FileZilla – FTP-Client für Windows: Anleitung und Tipps

FileZilla – FTP-Client für Windows: Anleitung und Tipps

FileZilla ist seit über 20 Jahren der meistgenutzte kostenlose FTP-Client weltweit. Ob Webentwickler, der Dateien auf seinen Hosting-Server überträgt, oder Systemadministrator, der entfernte Server verwaltet – FileZilla ist das Werkzeug der ersten Wahl, wenn es um schnelle, zuverlässige Dateiübertragungen geht. In dieser Anleitung erklären wir Installation, Konfiguration, häufige Fehler und den Vergleich mit Alternativen.

Was ist FileZilla?

FileZilla ist ein Open-Source-FTP-Client, der unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird. Das Projekt existiert seit 2001 und wird aktiv weiterentwickelt. FileZilla unterstützt die drei gängigsten Dateiübertragungsprotokolle: FTP (File Transfer Protocol), FTPS (FTP über SSL/TLS) und SFTP (SSH File Transfer Protocol). Die Software ist für Windows, macOS und Linux verfügbar und wird auf filezilla-project.org bereitgestellt.

Neben dem Client gibt es auch einen FileZilla Server – eine separate Anwendung, mit der man einen eigenen FTP/FTPS-Server betreiben kann. Dieser Artikel konzentriert sich auf den Client.

Installation – Vorsicht bei Bundleware!

Der Download auf der offiziellen Projektseite ist kostenlos und sicher. Allerdings gibt es seit Jahren Drittanbieter-Seiten, die FileZilla mit Adware oder unerwünschten Programmen gebündelt anbieten. Lade FileZilla ausschließlich über die offizielle Seite oder SourceForge (direkter Link auf der offiziellen Seite) herunter.

Wichtig: Während der Installation von FileZilla kann es zu Angeboten für Drittanbieter-Software kommen (Bundleware). Lies jeden Installationsschritt aufmerksam und deaktiviere alle vorausgewählten Zusatzprogramme, bevor du auf „Weiter" klickst. Wähle im Zweifelsfall die Option „Benutzerdefinierte Installation", um die volle Kontrolle über installierte Komponenten zu behalten.

Die eigentliche Installation dauert unter einer Minute. Nach dem Start öffnet sich die Hauptoberfläche ohne weitere Konfiguration – FileZilla ist sofort einsatzbereit.

FTP vs. FTPS vs. SFTP – Welches Protokoll wählen?

Kriterium FTP FTPS (Explizit) SFTP
Verschlüsselung Keine SSL/TLS SSH (komplett verschlüsselt)
Standard-Port 21 21 (startet unverschlüsselt) 22
Passwort-Übertragung Klartext (unsicher!) Verschlüsselt Verschlüsselt
Firewall-Kompatibilität Problematisch (Passiv-Mode nötig) Ähnlich wie FTP Sehr gut (ein Port)
Authentifizierung Benutzername + Passwort Benutzername + Passwort + Zertifikat Passwort oder SSH-Schlüssel
Empfehlung Nur in isolierten Netzwerken Gut, wenn SFTP nicht verfügbar Beste Wahl für Sicherheit

Für alle neuen Verbindungen sollte SFTP bevorzugt werden. Reines FTP überträgt Benutzernamen, Passwörter und Dateiinhalte im Klartext und ist über öffentliche Netzwerke ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Die meisten modernen Webhoster bieten SFTP standardmäßig an.

Verbindung einrichten: Der Site Manager

Der Site Manager (Datei → Site Manager oder Strg+S) ist das Herzstück für die Verwaltung aller Serververbindungen. Hier werden Verbindungsdaten gespeichert und können jederzeit mit einem Doppelklick aufgerufen werden.

Eine neue Verbindung richtet man so ein:

  1. Im Site Manager auf „Neue Seite" klicken und einen Namen vergeben (z. B. „Mein Webserver").
  2. Protokoll wählen: „SFTP – SSH File Transfer Protocol" für sichere Verbindungen.
  3. Host-Adresse eingeben (z. B. meinserver.de oder die IP-Adresse).
  4. Port: 22 für SFTP, 21 für FTP/FTPS.
  5. Anmeldung: „Normal" für Benutzername und Passwort; „Schlüsseldatei" für SSH-Key-Authentifizierung.
  6. Benutzername und Passwort eintragen, dann auf „Verbinden" klicken.

Alternativ lässt sich eine schnelle Verbindung über die Schnellverbindungsleiste oben im Fenster herstellen – diese Verbindungen werden jedoch nicht dauerhaft im Site Manager gespeichert.

Tipp: Nutze für wiederkehrende Serververbindungen stets den Site Manager statt der Schnellverbindungsleiste. Im Site Manager kannst du Verbindungen in Ordner gruppieren (z. B. „Kunden", „Eigene Server") und für SFTP-Verbindungen den Pfad zum SSH-Schlüssel hinterlegen, sodass du dich ohne Passworteingabe anmelden kannst.

