflussbeiwert, der berücksichtigt, wie schnell das Wasser von der Oberfläche abläuft. Ein steiles Ziegeldach leitet Regen fast vollständig ab, eine begrünte Fläche hält dagegen einen Teil zurück.
Die wirksame Dachfläche ist nicht die schräge Dachfläche selbst, sondern ihre waagerechte Projektion – also die Grundfläche, auf die der Regen senkrecht von oben trifft. Bei einem Satteldach rechnet man daher mit Länge mal Gebäudebreite, nicht mit der tatsächlichen Schräglänge der Dachhaut.
Die Regenintensität: r(5,5) als Planungsgröße
In der Fachplanung wird mit einem sogenannten Berechnungsregen gearbeitet. Üblich ist der Wert r(5,5): ein fünfminütiges Regenereignis, das statistisch alle fünf Jahre einmal in dieser Stärke auftritt. Je nach Region in Deutschland liegt dieser Wert zwischen etwa 200 und 350 Litern pro Sekunde und Hektar. Für die Dimensionierung gegen Überlastung wird teils mit selteneren, aber heftigeren Ereignissen wie r(5,100) gerechnet.
Diese Zahlen klingen abstrakt, lassen sich aber direkt in Liter pro Sekunde für Dein konkretes Dach umrechnen. Genau das nimmt Dir der Dachrinnen-Ablauf Rechner ab: Du gibst Dachfläche und Regenintensität ein und erhältst die anfallende Wassermenge sowie eine Empfehlung für die passende Fallrohr-Nennweite.
Vom Wasservolumen zur Fallrohr-Nennweite
Fallrohre werden nach ihrer Nennweite (NW) in Millimetern bezeichnet. Gängige Größen im Wohnungsbau sind:
- NW 75: für kleinere Dachflächen, etwa Garagen, Carports oder Anbauten.
- NW 87 (DN 80): der Klassiker für viele Einfamilienhäuser mit moderater Dachfläche.
- NW 100 (DN 100): für große Dachflächen oder Regionen mit hoher Regenintensität.
- NW 120 und größer: für sehr große Flächen, Gewerbedächer oder zentrale Sammelleitungen.
Jede Nennweite hat eine maximale Schluckleistung in Litern pro Sekunde. Liegt die berechnete Wassermenge darüber, brauchst Du ein größeres Rohr oder ein zusätzliches Fallrohr, das die Fläche aufteilt. Eine Faustregel: Ein einzelnes Fallrohr sollte selten mehr als rund 100 bis 150 Quadratmeter wirksame Dachfläche entwässern.
Typische Fehler bei der Planung
Der häufigste Fehler ist, die Dachfläche zu knapp zu rechnen und Reserven für Starkregen zu ignorieren. Klimabedingt nehmen heftige Regenereignisse zu, weshalb viele Fachleute heute großzügiger dimensionieren als noch vor zwanzig Jahren. Ein weiterer Punkt: Laub und Schmutz verengen den effektiven Querschnitt. Ein knapp bemessenes Rohr verstopft schneller und läuft eher über.
Auch die Rinne selbst muss zur Fläche passen. Eine zu kleine Halbrundrinne staut das Wasser, bevor es das Fallrohr überhaupt erreicht. Rinne, Rohr und Anzahl der Abläufe bilden ein System, das als Ganzes funktionieren muss.
Praktisch nachrechnen
Bevor Du Material bestellst oder einen Handwerker beauftragst, lohnt sich eine schnelle Überschlagsrechnung. Miss die Grundfläche des Daches aus, schätze die Regionswerte für die Regenintensität und prüfe das Ergebnis. Wenn Du parallel überlegst, das Regenwasser nicht einfach in die Kanalisation zu schicken, sondern aufzufangen, hilft Dir der Regenwasser Rechner bei der Abschätzung der sammelbaren Menge. Weitere Werkzeuge rund um Haus, Bau und Garten findest Du in der Übersicht der kostenlosen Webtools.
Eine gut dimensionierte Dachentwässerung kostet kaum mehr als eine zu kleine, schützt aber Fassade, Sockel und Keller vor Feuchtigkeit. Die paar Minuten Rechnung im Vorfeld sind gut investiert.