GIMP – Kostenlose Bildbearbeitung: Photoshop-Alternative im Test

GIMP – Kostenlose Bildbearbeitung: Photoshop-Alternative im Test

GIMP – kurz für GNU Image Manipulation Program – ist seit 1995 das bekannteste kostenlose Bildbearbeitungsprogramm der Welt. Es bietet Funktionen, die früher ausschließlich teuren Profi-Programmen vorbehalten waren: Ebenenverwaltung, Masken, Freistellungen, Farbkorrekturen und eine erweiterbare Plugin-Architektur. Dieser Artikel erklärt, wie Sie GIMP optimal nutzen und wo die Grenzen im Vergleich zu Photoshop liegen.

Was ist GIMP?

GIMP ist ein Open-Source-Rastergrafik-Editor, der von einer weltweiten Entwicklergemeinschaft gepflegt wird. Die Software steht unter der GNU GPL und ist für Windows, macOS und Linux kostenlos verfügbar. Aktuelle Version ist GIMP 3.x, die gegenüber dem langjährigen 2.10-Zweig eine modernisierte Oberfläche auf Basis von GTK3 sowie verbesserte Farbverwaltung mit erweiterter Farbtiefe bietet.

Die offizielle Website finden Sie unter gimp.org. Für Windows empfiehlt sich der Download direkt von dort oder über den Microsoft Store. macOS-Nutzer können GIMP über Homebrew installieren (brew install --cask gimp), was regelmäßige Updates vereinfacht.

Installation unter Windows und macOS

Unter Windows führen Sie den heruntergeladenen Installer aus und folgen den Anweisungen. Die Installation dauert je nach Hardware etwa 2–5 Minuten. Unter macOS öffnen Sie das DMG-Image, ziehen GIMP in den Programme-Ordner und bestätigen beim ersten Start die Sicherheitsabfrage unter Systemeinstellungen → Datenschutz & Sicherheit. Unter Linux installieren Sie GIMP über Ihren Paketmanager oder als Flatpak (flatpak install flathub org.gimp.GIMP), was die aktuellste Version sicherstellt.

Die Oberfläche: Single- und Multi-Window-Modus

GIMP bietet zwei Anzeigemodi, zwischen denen Sie unter Fenster → Einzelfenster-Modus wechseln können. Im Multi-Window-Modus schweben alle Dialoge als separate Fenster, was bei mehreren Monitoren praktisch ist. Im Single-Window-Modus sind alle Bedienelemente in einem Fenster zusammengefasst – ähnlich wie in Photoshop. Einsteiger sollten den Single-Window-Modus bevorzugen.

Die Oberfläche gliedert sich in drei Bereiche: links die Werkzeugpalette, in der Mitte die Bildleinwand und rechts die Dialoge (Ebenen, Kanäle, Pfade, Verlauf). Die Konfiguration der Dialoge lässt sich per Drag-and-Drop individuell anpassen.

Wichtigste Werkzeuge erklärt

GIMP stellt alle gängigen Bildbearbeitungswerkzeuge bereit:

Tipp: Speichern Sie regelmäßig im GIMP-eigenen XCF-Format, das alle Ebenen und Masken erhält. Erst beim finalen Export (Datei → Als exportieren) wählen Sie das Ausgabeformat wie JPEG oder PNG. Das Speichern als JPEG über Datei → Speichern ist in GIMP nicht möglich – das ist gewollt und schützt vor versehentlichem Qualitätsverlust.

Ebenen und Masken: Das Grundkonzept

Das Ebenenkonzept ist das Herzstück jeder professionellen Bildbearbeitung. Stellen Sie sich Ebenen wie Folien vor, die übereinander gestapelt werden. Jede Ebene kann unabhängig verschoben, skaliert und mit Effekten versehen werden, ohne andere Ebenen zu beeinflussen. Im GIMP-Ebenen-Dialog sehen Sie den Stapel aller Ebenen; die oberste liegt im Bild ganz vorne.

Masken sind schwarze oder weiße Ebenenanhänge, die Teile einer Ebene verbergen oder sichtbar machen. Weiß bedeutet sichtbar, Schwarz bedeutet unsichtbar, Grautöne erzeugen Transparenz. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Ebene und wählen Sie „Ebenenmaske hinzufügen", um eine neue Maske zu erstellen. Malen Sie mit einem schwarzen Pinsel auf die Maske, um Bildteile zu verbergen – zerstörungsfrei und jederzeit umkehrbar.

Freistellung: Fuzzy Select, Pfade und Foreground Select

Die Freistellung – das Ausschneiden eines Motivs vom Hintergrund – ist eine der häufigsten Aufgaben in der Bildbearbeitung. GIMP bietet drei Hauptmethoden:

Fuzzy-Select (Zauberstab): Klicken Sie auf den Hintergrund und erhöhen Sie den Schwellenwert, bis der Hintergrund vollständig ausgewählt ist. Anschließend kehren Sie die Auswahl um (Strg+I) und fügen eine Ebenenmaske hinzu. Funktioniert gut bei einfarbigen Hintergründen.

Pfade: Das Pfadwerkzeug erzeugt präzise Vektorpfade, die Sie um das Motiv zeichnen. Nach dem Schließen des Pfades konvertieren Sie diesen in eine Auswahl. Diese Methode liefert die saubersten Kanten, erfordert aber Zeit.

