Ist eine Aktie teuer oder günstig? Diese Frage lässt sich nicht am bloßen Kurs ablesen. Eine Aktie für 500 Euro kann ein Schnäppchen sein, eine für 5 Euro hoffnungslos überbewertet. Die wohl bekannteste Kennzahl, um das einzuordnen, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), im Englischen Price-Earnings-Ratio (P/E). Es setzt den Preis einer Aktie ins Verhältnis zu dem, was das Unternehmen tatsächlich verdient.
Was das KGV überhaupt aussagt
Das KGV beantwortet eine einfache Frage: Wie viele Jahresgewinne musst du als Anleger für eine Aktie bezahlen? Ein KGV von 15 bedeutet, dass der aktuelle Kurs dem 15-fachen Jahresgewinn je Aktie entspricht. Anders gesagt: Wenn das Unternehmen den heutigen Gewinn konstant hält, hätte es nach 15 Jahren so viel verdient, wie du heute für die Aktie zahlst.
Die Formel ist denkbar schlicht:
KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie
Der Gewinn je Aktie (englisch EPS, Earnings per Share) ergibt sich aus dem Jahresüberschuss geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Beide Werte findest du in jedem Geschäftsbericht oder bei Finanzportalen. Mit dem KGV Rechner gibst du einfach Kurs und Gewinn je Aktie ein und erhältst das Verhältnis sofort – ohne selbst dividieren zu müssen.
Hohes oder niedriges KGV – was ist besser?
Die intuitive Antwort "je niedriger, desto besser" greift zu kurz. Das KGV ist immer eine Momentaufnahme der Markterwartung:
- Niedriges KGV (unter ca. 12): Die Aktie gilt als günstig bewertet – oder der Markt erwartet sinkende Gewinne. Typisch für reife, langsam wachsende Branchen oder Unternehmen mit Problemen.
- Mittleres KGV (ca. 12–20): Bewertung im historischen Normbereich vieler etablierter Unternehmen.
- Hohes KGV (über 25): Anleger zahlen einen Aufpreis, weil sie kräftiges künftiges Wachstum erwarten. Typisch für Technologie- und Wachstumswerte – aber auch ein Zeichen für mögliche Überbewertung.
Ein hohes KGV ist also kein Warnsignal an sich. Ein schnell wachsendes Unternehmen kann ein KGV von 40 rechtfertigen, wenn der Gewinn jedes Jahr stark zulegt. Ein stagnierender Konzern mit KGV 40 dagegen wäre teuer bezahlt.
Branchenvergleich statt absoluter Zahlen
Der größte Fehler im Umgang mit dem KGV ist der Vergleich über Branchengrenzen hinweg. Softwarefirmen handeln strukturell mit höheren KGVs als Banken, Autobauer oder Versorger, weil ihre Gewinne schneller wachsen und weniger kapitalintensiv sind. Sinnvoll ist das KGV deshalb nur im Vergleich ähnlicher Unternehmen derselben Branche oder gegen den historischen Durchschnitt einer Aktie.
Ein Beispiel: Notiert eine Aktie bei 90 Euro und das Unternehmen verdient 6 Euro je Aktie, liegt das KGV bei 15. Liegt der Branchenschnitt bei 20, erscheint die Aktie relativ günstig – vorausgesetzt, die Gewinne sind stabil und vergleichbar.
Die Grenzen des KGV
So beliebt das KGV ist, blind verlassen sollte man sich nicht darauf. Es hat klare Schwächen:
- Verlustjahre: Macht ein Unternehmen Verlust, ist der Gewinn je Aktie negativ und das KGV wird unbrauchbar.
- Einmaleffekte: Sondererträge oder -kosten können den Gewinn verzerren und das KGV künstlich drücken oder aufblähen.
- Keine Verschuldung sichtbar: Das KGV ignoriert, wie viele Schulden ein Unternehmen trägt – zwei Firmen mit gleichem KGV können völlig unterschiedlich riskant sein.
- Vergangenheit vs. Zukunft: Das klassische KGV nutzt den letzten Jahresgewinn. Aussagekräftiger ist oft das erwartete KGV auf Basis der geschätzten künftigen Gewinne.
Deshalb gilt das KGV als erster, schneller Filter – nicht als alleinige Kaufentscheidung. Kombiniere es mit weiteren Kennzahlen wie der Dividendenrendite oder dem Verschuldungsgrad. Wer die laufenden Kosten eines ETF-Sparplans einschätzen möchte, findet im ETF-Kosten Rechner (TER) ein passendes Werkzeug, und viele weitere Finanzhelfer gibt es in unserer Sammlung an Webtools.
Fazit
Das KGV ist eine der schnellsten Methoden, um eine Aktie grob einzuordnen: Es zeigt, wie teuer der Markt die Gewinne eines Unternehmens bewertet. Richtig genutzt – im Branchenvergleich und mit Blick auf das Gewinnwachstum – ist es ein wertvoller Kompass. Nimm es als Startpunkt deiner Analyse, nicht als Endpunkt, und prüfe immer, ob die Bewertung zur tatsächlichen Geschäftsentwicklung passt.