MPC-HC und MPC-BE – Der beste kostenlose Videoplayer für Windows

MPC-HC und MPC-BE – Der beste kostenlose Videoplayer für Windows

Kaum ein Programm hat die Windows-Videoplayer-Landschaft so nachhaltig geprägt wie Media Player Classic. In seinen zwei aktuellen Varianten – MPC-HC und MPC-BE – lebt das Erbe des legendären Players fort und bietet bis heute eine Kombination aus minimalem Ressourcenverbrauch, maximaler Formatkompatibilität und außergewöhnlicher Erweiterbarkeit, die kein anderer kostenloser Player ganz erreicht.

Geschichte: Von MPC zu MPC-HC und MPC-BE

Media Player Classic wurde ursprünglich von Gabest entwickelt und orientierte sich am Look des Windows Media Player 6.4 – mit dem entscheidenden Unterschied, dass er deutlich mehr Formate beherrschte und auf einen eigenen integrierten Codec-Stack setzte. Nach dem Ende der ursprünglichen Entwicklung übernahm das MPC-HC-Team (Home Cinema) die Pflege und erweiterte den Player erheblich mit Hardware-Beschleunigung, verbessertem Untertitel-Rendering und madVR-Unterstützung.

2017 erklärte das offizielle MPC-HC-Team die Entwicklung für beendet – ein Schock für die Community. Doch zwei Projekte retteten das Erbe: Zum einen übernahm Entwickler clsid2 die Weiterentwicklung von MPC-HC als inoffiziellen Fork, der bis heute aktiv auf GitHub gepflegt wird. Zum anderen existiert seit 2013 MPC-BE (Black Edition) als eigenständige Weiterentwicklung mit deutlich erweitertem Funktionsumfang und eigener Entwickler-Community.

MPC-HC vs. MPC-BE – Welcher Fork ist der richtige?

MerkmalMPC-HC (clsid2)MPC-BE
Dateigröße~14 MB~20 MB
OberflächeKlassisch, minimalistischErweitert, anpassbar
Eingebaute CodecsLAV Filters (gebündelt)Eigene + LAV Filters
Playlist-FunktionEinfachErweitert
EntwicklungsaktivitätAktiv (GitHub)Aktiv (SourceForge/GitHub)
ZielgruppePuristen, HeimkinoPower-User, Anpassung
madVR-UnterstützungJaJa

Für die meisten Nutzer ist MPC-HC (clsid2) die erste Wahl, wenn ein schlanker, bewährter Player gewünscht wird. MPC-BE lohnt sich für Nutzer, die mehr Kontrolle über Wiedergabeoptionen, Farbkorrektur und erweiterte Untertitel-Funktionen benötigen.

LAV Filters – Das Herzstück der Codec-Leistung

Der größte technische Vorteil von MPC-HC und MPC-BE gegenüber vielen anderen Playern liegt in der Integration der LAV Filters. Diese DirectShow-Codec-Sammlung basiert auf dem FFmpeg-Projekt und unterstützt nahezu alle bekannten Audio- und Videoformate:

LAV Filters leitet Streams bei Bedarf direkt an die GPU für Hardware-Dekodierung weiter, was die CPU-Auslastung deutlich reduziert. Besonders bei 4K-HEVC-Material ist der Unterschied zur reinen Software-Dekodierung spürbar – auf einem typischen Laptop sinkt die CPU-Last von 80 % auf unter 15 %.

Hardware-Beschleunigung: DXVA2 und D3D11

DXVA2 (DirectX Video Acceleration)

DXVA2 ist der ältere Standard für GPU-gestützte Videodekodierung unter Windows und wird von praktisch jeder modernen GPU unterstützt. MPC-HC nutzt DXVA2 standardmäßig für H.264 und MPEG-2 auf kompatiblen Systemen. Die Einstellung findet sich unter Optionen → Wiedergabe → Ausgabe → DirectShow-Video.

D3D11 (Direct3D 11)

D3D11 ist der modernere Ansatz, der über LAV Filters aktiviert wird. Er unterstützt auch H.265/HEVC und AV1 auf neuerer Hardware (z. B. Intel 11. Gen+, NVIDIA Turing+, AMD RDNA). Die D3D11-Dekodierung ist stabiler als DXVA2 bei problematischen Streams und unterstützt mehr Farbräume, einschließlich HDR-Passthrough auf kompatiblen Displays.

