Everything – Blitzschnelle Dateisuche für Windows im Test

Everything – Blitzschnelle Dateisuche für Windows im Test

Wer schon einmal die Windows-eigene Dateisuche benutzt hat, kennt das zermürbende Warten: Mehrere Sekunden vergehen, manchmal Minuten, bis Ergebnisse erscheinen – und dann fehlt oft genau die gesuchte Datei. Everything von Voidtools löst dieses Problem auf elegante und radikale Weise: Das winzige Freeware-Tool indiziert das gesamte NTFS-Dateisystem beim ersten Start und liefert danach Suchergebnisse buchstäblich in Millisekunden. Dieser Test zeigt, wie es funktioniert, welche Suchoperatoren es bietet und wo die Grenzen liegen.

Was ist Everything und wie funktioniert die NTFS-Indexierung?

Everything ist ein kostenloser Datei-Indexer und Schnellsuche-Launcher für Windows, entwickelt von David Carpenter unter dem Pseudonym „voidtools". Das Programm ist seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2008 nahezu unverändert in seiner Kernphilosophie geblieben: schnell, schlank, präzise.

Der Trick hinter der Geschwindigkeit liegt in der direkten Nutzung des NTFS Master File Table (MFT). Jedes NTFS-Volume führt eine kompakte Tabelle aller Dateien und Verzeichnisse – den MFT. Everything liest diese Tabelle direkt aus, ohne den Windows-eigenen Indexdienst zu benötigen. Der erste Indexierungsvorgang dauert bei einer typischen Festplatte mit 500.000 Dateien weniger als 30 Sekunden. Das daraus resultierende Everything-Datenbankabbild passt oft in weniger als 10 MB RAM und wird im Arbeitsspeicher gehalten, sodass jede Suche gegen diesen In-Memory-Index läuft – daher die Antwortzeiten im Millisekundenbereich.

Tipp: Öffnen Sie Everything mit dem Tastenkürzel Win+Alt+F (nach eigener Konfiguration) oder starten Sie es beim Systemstart als Dienst, damit der Index immer aktuell ist und das Fenster blitzschnell erscheint.

Installation und Einrichtung

Die Installation von Everything ist unkompliziert. Laden Sie den Installer von der offiziellen Seite voidtools.com herunter. Das Programm ist in einer normalen Installer-Version und als portable Version ohne Installationsroutine verfügbar. Letztere eignet sich für USB-Sticks oder Umgebungen ohne Administratorrechte, allerdings kann Everything als Nicht-Administrator nur das Benutzerprofil vollständig indizieren – für den vollen MFT-Zugriff werden Administratorrechte benötigt.

Nach dem ersten Start erscheint das minimalistische Suchfenster. Die Indexierung beginnt automatisch und ist in der Regel innerhalb von Sekunden abgeschlossen. Everything läuft dauerhaft im System-Tray und überwacht Änderungen am Dateisystem in Echtzeit über den Windows-Änderungsüberwachungsdienst (USN Journal). Neue Dateien erscheinen sofort in der Suche.

Suchoperatoren und Syntax

Everything unterstützt eine mächtige Suchsyntax, die weit über einfache Dateinamen hinausgeht. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Operatoren:

Operator / Syntax Bedeutung Beispiel
*.pdf Alle PDF-Dateien *.pdf
"exakter name" Exakte Phrase suchen "rechnung 2026"
ext:jpg|png Mehrere Dateitypen urlaub ext:jpg|png
size:>10mb Dateigröße als Filter size:>500mb
date:today Heute geänderte Dateien date:today ext:docx
path:C:\Projekte Suche auf Pfad einschränken path:C:\Dokumente *.xlsx
! (Negation) Begriff ausschließen *.mp3 !backup
regex: Reguläre Ausdrücke regex:Rechnung_\d{4}

Vergleich: Everything vs. Windows-Suche vs. Agent Ransack

Die integrierte Windows-Suche hat sich in den letzten Windows-Versionen verbessert, bleibt aber in puncto Geschwindigkeit und Präzision weit hinter Everything zurück. Windows-Suche indiziert standardmäßig nur Bibliotheken und Inhalte, was bei reinen Dateinamen-Suchen nach nicht-indizierten Speicherorten zu langen Wartezeiten führt. Agent Ransack ist eine weitere beliebte Alternative, die sich auf die Volltextsuche spezialisiert – also das Durchsuchen von Dateiinhalten nach bestimmten Begriffen. Hier ergänzen sich Both und Everything hervorragend: Everything für Dateinamen, Agent Ransack für Inhaltssuche.