Foreground-Select: Unter Werkzeuge → Auswahlwerkzeuge → Vordergrund auswählen malen Sie grob über das Motiv, dann verfeinert GIMP die Kanten automatisch mit einem intelligenten Algorithmus. Für Porträts mit komplexen Haarkanten sehr hilfreich.

Farbanpassungen und Filter

Unter dem Menü Farben finden Sie alle wichtigen Anpassungen: Helligkeit/Kontrast, Kurven, Farbton/Sättigung, Farbbalance und Gradationskurven. Für nicht-destruktive Farbanpassungen nutzen Sie Farben → Kurven auf einer duplizierten Ebene.

Der Filtermenü bietet hunderte von Effekten: Weichzeichner, Schärfungsfilter, Verzerungseffekte, Licht und Schatten sowie dekorative Filter. Besonders beliebt ist Filter → Verbessern → Unscharf maskieren, das Bilder gezielt schärft, ohne Rauschen zu verstärken.

Script-Fu für Automatisierung

GIMP enthält eine eingebaute Skriptsprache namens Script-Fu (basierend auf Scheme), mit der Sie wiederkehrende Aufgaben automatisieren können. Über Filter → Script-Fu → Konsole können Sie einzelne Befehle interaktiv ausführen. Möchten Sie beispielsweise ein Bild auf eine bestimmte Größe skalieren, lautet der Befehl: (gimp-image-scale-full (car (gimp-file-load RUN-NONINTERACTIVE "bild.jpg" "bild.jpg")) 1920 1080 INTERPOLATION-LINEAR). Für umfangreichere Automatisierungen empfiehlt sich das Plugin BIMP.

Vergleich: GIMP vs. Photoshop vs. Affinity Photo

Kriterium GIMP 3.x Adobe Photoshop Affinity Photo 2
Preis Kostenlos (Open Source) ab 25 €/Monat Einmalig ca. 75 €
RAW-Entwicklung Über Darktable/RawTherapee Camera Raw (integriert) Develop Persona (integriert)
Nicht-destruktive Bearbeitung Begrenzt (keine Smartebenen) Vollständig (Smartebenen, Anpassungsebenen) Vollständig
Farbtiefe 8/16/32 Bit (ab GIMP 3.x) 8/16/32 Bit 8/16/32 Bit
Plugin-Ökosystem Groß (G'MIC, BIMP etc.) Sehr groß Mittel
Betriebssysteme Windows, macOS, Linux Windows, macOS Windows, macOS, iOS
Lernkurve Mittel Hoch Mittel

Plugins: G'MIC und BIMP

Zwei Plugins erweitern GIMP erheblich. G'MIC (GREYC's Magic for Image Computing) ist eine umfangreiche Sammlung von über 500 Bildverarbeitungsfiltern – von künstlerischen Stileffekten über Rauschentfernung bis hin zu Farbpaletten-Transformationen. Es ist kostenlos auf gmic.eu verfügbar und lässt sich direkt über Filter → G'MIC aufrufen.

BIMP (Batch Image Manipulation Plugin) ermöglicht die Massenverarbeitung von Bildern: Größenänderung, Umbenennung, Formatkonvertierung und Filteranwendung auf ganze Ordner auf einmal. Unverzichtbar für Webmaster und Fotografen, die viele Bilder gleichzeitig optimieren müssen.

Warnung: GIMP speichert standardmäßig keine automatischen Sicherungskopien während der Bearbeitung. Aktivieren Sie das Backup-Intervall unter Bearbeiten → Einstellungen → Umgebung → Intervalldauer für Sicherheitskopien, um Datenverlust bei Abstürzen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Kann GIMP Photoshop-Dateien (PSD) öffnen?
Ja, GIMP kann PSD-Dateien öffnen und die Ebenenstruktur größtenteils erhalten. Komplexe Photoshop-Funktionen wie Smartebenen, Anpassungsebenen oder Stile werden dabei jedoch nicht vollständig unterstützt und können abweichend dargestellt werden.
Warum wirkt die GIMP-Oberfläche veraltet?
GIMP 3.x bringt eine deutlich modernisierte Oberfläche mit GTK3. Ältere Versionen (2.10) sahen tatsächlich antiquiert aus. Stellen Sie sicher, dass Sie die aktuelle Version von gimp.org nutzen, und passen Sie das Theme unter Bearbeiten → Einstellungen → Benutzeroberfläche → Theme auf „System" oder „Dark" an.
Unterstützt GIMP CMYK für den Druck?
GIMP unterstützt CMYK nicht nativ. Für professionellen Druck empfiehlt sich die Kombination mit Scribus oder die Konvertierung in einem separaten Werkzeug. Das Plugin Separate+ bietet eine begrenzte CMYK-Vorschau.
Wie installiere ich GIMP-Plugins?
Die meisten Plugins werden als Dateien mit der Endung .py (Python), .scm (Script-Fu) oder .exe (Windows) geliefert. Kopieren Sie diese in den Plugin-Ordner unter Bearbeiten → Einstellungen → Ordner → Plugins und starten Sie GIMP neu. Das Plugin erscheint dann im Filtermenü.