Streaming-Dienste wachsen, Preise steigen und die Auswahl schwankt monatlich. Wer die eigene Mediensammlung – Filme, Serien, Musik und Fotos – jederzeit und auf allen Geräten abrufen möchte, braucht keinen kostenpflichtigen Clouddienst. Jellyfin ist ein vollständig kostenloser, Open-Source-Medienserver ohne versteckte Abonnements, Telemetrie oder Kontozwang. Es ist der spirituelle Nachfolger von Emby und entstand 2018 als freier Fork, nachdem Emby zu einem proprietären Modell wechselte.
Was macht Jellyfin besonders?
Jellyfin verwaltet lokale Mediatheken und stellt deren Inhalte über ein Netflix-ähnliches Interface bereit – im Heimnetzwerk wie auch von unterwegs. Im Gegensatz zu Plex und Emby kostet Jellyfin kein Geld: weder für den Server noch für Features wie Hardware-Transcoding, Sync oder Mehrbenutzerunterstützung. Der gesamte Quellcode liegt auf GitHub und wird aktiv von einer großen Community weiterentwickelt. Es gibt keine Tracking-Konten, keine obligatorischen Cloud-Verbindungen und keine künstlichen Einschränkungen.
Bibliotheken und Metadaten
Jellyfin erkennt Filme, Serien, Musik, Bücher, Podcasts und Fotos automatisch anhand der Dateinamen und Ordnerstruktur. Metadaten – Beschreibungen, Cover, Besetzungslisten, Bewertungen – werden von Online-Datenbanken wie The Movie Database (TMDb) und TheTVDB geladen. Für Musik kommt MusicBrainz zum Einsatz. Die Ergebnisse können manuell korrigiert werden, falls die automatische Erkennung nicht funktioniert.
Hardware-Transcoding
Nicht jedes Gerät kann jedes Videoformat nativ abspielen. Jellyfin transkodiert Videos in Echtzeit in kompatible Formate – idealerweise mit Hardwarebeschleunigung, um CPU-Last zu vermeiden. Unterstützt werden:
- Intel Quick Sync Video (QSV) – für Intel-CPUs mit integrierter Grafik, sehr effizient
- NVIDIA NVENC – für NVIDIA-GPUs, ausgezeichnete Qualität
- AMD AMF – für AMD-GPUs
- Raspberry Pi (V4L2) – Hardware-Dekodierung für H.264 auf dem Pi
- VA-API – generische Hardwarebeschleunigung unter Linux
devices: - /dev/dri:/dev/dri. Eine vollständige Anleitung bietet die offizielle Jellyfin-Dokumentation zum Hardware-Transcoding.
Docker-Setup
Die einfachste Installationsmethode ist Docker:
services:
jellyfin:
image: jellyfin/jellyfin:latest
container_name: jellyfin
volumes:
- ./config:/config
- ./cache:/cache
- /pfad/zu/medien:/media:ro
ports:
- 8096:8096
restart: unless-stopped
Nach dem Start ist die Weboberfläche unter http://server-ip:8096 erreichbar. Der Ersteinrichtungsassistent führt durch die Konfiguration der Mediatheken. Der Pfad /media sollte auf das Verzeichnis mit den Filmen und Serien zeigen; :ro mountet es als schreibgeschützt, was die Sicherheit erhöht.
Clients für alle Plattformen
Jellyfin bietet Clients für nahezu jede Plattform: Webbrowser (integriert), Android, iOS, Android TV, Apple TV, Roku, Fire TV, Xbox, Samsung Tizen-TVs, LG webOS sowie ein Kodi-Plugin. Zusätzlich gibt es Community-Clients wie Infuse (iOS/tvOS) und Finamp für Musik. Die mobile App streamt auch außerhalb des Heimnetzwerks, sofern der Server über das Internet erreichbar ist.
Vergleich: Medienserver im Überblick
| Lösung | Preis | HW-Transcoding | Clients | Self-Hosting |
|---|---|---|---|---|
| Jellyfin | Kostenlos | Ja (alle) | Sehr viele | Ja (Pflicht) |
| Plex | Kostenlos / $4,99 p.M. | Nur mit Pass | Sehr viele | Ja (empfohlen) |
| Emby | Kostenlos / $4,99 p.M. | Nur Premier | Viele | Ja |
| Kodi | Kostenlos | Ja | Desktop/TV | Lokal (kein Server) |
Fazit
Jellyfin ist die konsequenteste Antwort auf die Frage, wie ein selbst gehosteter Medienserver aussehen sollte: vollständig kostenlos, vollständig Open Source und ohne Kompromisse bei den Features. Wer Hardware-Transcoding, Mehrbenutzerunterstützung und Clients für alle Plattformen will, ohne dafür ein Abonnement abzuschließen, ist bei Jellyfin genau richtig.
Häufig gestellte Fragen
- Funktioniert Jellyfin auch ohne Internetzugang?
- Ja. Jellyfin läuft vollständig lokal. Metadaten werden beim ersten Scan geladen, danach ist kein Internet mehr nötig. Lediglich Remote-Zugriff von außen erfordert eine Internetverbindung des Servers.
- Wie viel Speicherplatz braucht der Server selbst?
- Das Jellyfin-Programm benötigt wenig Platz. Im Betrieb verbraucht es je nach Anzahl der Mediatheken und aktiver Transcoding-Sitzungen zwischen 200 MB und 1 GB RAM. Für den Transcoding-Cache sollten einige Gigabyte Festplattenspeicher reserviert werden.
- Kann ich bestehende Plex-Bibliotheken zu Jellyfin migrieren?
- Die Mediendateien selbst müssen nicht verschoben werden. Jellyfin scannt dieselben Verzeichnisse und zieht Metadaten neu aus den Online-Quellen. Bewertungen, Wiedergabefortschritte und benutzerdefinierte Metadaten aus Plex lassen sich über Community-Tools teilweise übertragen.
- Unterstützt Jellyfin Live-TV?
- Ja. Mit einem HDHomeRun-Tuner oder einem TV-Headend-Backend (wie TVHeadend) kann Jellyfin Live-TV empfangen und zeitversetztes Fernsehen (DVR) realisieren. Die Funktionalität ist im Basispaket enthalten und kostet nichts extra.