Die Frage nach dem richtigen Tagessatz beschäftigt fast jeden Freelancer – vor allem am Anfang. Viele orientieren sich an dem, was sie als Angestellte verdient haben, und teilen ihr altes Monatsgehalt grob durch die Arbeitstage. Das führt fast immer zu einem viel zu niedrigen Preis, weil ein entscheidender Unterschied übersehen wird: Als Selbstständiger trägst du alle Kosten und Ausfallzeiten selbst.
Warum dein altes Gehalt der falsche Maßstab ist
Als Angestellter bekommst du auch im Urlaub, an Feiertagen und bei Krankheit dein Gehalt. Dein Arbeitgeber zahlt die Hälfte der Sozialabgaben, stellt einen Arbeitsplatz, Software und Hardware. All das fällt als Freelancer weg – oder genauer: Es liegt komplett bei dir. Dein Tagessatz muss deshalb deutlich höher sein als dein früherer Tageslohn, nur um auf dasselbe Netto zu kommen.
Die Bausteine eines tragfähigen Tagessatzes
Ein realistischer Tagessatz baut sich von oben nach unten auf. Du startest mit dem, was du am Ende verdienen willst, und arbeitest dich zu den abrechenbaren Tagen vor:
- Wunschgehalt: Das Jahreseinkommen, das du anstrebst – brutto, vor Steuern.
- Betriebskosten: Büro, Software, Versicherungen, Weiterbildung, Geräte, Buchhaltung.
- Soziale Absicherung: Kranken-, Renten- und gegebenenfalls Pflegeversicherung – als Selbstständiger trägst du sie allein.
- Nicht abrechenbare Zeit: Urlaub, Feiertage, Krankheit, Akquise, Buchhaltung und Weiterbildung – Tage, an denen kein Kunde zahlt.
- Auslastung: Selbst in guten Jahren sind selten 100 Prozent der verbleibenden Tage verkauft. 60 bis 80 Prozent sind realistisch.
Die Logik dahinter: Du brauchst eine Jahressumme aus Gehalt plus Kosten und teilst sie durch die wirklich verkaufbaren Tage – nicht durch alle 365. Von rund 220 möglichen Arbeitstagen bleiben nach Urlaub, Krankheit und Akquise oft nur 150 bis 170 übrig, und davon ist auch nicht jeder belegt.
Diese Kette von Hand zu rechnen ist mühsam und führt schnell zu Fehlern. Mit dem Freelancer Tagessatz Rechner gibst du Wunschgehalt, Kosten, Urlaubstage und Auslastung ein und erhältst sofort den Tagessatz, den du tatsächlich verlangen musst.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, du willst 60.000 Euro im Jahr verdienen und hast 20.000 Euro Betriebs- und Versicherungskosten. Macht 80.000 Euro, die deine Kunden insgesamt zahlen müssen. Wenn nach Urlaub und Krankheit 200 Arbeitstage übrig bleiben, du aber nur zu 70 Prozent ausgelastet bist, sind das 140 abrechenbare Tage. 80.000 geteilt durch 140 ergibt einen Tagessatz von rund 570 Euro. Wer hier mit den vollen 200 Tagen rechnet, kommt auf 400 Euro – und macht am Jahresende ein dickes Minus.
Der Unterschied zum Stundensatz
Ob du in Tagessätzen oder Stundensätzen abrechnest, hängt von deiner Branche ab. Projektarbeit und Beratung laufen oft über Tagessätze, kleinere Aufträge über Stunden. Die Kalkulation dahinter ist identisch – du teilst nur durch eine andere Einheit. Mit dem Freelancer Tagessatz Rechner bekommst du eine solide Grundlage, die du anschließend in einen Stundensatz umrechnen kannst.
Den Preis selbstbewusst vertreten
Ein gut kalkulierter Tagessatz hat einen oft unterschätzten Vorteil: Du kannst ihn begründen. Wenn ein Kunde nachfragt, weißt du genau, welche Kosten und Risiken darin stecken. Das macht Preisverhandlungen sachlicher und souveräner. Ein Preis aus dem Bauch heraus lässt sich dagegen leicht herunterhandeln.
Weiterrechnen mit passenden Tools
Wer lieber pro Stunde abrechnet, findet im Freelancer Stundensatz Rechner das passende Gegenstück. Und wer wissen will, welcher Tagessatz welchem Jahresumsatz entspricht, kombiniert ihn mit dem Stundenlohn Rechner. Alle Rechner für Selbstständige findest du gebündelt unter kotsch.tech/webtools. So stellst du sicher, dass dein Preis nicht nur die Rechnungen deckt, sondern dir auch das Einkommen lässt, für das du dich selbstständig gemacht hast.