Die FileZilla-Oberfläche verstehen

Die Oberfläche von FileZilla ist in vier Hauptbereiche aufgeteilt:

Dateien werden durch einfaches Drag-and-drop zwischen lokaler und Remote-Ansicht übertragen. Ein Rechtsklick auf eine Datei öffnet das Kontextmenü mit Optionen wie Hochladen, Herunterladen, Umbenennen, Löschen und Dateiberechtigungen ändern.

Dateiberechtigungen (chmod) setzen

Ein Rechtsklick auf eine Datei oder einen Ordner auf dem Server und die Option „Dateiberechtigungen" öffnen einen Dialog zum Setzen von Unix-Berechtigungen (chmod). Für Webserver-Dateien gelten üblicherweise folgende Werte: Dateien erhalten die Berechtigung 644 (Besitzer lesen/schreiben, Gruppe und Andere nur lesen), Ordner erhalten 755 (Besitzer alles, Gruppe und Andere lesen/ausführen). Niemals sollten Dateien oder Ordner mit 777 (alle dürfen alles) versehen werden, da dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.

Häufige Fehler und Lösungen

Connection timeout / Verbindungsabbruch: Meist ein Firewall-Problem. Aktiviere unter Bearbeiten → Einstellungen → Verbindung → FTP die Option „Passiv-Modus verwenden" (PASV). Im passiven Modus initiiert der Client beide Verbindungen, was Firewall-Probleme deutlich reduziert.

„Could not connect to server": Überprüfe Host, Port und Protokoll. Ein häufiger Fehler ist die Angabe von FTPS, obwohl der Server nur SFTP unterstützt (oder umgekehrt). Frag beim Hosting-Anbieter nach den korrekten Verbindungsdaten.

Übertragung sehr langsam: Unter Übertragung → Einstellungen lässt sich die Anzahl gleichzeitiger Verbindungen erhöhen. Für viele kleine Dateien (z. B. Website-Assets) verbessert eine höhere Parallelität (3–5 Verbindungen) die Gesamtgeschwindigkeit deutlich.

FileZilla vs. WinSCP vs. Cyberduck

Kriterium FileZilla WinSCP Cyberduck
Plattformen Windows, macOS, Linux Nur Windows Windows, macOS
Protokolle FTP, FTPS, SFTP FTP, FTPS, SFTP, SCP, WebDAV FTP, FTPS, SFTP, S3, WebDAV, Google Drive
Cloud-Speicher Nein Begrenzt (WebDAV) Ja (S3, Azure, Google Drive, Backblaze)
Integrierter Editor Externer Editor konfigurierbar Integrierter Texteditor Externer Editor
Skript-/Automatisierung Begrenzt Umfangreich (eigene Skriptsprache) Über CLI (duck)
Preis Kostenlos (Open Source) Kostenlos (Open Source) Kostenlos (Open Source)

Wer primär auf Windows-Servern mit SFTP arbeitet und Skripting benötigt, greift zu WinSCP. Wer Cloud-Speicher wie Amazon S3 oder Backblaze B2 verwalten möchte, ist mit Cyberduck besser bedient. Für klassische FTP/SFTP-Aufgaben auf beliebigen Betriebssystemen bleibt FileZilla die erste Wahl.

Ist FileZilla wirklich kostenlos?
Ja. FileZilla Client ist dauerhaft kostenlos und quelloffen. Es gibt keine Premiumversion des Clients. Der separat erhältliche FileZilla Pro Client (kostenpflichtig) fügt Unterstützung für Cloud-Dienste wie S3, OneDrive und Google Drive hinzu – für Standard-FTP/SFTP-Aufgaben ist er nicht erforderlich.
Wie speichere ich meine Serververbindungen bei einem PC-Wechsel?
FileZilla speichert alle Site-Manager-Verbindungen in der Datei sitemanager.xml im FileZilla-Konfigurationsordner (%AppData%\FileZilla\ unter Windows). Diese Datei auf den neuen Rechner kopieren und dort in denselben Ordner legen – alle Verbindungen sind sofort verfügbar. Alternativ bietet FileZilla unter Datei → Exportieren einen Export-Assistenten.
Kann FileZilla Verzeichnisse rekursiv synchronisieren?
Nein, eine automatische bidirektionale Synchronisation wie bei rsync bietet FileZilla nicht. Es können jedoch ganze Verzeichnisse per Drag-and-drop übertragen werden. Für Synchronisationsaufgaben empfiehlt sich WinSCP mit seiner eingebauten Synchronisationsfunktion oder ein dediziertes Backup-Tool.
Warum sehe ich keine versteckten Dateien (z. B. .htaccess) auf dem Server?
Versteckte Dateien (beginnen mit einem Punkt unter Linux/Unix) werden in FileZilla standardmäßig nicht angezeigt. Aktiviere die Anzeige unter Server → Versteckte Dateien erzwingen. Diese Einstellung gilt nur für die aktuelle Sitzung; dauerhaft lässt sie sich unter Bearbeiten → Einstellungen → Anzeige von versteckten Dateien aktivieren.