Immich: Eigene Google-Photos-Alternative selbst hosten mit KI-Suche

Google Photos war jahrelang der Goldstandard für Fotoverwaltung: automatischer Backup, KI-gestützte Suche, Alben, Sharing – alles in einer App. Doch wer seine Fotos nicht in fremde Hände geben möchte, steht vor einer Frage: Gibt es eine selbst gehostete Alternative, die genauso komfortabel ist? Die Antwort lautet: Immich. Das Open-Source-Projekt hat in kurzer Zeit eine riesige Community aufgebaut und bietet mittlerweile fast alle Funktionen von Google Photos – auf der eigenen Hardware, unter der eigenen Kontrolle.

Was ist Immich?

Immich ist eine selbst gehostete Foto- und Videoverwaltung, die 2022 von Alex Tran gestartet wurde und seitdem rasant gewachsen ist. Das Projekt steht unter der AGPL-Lizenz und wird aktiv weiterentwickelt – mit wöchentlichen Releases. Die Architektur basiert auf einem NestJS-Backend, einer PostgreSQL-Datenbank, Redis für den Cache sowie einem Machine-Learning-Dienst auf Basis von Python. Alle Komponenten laufen als Docker-Container und lassen sich mit einer einzigen docker-compose.yml starten.

Immich richtet sich an technisch versierte Nutzer, die ihre Mediendateien selbst kontrollieren wollen, ohne auf Komfort zu verzichten. Die mobile App für Android und iOS ermöglicht automatischen Backup im Hintergrund, genau wie Google Photos. Auf der Web-Oberfläche lassen sich Fotos durchsuchen, sortieren, in Alben zusammenstellen und mit anderen teilen.

Docker-Compose-Setup Schritt für Schritt

Die Installation von Immich ist dank des offiziellen Docker-Compose-Stacks unkompliziert. Zunächst lädt man die Konfigurationsdateien herunter:

mkdir ~/immich && cd ~/immich
wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml
wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.env

In der .env-Datei werden Datenbankpasswort, Upload-Verzeichnis und die gewünschte Immich-Version festgelegt. Anschließend startet man den Stack:

docker compose up -d

Nach wenigen Minuten ist Immich unter http://localhost:2283 erreichbar. Beim ersten Start legt man den Admin-Account an. Die Upload-Bibliothek lässt sich mit einem bestehenden Foto-Ordner auf dem Host verknüpfen – sogenannte External Libraries –, sodass keine doppelte Speicherung entsteht.

Tipp: Wer Immich von außen erreichbar machen möchte, sollte einen Reverse-Proxy wie Nginx Proxy Manager oder Caddy vorschalten und HTTPS aktivieren. Die mobile App überträgt sonst Anmeldedaten im Klartext.

Mobile App und automatischer Backup

Die offizielle Immich-App steht für Android und iOS kostenlos zur Verfügung. Nach der Einrichtung mit der Server-URL und den Zugangsdaten läuft der Backup automatisch, sobald das Gerät mit WLAN verbunden ist – oder auch im Mobilfunknetz, wenn man das aktiviert. Fotos werden originalgetreu hochgeladen, wahlweise auch in der HEIC-Rohversion von iPhone-Fotos. Live-Fotos, Burst-Serien und Videos werden erkannt und entsprechend behandelt. Auf dem Handy sieht man eine Timeline, die der von Google Photos sehr ähnelt.

KI-gestützte Suche: Gesichter, Objekte und Szenen

Das Herzstück von Immich ist der Machine-Learning-Dienst. Er basiert auf vortrainierten Modellen und läuft lokal im Docker-Container – keine Daten verlassen die eigene Hardware. Folgende KI-Funktionen sind enthalten:

Die Qualität der KI-Ergebnisse hängt von der Hardware ab. Auf einem modernen Heimserver mit CPU-only-Inferenz dauert die Erstindizierung einer großen Bibliothek einige Stunden. Mit einer NVIDIA-GPU oder einer Hardware-Beschleunigung über OpenVINO lässt sich das erheblich beschleunigen.

