Du hast über Jahrzehnte Vermoegen aufgebaut und stehst nun vor der entscheidenden Frage: Wie viel Geld kannst du dir Monat für Monat auszahlen, ohne dass dein Kapital vorzeitig aufgebraucht ist? Diese sogenannte Kapitalentnahme ist die zweite, oft unterschaetzte Haelfte jeder Altersvorsorge. Wer beim Aufbau diszipliniert spart, aber bei der Entnahme falsch plant, riskiert, im hohen Alter ohne Reserven dazustehen. Dieser Ratgeber erklaert die wichtigsten Konzepte und zeigt, wie du deine sichere Entnahme berechnest.
Was bedeutet Kapitalentnahme?
Unter Kapitalentnahme versteht man die regelmaessige Auszahlung aus einem angesparten Vermoegen, typischerweise im Ruhestand oder in der finanziellen Unabhaengigkeit. Anders als bei einer klassischen Rente, die lebenslang garantiert gezahlt wird, traegst du bei der Kapitalentnahme selbst das Risiko: Faellst du zu hohe Betraege ab, kann das Depot vorzeitig leerlaufen. Entnimmst du zu wenig, lebst du unter deinen Moeglichkeiten.
Zwei Strategien stehen sich gegenueber. Beim Kapitalverzehr wird das Vermoegen über einen festgelegten Zeitraum planmaessig aufgebraucht. Beim Kapitalerhalt entnimmst du nur die Ertraege, sodass die Substanz erhalten bleibt und idealerweise vererbt werden kann. Welche Variante passt, haengt von deiner Lebenserwartung, deinen Zielen und deiner Risikobereitschaft ab.
Die Entnahmequote als Kernbegriff
Die Entnahmequote beschreibt, welchen Prozentsatz deines Vermoegens du pro Jahr entnimmst. Bei einem Depot von 500.000 Euro und einer Entnahmequote von 4 Prozent ergeben sich 20.000 Euro pro Jahr, also rund 1.667 Euro im Monat. Genau diese Rechnung nimmt dir der Kapitalentnahme Rechner ab: Du gibst dein Startkapital und die gewuenschte Entnahmequote ein und erhaeltst sofort die monatliche Entnahme.
Die Hoehe der Quote ist der wichtigste Hebel für die Nachhaltigkeit deines Plans. Je niedriger die Quote, desto laenger reicht das Geld und desto wahrscheinlicher bleibt sogar Substanz übrig. Je hoeher die Quote, desto komfortabler lebst du heute, aber desto groesser ist das Risiko, dass das Kapital nicht bis ans Lebensende reicht.
Die 4-Prozent-Regel
Die bekannteste Faustregel stammt aus der amerikanischen Trinity-Studie der 1990er Jahre. Sie besagt, dass eine anfaengliche Entnahme von 4 Prozent des Vermoegens, jaehrlich an die Inflation angepasst, in den meisten historischen 30-Jahres-Zeitraeumen ausreichte, ohne dass das Depot leerlief. Vorausgesetzt wird dabei ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien und Anleihen.
Wichtig: Die 4-Prozent-Regel ist eine Orientierung, kein Naturgesetz. Sie wurde für den US-Markt und einen 30-jaehrigen Ruhestand entwickelt. Wer mit 45 in Rente geht und einen 50-jaehrigen Horizont plant, sollte konservativer rechnen, eher mit 3 bis 3,5 Prozent. Niedrige Zinsphasen und hohe Bewertungen am Aktienmarkt sprechen ebenfalls für Vorsicht.
Das Sequence-of-Returns-Risiko
Ein Aspekt, den viele übersehen: Nicht nur die durchschnittliche Rendite zaehlt, sondern auch die Reihenfolge der Renditen. Faellt der Markt direkt zu Beginn deiner Entnahmephase stark, entnimmst du Geld aus einem ohnehin geschrumpften Depot. Dieses Kapital fehlt dann dauerhaft für die spaetere Erholung. Man spricht vom Sequence-of-Returns-Risiko.
Gegenmassnahmen sind ein Cash-Puffer von zwei bis drei Jahresentnahmen, eine flexible Entnahme in schlechten Boersenjahren oder eine zu Beginn bewusst niedrigere Quote. So vermeidest du, in einer Krise gezwungen zu sein, Anteile zu ungünstigen Kursen zu verkaufen.
So planst du deine Entnahme Schritt für Schritt
- Vermoegen erfassen: Zaehle alle liquiden Anlagen zusammen, die für die Entnahme zur Verfuegung stehen.
- Horizont festlegen: Wie viele Jahre soll das Geld reichen? Plane lieber zu lang als zu kurz.
- Quote waehlen: Zwischen 3 und 4 Prozent gilt als solide, abhaengig von Alter und Risikobereitschaft.
- Monatsbetrag berechnen: Teile die Jahresentnahme durch zwoelf, um deinen monatlichen Spielraum zu kennen.
- Inflation einplanen: Passe die Entnahme jaehrlich an die Teuerung an, damit deine Kaufkraft erhalten bleibt.
Wenn du wissen willst, wie viel Vermoegen du überhaupt brauchst, um finanziell unabhaengig zu sein, hilft dir ergaenzend der FIRE Rechner. Eine ganze Sammlung weiterer Werkzeuge rund ums Geld findest du in unseren Webtools.
Steuern nicht vergessen
In Deutschland faellt auf Kursgewinne und Ausschuettungen die Abgeltungssteuer an. Deine Brutto-Entnahme ist also nicht gleich dein Netto-Budget. Plane den Steueranteil mit ein, damit dein verfuegbarer Betrag realistisch bleibt. Der jaehrliche Sparerpauschbetrag mildert die Belastung bei moderaten Entnahmen etwas ab.
Fazit
Kapitalentnahme ist kein einmaliger Beschluss, sondern ein laufender Prozess, den du regelmaessig überpruefen solltest. Eine durchdachte Entnahmequote, ein Puffer gegen Boersenkrisen und die Beruecksichtigung von Inflation und Steuern sind die Saeulen eines tragfaehigen Plans. Rechne deine monatliche Entnahme mit dem Kapitalentnahme Rechner durch und teste verschiedene Quoten, um ein Gefuehl für deinen Spielraum zu bekommen.