Wichtig: Everything durchsucht standardmäßig nur Dateinamen und Pfade, nicht den Inhalt von Dateien. Für die Volltextsuche in Dokumenten benötigen Sie ein anderes Tool wie Agent Ransack oder die Windows-Volltextsuche.

Netzlaufwerke und der HTTP-Server

Everything kann nicht nur lokale Laufwerke indizieren. Über Extras → Optionen → Indizierung lassen sich auch Netzlaufwerke (UNC-Pfade) hinzufügen. Besonders praktisch in Unternehmensumgebungen: Everything läuft auf einem zentralen Server, und Remote-Clients verbinden sich über den eingebauten HTTP-Server. Aktivieren Sie diesen unter Extras → HTTP-Server, und Kollegen können Everything-Suchen im Browser unter http://serverip:80 ausführen, ohne das Programm installiert zu haben.

Kommandozeilennutzung und Integration

Everything bringt ein Kommandozeilenwerkzeug namens es.exe mit, das sich hervorragend in Skripte integrieren lässt. Ein einfacher Aufruf wie es.exe *.log size:>1mb gibt alle Log-Dateien größer als 1 MB als Liste aus. Mit PowerShell oder Batch-Skripten lassen sich daraus leistungsstarke Automatisierungen bauen, zum Beispiel automatische Archivierungen alter Projektdateien.

Außerdem bietet Everything eine SDK-Schnittstelle, über die andere Programme Suchanfragen stellen können. Launcher wie Launchy oder PowerToys Run nutzen diese Schnittstelle, um ihre eigene Dateisuche auf Everything-Geschwindigkeit zu heben. Weitere Praxistipps liefert das voidtools-Forum.

Fazit

Everything ist eines der wenigen Windows-Programme, das seit Jahren keiner Überarbeitung bedarf – weil es von Anfang an konsequent durchdacht wurde. Wer täglich mit vielen Dateien arbeitet und keine Zeit für zähes Warten verschwendet, sollte Everything unverzüglich installieren. Es ist kostenlos, ressourcenschonend, portabel und mit einer mächtigen Suchsyntax ausgestattet. Die Windows-eigene Suche ist für die tägliche Arbeit keine ernsthafte Alternative mehr.

Häufige Fragen zu Everything

Ist Everything wirklich kostenlos?
Ja, Everything ist Freeware und kostenlos für private und kommerzielle Nutzung. Es ist keine Registrierung erforderlich und es gibt keine kostenpflichtige Pro-Version. Der Entwickler David Carpenter finanziert das Projekt durch freiwillige Spenden.
Funktioniert Everything auch auf FAT32- oder exFAT-Laufwerken?
Eingeschränkt. Everything nutzt den NTFS Master File Table für seine Hochgeschwindigkeitsindizierung. FAT32 und exFAT besitzen keinen MFT, weshalb Everything diese Laufwerke deutlich langsamer über normale Ordnerindizierung durchsucht. Für USB-Sticks und SD-Karten ist die Geschwindigkeit daher geringer.
Kann Everything den Datei-Inhalt durchsuchen?
Nicht standardmäßig. Everything sucht ausschließlich nach Dateinamen und Pfaden. Es gibt jedoch eine experimentelle Funktion für Inhaltssuche in bestimmten Dateitypen, die in den Einstellungen aktiviert werden kann. Für professionelle Volltextsuche ist jedoch Agent Ransack oder die Windows-Volltextindizierung besser geeignet.
Wie aktuell ist der Everything-Index?
Der Index wird in Echtzeit aktualisiert. Everything überwacht das USN Journal (Update Sequence Number Journal) des NTFS-Dateisystems, das Windows bei jeder Dateiänderung aktualisiert. Neue, umbenannte oder gelöschte Dateien erscheinen sofort – ohne manuelles Neuindizieren.