Infrarotheizung 2026: Stromkosten, Eignung und ehrlicher Vergleich

Infrarotheizungen werden gern als unkomplizierte, saubere und günstige Alternative zu klassischen Heizsystemen beworben. Tatsächlich sind sie leicht zu montieren, brauchen keinen Schornstein und keine Wasserleitungen, und die Anschaffung kostet einen Bruchteil einer Wärmepumpe. Der Haken liegt nicht bei der Technik, sondern beim Brennstoff: Strom ist die teuerste Energieform im Heizkeller. Wer eine Infrarotheizung realistisch bewerten will, muss deshalb zwei Fragen sauber trennen — wann sie technisch sinnvoll ist und ob sie sich am Ende rechnet. Dieser Ratgeber liefert beides ohne Werbeversprechen.

Wie eine Infrarotheizung funktioniert

Eine klassische Heizung erwärmt vor allem die Raumluft, die dann durch den Raum zirkuliert. Eine Infrarotheizung arbeitet anders: Sie gibt langwellige Wärmestrahlung ab, die nicht die Luft, sondern direkt feste Oberflächen erwärmt — Wände, Möbel, Boden und auch die Personen im Raum. Diese Flächen geben die Wärme dann langsam wieder an den Raum ab. Das Prinzip ähnelt dem Gefühl, in der Sonne zu stehen, während die Umgebungsluft noch kühl ist.

Praktisch bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Die gefühlte Temperatur kann höher sein als die gemessene Lufttemperatur, weil warme Wände weniger Wärme vom Körper abziehen. Manche kommen deshalb mit einem oder zwei Grad weniger Raumtemperatur aus. Zweitens: Infrarotwärme wirkt punktuell und schnell dort, wo sie hinstrahlt, verteilt sich aber nicht von selbst um Ecken oder in Nebenräume. Eine verbaute oder durch Möbel verstellte Heizfläche verliert spürbar an Wirkung.

Was eine Infrarotheizung im Betrieb kostet

Der entscheidende Punkt ist der Stromverbrauch. Eine Infrarotheizung wandelt elektrische Energie nahezu vollständig in Wärme um — ihr Wirkungsgrad liegt also bei rund 100 Prozent. Das klingt gut, ist aber kein Vorteil gegenüber einer Wärmepumpe, die mit derselben Kilowattstunde Strom das Drei- bis Vierfache an Wärme erzeugt. Aus einer Kilowattstunde Strom wird bei Infrarot eine Kilowattstunde Wärme, bei einer Wärmepumpe drei bis vier.

Wie viel Leistung ein Raum braucht, hängt stark vom Dämmstandard ab. Als grobe Faustwerte für den nötigen Heizbedarf gelten:

Die jährlichen Stromkosten ergeben sich aus Heizstunden und Strompreis. Bei einem angenommenen Strompreis im Bereich von 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde und realistischen Heizstunden über die kalte Jahreshälfte landet man in einem unsanierten Haus schnell bei Beträgen, die das Mehrfache einer Gas- oder Wärmepumpenheizung betragen. In einem sehr gut gedämmten, kleinen Raum dagegen kann eine Infrarotheizung durchaus überschaubar bleiben.

Wo eine Infrarotheizung wirklich sinnvoll ist

Die Stärke von Infrarot liegt im gezielten, zeitlich begrenzten Einsatz — nicht in der Vollbeheizung eines ganzen Hauses über den Winter. Sinnvolle Einsatzfälle sind unter anderem:

Ungeeignet ist die Infrarotheizung dagegen als alleinige Hauptheizung in einem schlecht gedämmten Altbau oder in großen Wohnflächen mit Dauerbetrieb. Dort führt der hohe Strompreis zu Heizkosten, die kaum jemand tragen will. Auch feuchte oder schlecht belüftete Räume sind kritisch, weil Infrarot die Luft nicht aktiv umwälzt.

Infrarot, Wärmepumpe und Gas im direkten Vergleich

Der ehrlichste Blick entsteht, wenn man Anschaffung, laufende Kosten, Wartung und Eignung nebeneinanderstellt. Die folgende Übersicht zeigt typische Tendenzen — die konkreten Werte hängen immer von Haus, Verbrauch und Energiepreis ab.

Kriterium Infrarotheizung Wärmepumpe Gasheizung
Anschaffung Sehr niedrig (pro Gerät) Hoch (mehrere Tausend bis zweistellig) Mittel
Jährliche Heizkosten Meist hoch (Strompreis je kWh) Niedrig bis mittel (Faktor 3–4 Effizienz) Mittel, abhängig vom Gaspreis
Wartung Praktisch keine Gering, gelegentliche Prüfung Jährlich, plus Schornsteinfeger
Eignung Altbau (ungedämmt) Schlecht (zu teuer im Betrieb) Eingeschränkt (Vorlauftemperatur) Gut
Eignung Neubau / gut gedämmt Bedingt, in kleinen Räumen ok Sehr gut Erlaubt, aber rückläufig
CO2-Bilanz Abhängig vom Strommix / PV Gut, besser mit Ökostrom Fossil, belastet

Die Tabelle macht das Muster deutlich: Infrarot punktet bei Anschaffung und Wartung, verliert aber meist klar bei den laufenden Kosten. Eine Wärmepumpe kostet in der Anschaffung deutlich mehr, holt diesen Nachteil über die Jahre durch ihre hohe Effizienz aber oft wieder herein.

