Wo steht der nächste Mobilfunkmast? Welche Betreiber sind in meiner Straße aktiv – und wie hoch ist die elektromagnetische Feldstärke dort tatsächlich? Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen, seitdem der 5G-Ausbau in Deutschland Fahrt aufgenommen hat. Die EMF-Karte der Bundesnetzagentur gibt darauf fundierte Antworten – und wir erklären, wie Sie sie optimal nutzen, was die Grenzwerte bedeuten und welche Alternativen es gibt.
Was ist die EMF-Karte der Bundesnetzagentur?
Das Gigabitmonitor der Bundesnetzagentur ist die offizielle Datenbank aller genehmigten Mobilfunkanlagen in Deutschland. Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, jeden neuen Sendemast nach §4 der Verordnung über elektromagnetische Felder (26. BImSchV) bei der Bundesnetzagentur anzumelden. Die Karte wird laufend aktualisiert und zeigt Standorte von Deutschen Telekom, Vodafone, Telefónica (o2) und 1&1.
Neben dem Gigabitmonitor bietet die Behörde auch das spezialisierte EMF-Portal an, das ausschließlich auf elektromagnetische Feldimmissionen fokussiert ist. Dort lassen sich für jeden Standort Technologie (3G, 4G, 5G), Frequenzband, Sendeleistung und die berechnete Feldstärke in der Umgebung abfragen.
Was bedeutet EMF – Grundbegriffe verständlich erklärt
EMF steht für Elektromagnetische Felder. Mobilfunksignale sind nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung – im Unterschied zur ionisierenden Strahlung (Röntgen, Gamma) haben sie nicht genug Energie, um chemische Bindungen zu brechen oder DNA direkt zu schädigen. Die Stärke wird in verschiedenen Einheiten gemessen:
- V/m (Volt pro Meter): Elektrische Feldstärke, die wichtigste Messgröße für die Beurteilung von Mobilfunkimmissionen.
- μW/cm² (Mikrowatt pro Quadratzentimeter): Leistungsflussdichte, vor allem im Zusammenhang mit Grenzwertempfehlungen gebräuchlich.
- SAR (spezifische Absorptionsrate): Gibt an, wie viel Energie pro Kilogramm Körpergewebe aufgenommen wird. Relevant für Handys, die direkt am Körper getragen werden.
Gesetzliche Grenzwerte in Deutschland und der EU
Die in Deutschland geltenden Grenzwerte basieren auf den Empfehlungen der International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) von 2020. Für das 3,6-GHz-Band (typisches 5G-Mittelband) liegt der Grenzwert bei 61 V/m. Reale Messungen in Wohngebieten ergeben typischerweise 0,1–2 V/m – also weit unterhalb des zulässigen Grenzwerts. Selbst direkt unterhalb eines Sendemasts werden die Grenzwerte in der Regel nicht annähernd erreicht, da die maximale Abstrahlleistung auf bestimmte Richtungen konzentriert ist.
So nutzen Sie die EMF-Karte – Schritt für Schritt
- Öffnen Sie den Gigabitmonitor unter gigabitmonitor.bundesnetzagentur.de.
- Geben Sie Ihre Adresse in das Suchfeld ein oder zoomen Sie manuell in die Karte.
- Aktivieren Sie den Layer „Mobilfunk-Standorte" (Symbol: Antennenmast).
- Filtern Sie nach Betreiber (Telekom, Vodafone, o2, 1&1) und/oder Mobilfunkgeneration (3G, 4G, 5G).
- Klicken Sie auf einen markierten Standort – es öffnet sich ein Detailblatt mit Frequenzband, Antennentyp und genehmigter Sendeleistung.
- Wechseln Sie für Feldstärkewerte ins EMF-Portal, das unter emf.bundesnetzagentur.de erreichbar ist.
