Kirchensteuer auf Kapitalertraege 2026: So funktioniert sie

Wer Kirchenmitglied ist, zahlt nicht nur auf das Gehalt, sondern auch auf Kapitalertraege Kirchensteuer. Viele Anleger wissen das nicht und wundern sich ueber den etwas hoeheren Steuerabzug auf Zinsen und Dividenden. Seit 2015 laeuft der Einzug automatisch ab, die Bank fragt das Kirchensteuermerkmal beim Bundeszentralamt fuer Steuern ab. Dieser Beitrag erklaert die Mechanik, den genauen Satz und die Moeglichkeit eines Sperrvermerks fuer 2026.

Wie hoch ist die Kirchensteuer auf Kapitalertraege?

Die Kirchensteuer betraegt je nach Bundesland 8 Prozent (Bayern, Baden-Wuerttemberg) oder 9 Prozent (uebrige Laender) der Steuerschuld. Bemessungsgrundlage ist nicht der Kapitalertrag selbst, sondern die darauf entfallende Abgeltungsteuer. Eine Besonderheit: Weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe die Abgeltungsteuer ihrerseits mindert, wird der Abgeltungssatz bei Kirchenmitgliedern leicht reduziert berechnet. Im Ergebnis ergibt sich ein etwas niedrigerer Satz als die einfache Addition vermuten liesse.

Der echte Gesamtsteuersatz

Fuer einen konfessionslosen Anleger betraegt die Gesamtbelastung 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Soli darauf, also rund 26,375 Prozent. Mit Kirchensteuer sieht es so aus:

Der Aufschlag durch die Kirchensteuer ist also moderat, faellt aber bei groesseren Depots ins Gewicht. Die genaue Belastung fuer Ihre Konfession und Ihr Bundesland zeigt der Kirchensteuer-Rechner, fuer die reine Kapitalertragsteuer hilft der Kapitalertragsteuer-Rechner.

Automatischer Einzug seit 2015

Frueher mussten Kirchenmitglieder ihre Kapitalertraege in der Steuererklaerung angeben, damit die Kirchensteuer berechnet wurde. Seit 2015 laeuft das automatisiert: Banken und andere Abzugspflichtige rufen einmal jaehrlich, in der Regel zwischen September und Oktober, das sogenannte Kirchensteuerabzugsmerkmal (KiStAM) beim Bundeszentralamt fuer Steuern ab. Dieses Merkmal verschluesselt, ob jemand kirchensteuerpflichtig ist und mit welchem Satz. Die Bank behaelt die Kirchensteuer dann direkt mit der Abgeltungsteuer ein und fuehrt sie ab.

Der Sperrvermerk

Wer nicht moechte, dass seine Bank vom Bundeszentralamt erfaehrt, ob er Kirchenmitglied ist, kann einen Sperrvermerk setzen lassen. Der Antrag dafuer muss bis zum 30. Juni eines Jahres beim Bundeszentralamt eingehen. Folge: Die Bank erhaelt einen neutralen Nullwert und behaelt keine Kirchensteuer ein. Das spart aber keine Steuer, denn das Bundeszentralamt informiert dann das Wohnsitzfinanzamt, das die Kirchensteuer ueber die Pflicht-Steuererklaerung nachfordert. Der Sperrvermerk dient also dem Datenschutz, nicht der Ersparnis.

Wann faellt gar keine Kirchensteuer an?

Keine Kirchensteuer auf Kapitalertraege zahlt, wer:

  1. keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehoert,
  2. Ertraege innerhalb des Sparerpauschbetrags erzielt (dann faellt schon keine Abgeltungsteuer an),
  3. einen wirksamen Freistellungsauftrag hat, der die Ertraege abdeckt,
  4. oder eine NV-Bescheinigung vorlegt.

Da die Kirchensteuer auf der Abgeltungsteuer aufsetzt, entfaellt sie automatisch, sobald keine Abgeltungsteuer anfaellt. Ein gut gesetzter Freistellungsauftrag schuetzt also auch vor der Kirchensteuer auf die ersten 1.000 Euro Ertraege.

Was bei Kirchenaustritt gilt

Wer aus der Kirche austritt, wird ab dem Folgemonat oder je nach Bundesland ab Beginn des Folgejahres von der Kirchensteuerpflicht befreit. Das aktualisierte Merkmal wird beim naechsten Abruf an die Bank uebermittelt, sodass kuenftig keine Kirchensteuer mehr auf Kapitalertraege einbehalten wird. Fuer das laufende Jahr kann es zu einer Mischberechnung kommen.