Der einzige echte Sparhebel: Photovoltaik und Eigenverbrauch

Es gibt eine Konstellation, in der die Rechnung für Infrarot deutlich freundlicher wird — eigener Solarstrom. Wenn der Strom nicht aus dem Netz für 30 bis 35 Cent, sondern vom eigenen Dach für deutlich weniger kommt, sinken die Betriebskosten stark. Voll aufgeht das aber nur, wenn Erzeugung und Wärmebedarf zeitlich zusammenpassen, und genau hier liegt die Schwierigkeit: Geheizt wird vor allem im Winter und abends, wenn die Photovoltaikanlage am wenigsten liefert.

Damit Eigenverbrauch wirklich greift, braucht es in der Regel eine ausreichend große Anlage und idealerweise einen Speicher, der Tagstrom in die Abendstunden verschiebt. Wer das durchrechnen will, sollte sauber zwischen erzeugter, selbst genutzter und zugekaufter Kilowattstunde unterscheiden. Für eine grobe Überschlagsrechnung von Verbrauch, Strompreis und Flächen helfen einfache Rechenwerkzeuge wie die Webtools auf kotsch.tech, mit denen sich Kilowattstunden, Quadratmeter und Kosten schnell überschlagen lassen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Wenn eine Infrarotheizung für Ihren Anwendungsfall passt, entscheiden ein paar Punkte über Zufriedenheit und Stromverbrauch:

  1. Leistung passend zum Raum wählen — lieber knapp ausreichend als überdimensioniert, sonst steigt der Verbrauch unnötig.
  2. Programmierbares Thermostat einsetzen, damit nur dann geheizt wird, wenn der Raum genutzt wird.
  3. Montageort frei halten — die Strahlung darf nicht von Möbeln oder Vorhängen abgeschattet werden.
  4. Realistische Erwartung — als Zusatz- oder Raumheizung, nicht als Wunderlösung für ein ungedämmtes Haus.
  5. Gesamtkosten rechnen, nicht nur den Kaufpreis. Niedrige Anschaffung wird durch hohe Stromkosten schnell aufgezehrt.

Häufige Fragen

Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine normale Stromheizung?

Im Verbrauch nicht grundsätzlich, denn beide wandeln Strom mit rund 100 Prozent in Wärme um. Vorteile können sich durch die direkte Flächenwärme ergeben, wenn man dadurch mit etwas niedrigerer Raumtemperatur auskommt. Der größte Hebel bleibt aber der Strompreis selbst.

Kann eine Infrarotheizung ein ganzes Haus beheizen?

Technisch ja, wirtschaftlich meist nein. In einem gut gedämmten Neubau mit geringem Wärmebedarf kann es funktionieren. In einem unsanierten Altbau führen die hohen Stromkosten in der Regel zu deutlich teureren Heizkosten als bei Gas oder Wärmepumpe.

Wie hoch sind die Stromkosten pro Quadratmeter?

Das hängt von Dämmstandard, Heizstunden und Strompreis ab. Als Orientierung: Je schlechter gedämmt, desto höher der Wattbedarf pro Quadratmeter und damit die Kosten. Eine seriöse Aussage gibt es nur mit den eigenen Verbrauchsdaten und dem aktuellen Tarif.

Lohnt sich Infrarot in Kombination mit einer Solaranlage?

Es verbessert die Rechnung spürbar, löst sie aber nicht vollständig. Der höchste Heizbedarf liegt im Winter und abends, wenn die Solarerzeugung am geringsten ist. Erst mit ausreichend großer Anlage und Speicher steigt der nutzbare Eigenverbrauchsanteil deutlich.

Sind Infrarotheizungen gesundheitlich unbedenklich?

Die abgegebene langwellige Wärmestrahlung ist mit der Wärme einer Kachelofenfläche oder der Sonne vergleichbar und gilt als unbedenklich. Mit der oft genannten medizinischen Infrarotbestrahlung sollte man sie aber nicht verwechseln — es handelt sich schlicht um Heizflächen.

Brauche ich für eine Infrarotheizung eine Genehmigung?

Für ein steckerfertiges Einzelgerät in der Regel nicht. Bei fest installierten Anlagen oder beim Ersatz der gesamten Hauptheizung können gesetzliche Vorgaben zu Heizsystemen greifen. Im Zweifel lohnt sich eine kurze Rücksprache mit einem Fachbetrieb.

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