5G vs. 4G – Was sich wirklich ändert
Ein weit verbreitetes Missverständnis: Höhere Frequenzen bedeuten nicht automatisch stärkere Exposition. Im Gegenteil – Hochfrequenz-5G im Millimeterwellenbereich (26–28 GHz) dringt kaum durch Wände oder Haut und wird bereits von der Kleidung großteils absorbiert. Die Reichweite ist minimal, weshalb sehr viele kleine Antennen nötig sind, die jeweils mit geringer Leistung senden.
Das in Deutschland primär eingesetzte 5G-Mittelband (3,6 GHz) verhält sich ähnlich wie 4G LTE (0,8–2,6 GHz) und erreicht vergleichbare Reichweiten. Die tatsächliche Feldstärke hängt weniger von der Generation als von der Sendeleistung und dem Abstand zum Mast ab.
Vergleich der verfügbaren Karten-Tools
| Tool | Datenquelle | 5G-Daten | Feldstärke | Kostenlos | Aktualität |
|---|---|---|---|---|---|
| Gigabitmonitor (BNetzA) | amtlich | ja | über EMF-Portal | ja | laufend |
| CellMapper | crowdsourced | ja | nein | ja | gut |
| OpenCellID | crowdsourced | bedingt | nein | ja (API) | variabel |
| Speedtest Intelligence (Ookla) | Messdaten | ja | nein | bedingt | sehr gut |
Für verlässliche Standortdaten ist der amtliche Gigabitmonitor die erste Wahl. CellMapper eignet sich gut als Ergänzung, weil Nutzer dort auch Signalstärken und genaue Antennenrichtungen dokumentieren. Speedtest Intelligence ist primär für die Netzabdeckung und Durchsatzanalyse nützlich.
EMF selbst messen – Apps und Geräte
Wer die Feldstärke in seiner Wohnung selbst messen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Smartphone-Apps nutzen die internen Antennen und liefern relative Werte, die für Vergleiche, nicht aber für absolute Messungen geeignet sind. Empfehlenswerte Apps sind Network Cell Info Lite (Android) und Field Sense (iOS), die Signalstärke in dBm anzeigen.
Für genaue Messungen in V/m oder μW/cm² sind kalibrierte Breitband-Messgeräte (z. B. Gigahertz Solutions HFE35C, Preisbereich: 300–600 €) erforderlich. Diese werden häufig von Umweltschutzorganisationen und kommunalen Umweltberatungsstellen verliehen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind 5G-Masten gefährlicher als 4G-Masten?
Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand nein. Die WHO, ICNIRP und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass unterhalb der geltenden Grenzwerte keine gesundheitsschädlichen Wirkungen nachgewiesen sind – dies gilt für 5G ebenso wie für frühere Generationen. Die Grenzwerte wurden mit erheblichen Sicherheitsmargen festgelegt.
Kann ich verlangen, dass ein Mast in meiner Nähe abgeschaltet wird?
Nein, solange der Betreiber alle Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt und die Grenzwerte eingehalten werden. Kommunen haben begrenzte Möglichkeiten, Standorte zu beeinflussen. Baugenehmigungsrechtlich gilt: Mobilfunkmasten bis 10 m Höhe sind in vielen Bundesländern verfahrensfrei.
Was ist der Unterschied zwischen dem Gigabitmonitor und dem EMF-Portal?
Der Gigabitmonitor zeigt primär den Breitbandausbau und die Mobilfunkversorgung. Das EMF-Portal konzentriert sich auf elektromagnetische Feldimmissionen und bietet berechnete Feldstärkewerte für genehmigte Anlagen. Beide Tools ergänzen sich und werden von der Bundesnetzagentur betrieben.
Wie viele Mobilfunkmasten gibt es in Deutschland?
Laut Bundesnetzagentur waren Anfang 2026 rund 250.000 Mobilfunk-Standorte in Deutschland registriert, davon bereits mehr als 100.000 mit 5G-Technik ausgestattet. Der Ausbau läuft weiterhin mit hoher Geschwindigkeit – besonders in ländlichen Gebieten, wo noch erhebliche Versorgungslücken bestehen.
