Ob beim Radwechsel, beim Schrauben am Fahrrad oder beim Zusammenbau von Möbeln: Sobald ein Anzugswert vorgegeben ist, taucht das Wort Drehmoment auf. Und schon stehst du vor dem Problem, dass die Anleitung in Nm spricht, dein US-Drehmomentschlüssel aber in ft-lb skaliert ist – während kleine Werte oft in in-lb angegeben werden. Dieser Ratgeber erklärt, was Drehmoment ist, wie du die Einheiten umrechnest und warum der richtige Wert beim Schrauben so entscheidend ist.
Was Drehmoment eigentlich bedeutet
Drehmoment ist die Drehwirkung einer Kraft. Es beschreibt, wie stark eine Schraube angezogen oder eine Welle verdreht wird. Physikalisch ist es das Produkt aus Kraft und Hebelarm: Eine Kraft von 1 Newton, die am Ende eines 1 Meter langen Hebels wirkt, erzeugt ein Drehmoment von 1 Newtonmeter (Nm).
Genau deshalb tragen die angelsächsischen Einheiten Längen im Namen: ft-lb (foot-pound) bedeutet "ein Pfund Kraft am Ende eines Fußes Hebel", in-lb (inch-pound) entsprechend am Ende eines Zolls. Ein Fuß ist zwölfmal so lang wie ein Zoll – darum ist 1 ft-lb auch genau 12 in-lb.
Die Umrechnungsformeln
Die Faktoren sind fest definiert:
- 1 Nm = 0,7376 ft-lb, umgekehrt 1 ft-lb = 1,3558 Nm.
- 1 Nm = 8,851 in-lb, umgekehrt 1 in-lb = 0,113 Nm.
- 1 ft-lb = 12 in-lb – nur ein Faktor 12.
Beispiel: Radschrauben am Pkw werden oft mit 110 Nm angezogen, das sind rund 81 ft-lb. Eine Fahrradkurbel mit 14 Nm liegt bei etwa 124 in-lb. Damit du dich beim Rechnen nicht vertust – gerade bei der leicht zu verwechselnden ft-lb/in-lb-Stufe – übernimmt der Drehmoment Umrechner die Umwandlung zwischen Nm, ft-lb und in-lb auf Knopfdruck und zeigt dir alle Werte parallel an.
Warum der richtige Wert so wichtig ist
Schrauben sind dafür ausgelegt, mit einer bestimmten Vorspannung zu halten. Diese Vorspannung erzeugst du über das Drehmoment. Weicht es zu stark ab, wird es gefährlich:
- Zu wenig Drehmoment: Die Schraube hält nicht zuverlässig, kann sich durch Vibrationen lösen. Bei Radschrauben ein Sicherheitsrisiko.
- Zu viel Drehmoment: Das Gewinde wird überdehnt oder reißt, die Schraube kann brechen. Besonders bei Aluminiumbauteilen und Carbon (z. B. am Fahrrad) ist das ein reales Problem.
Deshalb geben Hersteller exakte Anzugswerte vor – und deshalb lohnt sich ein Drehmomentschlüssel statt purer Muskelkraft.
Drehmomentschlüssel richtig nutzen
Ein paar Punkte, die in der Praxis oft schiefgehen:
- Wertebereich beachten: Ein grober Knarren-Schlüssel für 40–200 Nm taugt nicht für feine 5-Nm-Schrauben. Für kleine Werte gibt es eigene in-lb- bzw. Nm-Schlüssel.
- Langsam und gleichmäßig ziehen, bis es "klickt" – nicht ruckartig.
- Nach dem Gebrauch entspannen: Knickschlüssel sollten auf den niedrigsten Wert zurückgestellt werden, damit die Feder ihre Kalibrierung behält.
- Nicht zum Lösen verwenden: Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messinstrument, kein Brecheisen.
Worauf du bei US-Anleitungen achten solltest
Viele importierte Geräte und Maschinen kommen mit Werten in ft-lb oder in-lb. Achte genau darauf, welche der beiden gemeint ist – der Faktor 12 dazwischen ist riesig. Ein mit "100 in-lb" angegebener Wert (rund 11 Nm) wäre als "100 ft-lb" (136 Nm) zwölfmal zu fest angezogen und würde fast jedes feine Gewinde zerstören.
Wenn du beim Schrauben weitere Werte umrechnen musst, hilft beim Reifenwechsel der Reifendruck Umrechner für bar, psi und kPa. Alle weiteren technischen Rechner findest du gesammelt unter Webtools.
Fazit
Drehmoment ist Kraft mal Hebel – und die Einheiten Nm, ft-lb und in-lb unterscheiden sich nur in der Skalierung. Wer die Faktoren 1,3558 (Nm aus ft-lb) und 12 (in-lb aus ft-lb) kennt, ist auf der sicheren Seite. Entscheidend bleibt: Halte dich an die vorgegebenen Anzugswerte und nutze einen passenden Drehmomentschlüssel. So hält jede Verbindung genau so, wie sie soll.