Die Sonderausgaben-Wirkung im Detail

Der scheinbar widerspruechliche Effekt, dass acht oder neun Prozent Kirchensteuer den Gesamtsatz nur um gut anderthalb Prozentpunkte erhoehen, hat einen klaren Grund. Die Kirchensteuer ist auch im Abgeltungsverfahren als Sonderausgabe abziehbar, und dieser Abzug wird direkt in die Berechnung der Abgeltungsteuer eingearbeitet. Statt der vollen 25 Prozent legt die Bank bei Kirchenmitgliedern einen leicht gemilderten Satz zugrunde. Die Formel lautet vereinfacht: Kapitalertragsteuer gleich Kapitalertrag geteilt durch (vier plus Kirchensteuersatz). Bei neun Prozent Kirchensteuer ergibt sich daraus ein effektiver Abgeltungssatz von rund 24,45 statt 25 Prozent. Genau diese Minderung sorgt dafuer, dass der Aufschlag fuer Kirchenmitglieder so moderat bleibt.

Praktisch bedeutet das: Sie muessen die auf Kapitalertraege gezahlte Kirchensteuer nicht noch einmal separat in der Anlage Sonderausgaben eintragen, denn sie ist bereits beruecksichtigt. Anders ist es bei der Kirchensteuer auf den Arbeitslohn oder bei nachveranlagten Kapitalertraegen ohne Abzug an der Quelle, etwa bei auslaendischen Depots ohne deutschen Steuerabzug. Dort wirkt der Sonderausgabenabzug erst ueber die Steuererklaerung.

Auslaendische Depots und die Pflichtveranlagung

Bei Konten und Depots im Ausland behaelt keine deutsche Bank Abgeltungsteuer und damit auch keine Kirchensteuer ein. Kirchensteuerpflichtige Anleger sind dann verpflichtet, ihre Kapitalertraege in der Anlage KAP zu erklaeren, und ueber die Anlage KAP wird auch die Kirchensteuer festgesetzt. Wer dies versaeumt, riskiert nicht nur eine Nachforderung, sondern auch Zinsen und im Wiederholungsfall ein Steuerstrafverfahren. Da Banken im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs Kontodaten grenzueberschreitend melden, faellt eine fehlende Angabe heute deutlich leichter auf als frueher. Wer im Jahresverlauf Konfession oder Bundesland gewechselt hat, sollte die Belege seiner Bank pruefen und gegebenenfalls ueber die Steuererklaerung korrigieren lassen. Weitere Steuerthemen finden Sie im News-Bereich, weitere Rechner in der Webtools-Sammlung.

Haeufige Fragen

Kann ich die Kirchensteuer auf Kapitalertraege als Sonderausgabe absetzen?

Die gezahlte Kirchensteuer auf abgeltend besteuerte Kapitalertraege ist bereits bei der Berechnung beruecksichtigt und kann nicht zusaetzlich als Sonderausgabe geltend gemacht werden. Anders verhaelt es sich mit der Kirchensteuer auf das uebrige Einkommen.

Warum zieht meine Bank ploetzlich Kirchensteuer ab?

Vermutlich hat sie beim jaehrlichen Abruf erstmals oder erneut Ihr Kirchensteuermerkmal erhalten, etwa nach einem Umzug oder einer Datenaktualisierung. Der Abzug ist dann korrekt, sofern Sie Kirchenmitglied sind.

Bringt der Sperrvermerk eine Ersparnis?

Nein. Er verhindert nur die Datenuebermittlung an die Bank. Die Kirchensteuer wird stattdessen ueber die dann verpflichtende Steuererklaerung nachgefordert.

Gilt die Kirchensteuer auch fuer die ETF-Vorabpauschale?

Ja. Sobald auf die Vorabpauschale Abgeltungsteuer anfaellt, wird darauf auch Kirchensteuer berechnet. Deckt der Freistellungsauftrag die Vorabpauschale ab, faellt beides nicht an.

Wie wirkt sich die Kirchensteuer bei einem gemeinsamen Depot von Ehepartnern aus?

Gehoeren beide Ehepartner derselben steuererhebenden Religionsgemeinschaft an, wird die Kirchensteuer haelftig auf die jeweiligen Ertragsanteile berechnet. Ist nur ein Partner Kirchenmitglied, faellt die Kirchensteuer nur auf dessen Haelfte der Kapitalertraege an. Banken bilden das ueber die jeweils hinterlegten Kirchensteuermerkmale ab.

Muss ich auslaendische Kapitalertraege selbst angeben?

Ja. Bei Depots ohne deutschen Steuerabzug erklaeren Sie die Ertraege in der Anlage KAP. Die Kirchensteuer wird dann zusammen mit der Abgeltungsteuer im Rahmen der Veranlagung festgesetzt, da hier kein automatischer Einbehalt durch eine inlaendische Bank erfolgt.