Alben, Sharing und weitere Funktionen

Immich bietet eine vollständige Album-Verwaltung. Alben können manuell erstellt oder automatisch über Smart-Alben auf Basis von Datum, Ort oder Personen generiert werden. Das Teilen funktioniert per Link mit optionalem Passwortschutz und Ablaufdatum – ideal, um Urlaubsfotos mit der Familie zu teilen, ohne dass diese einen Account benötigt.

Weitere Features: Karten-Ansicht mit GPS-Daten (EXIF), Duplikaterkennung, Papierkorb-Funktion, Readonly-Partner-Sharing sowie ein Admin-Panel für die Nutzerverwaltung. Eine REST-API und CLI ermöglichen die Automatisierung von Imports und Exporten.

Hinweis: Immich warnt selbst ausdrücklich: Das Projekt ist noch in aktiver Entwicklung. Vor größeren Updates sollte immer ein vollständiges Backup der Datenbank und der Upload-Bibliothek erstellt werden.

Hardwareanforderungen

Immich ist ressourceneffizienter als sein Ruf. Für eine Bibliothek bis 50.000 Fotos reichen bereits ein Raspberry Pi 5 (8 GB RAM) oder ein günstiger Mini-PC aus. Für größere Bibliotheken mit aktivem Machine Learning empfehlen sich mindestens 4 CPU-Kerne und 8 GB RAM. Speicher richtet sich nach der Bibliotheksgröße – Fotos belegen im Schnitt 4–8 MB pro Bild. Eine 2-TB-Festplatte reicht für die meisten Haushalte aus.

Vergleich: Immich vs. Alternativen

Eigenschaft Immich PhotoPrism Nextcloud Photos Synology Photos
Mobile Auto-Backup Ja (iOS & Android) Ja (Android) Ja (iOS & Android) Ja (iOS & Android)
KI-Gesichtserkennung Ja, lokal Ja, lokal Eingeschränkt Ja, lokal
CLIP-Semantiksuche Ja Nein Nein Nein
Docker-Support Offiziell Offiziell Via Nextcloud Nur Synology-NAS
Aktive Entwicklung Sehr aktiv Aktiv Moderat Moderat
Lizenz AGPL (kostenlos) AGPL / kommerziell AGPL Proprietär
RAM-Mindestanforderung 4 GB 2 GB 2 GB (+ Nextcloud) NAS-abhängig

PhotoPrism ist die etabliertere Alternative mit mehr Konfigurationsmöglichkeiten, aber weniger modernem UI. Nextcloud Photos ist sinnvoll, wenn Nextcloud bereits läuft. Synology Photos überzeugt auf NAS-Hardware mit nahtloser Integration, ist aber an das Ökosystem gebunden. Immich punktet vor allem durch die aktive Entwicklung, das moderne Interface und die einzigartige CLIP-Suche.

Mehr Details zur Installation findet man in der offiziellen Immich-Dokumentation. Das Projekt auf GitHub hat bereits über 50.000 Sterne gesammelt – ein Zeichen für die breite Akzeptanz in der Self-Hosting-Community.

Häufige Fragen zu Immich

Kann ich meine Google-Photos-Bibliothek zu Immich migrieren?
Ja. Mit dem offiziellen Immich-CLI-Tool lassen sich Google-Takeout-Archive importieren, wobei Metadaten wie Aufnahmedatum und GPS-Koordinaten erhalten bleiben.
Läuft Immich auch ohne Internetverbindung?
Vollständig. Alle Funktionen – einschließlich KI-Suche und Gesichtserkennung – laufen lokal. Für externe Zugriffe benötigt man lediglich einen Reverse-Proxy oder VPN.
Wie sicher sind meine Daten in Immich?
Da alles auf der eigenen Hardware läuft, hängt die Sicherheit von der eigenen Infrastruktur ab. HTTPS, starke Passwörter und regelmäßige Backups sind Pflicht. Immich selbst unterstützt OAuth2 und 2FA.
Welche Videoformate unterstützt Immich?
Immich unterstützt alle gängigen Videoformate inkl. H.264, H.265 und HEVC. Für das Web-Streaming werden Videos automatisch in ein kompatibles Format transcodiert.