Tipp für optimale Einrichtung: In den LAV-Video-Einstellungen „D3D11" als Hardware-Beschleunigung wählen und als Decoder-Device „Auto" lassen. Für den Renderer in MPC-HC „madVR" oder „EVR Custom Presenter" einstellen – beide liefern deutlich bessere Bildqualität als der Standard-Renderer.

Untertitel-Rendering mit VSFilter und xy-SubFilter

MPC-HC und MPC-BE unterstützen ASS/SSA-Untertitel mit komplexen Animationen, Schriftarten und Positionen nativ über den eingebauten VSFilter. Für noch bessere Kompatibilität empfiehlt sich xy-SubFilter, der als externer Filter eingebunden werden kann und deutlich bessere Darstellung bei komplexen Anime-Untertiteln bietet. Externe Untertitel-Dateien (SRT, SUB, ASS) werden automatisch erkannt, wenn sie denselben Dateinamen wie das Video tragen und im selben Ordner liegen.

Ein besonderer Vorteil gegenüber VLC: MPC-HC rendert ASS-Untertitel pixelgenau, während VLC gelegentlich Positionierungsfehler bei komplexen Typografie-Anweisungen zeigt. Für Anime-Fans mit typografisch aufwändigen Fansub-Releases ist MPC-HC daher die klare Empfehlung.

madVR – Kinoqualität auf dem Heimrechner

madVR ist ein hochqualitativer Video-Renderer, der als externer Filter in MPC-HC eingebunden werden kann. Er bietet eine Reihe von Funktionen, die kein anderer kostenloser Renderer erreicht:

madVR erfordert eine leistungsfähige dedizierte GPU (empfohlen: NVIDIA GTX 1060 oder besser) und ist eher für Heimkino-Enthusiasten gedacht. Für den normalen Alltagsgebrauch ist der Standard-EVR-Renderer absolut ausreichend.

MPC-HC/BE im Vergleich mit anderen Playern

PlayerGrößeCodecsmadVRHW-Accel.Ressourcen
MPC-HC14 MBLAV FiltersJaDXVA2/D3D11Sehr gering
MPC-BE20 MBLAV + eigeneJaDXVA2/D3D11Sehr gering
VLC45 MBAlle (libavcodec)NeinBegrenztMittel
PotPlayer35 MBSehr vieleJaDXVA2/D3D11Gering
GOM Player50 MBViele (Werbung!)NeinBegrenztMittel
Warnung: GOM Player enthält in der kostenlosen Version Werbung und hat in der Vergangenheit durch problematische Update-Mechanismen Aufmerksamkeit erregt. Für ein werbefreies, sicheres Erlebnis empfehlen sich MPC-HC, MPC-BE oder VLC.

FAQ: Häufige Fragen zu MPC-HC und MPC-BE

MPC-HC oder MPC-BE – was soll ich installieren?
Für einen einfachen, bewährten Player: MPC-HC (clsid2-Fork von GitHub). Für mehr Anpassungsmöglichkeiten, erweiterte Playlist-Funktionen und aktive Feature-Entwicklung: MPC-BE. Beide sind ausgezeichnete Wahl und können parallel installiert werden.
Warum startet MPC-HC langsamer als VLC?
MPC-HC lädt beim ersten Start alle DirectShow-Filter. Nach dem ersten Start öffnet er sehr schnell. VLC startet schneller, weil es einen einheitlicheren internen Codec-Stack nutzt, der weniger Initialisierung benötigt.
Wie aktiviere ich Untertitel automatisch für alle Videos?
In den Einstellungen unter „Untertitel" die Option „Standard-Untertitel laden" aktivieren und die gewünschten Sprachen eintragen (z. B. „de,ger"). MPC-HC lädt dann automatisch passende externe Untertitel-Dateien aus demselben Ordner.
Kann MPC-HC auch Blu-ray-Discs abspielen?
Eingeschränkt. MPC-HC kann Blu-ray-Ordner und ISO-Dateien über den eingebauten LAV-Splitter öffnen. Für verschlüsselte kommerzielle Blu-rays wird zusätzlich eine Entschlüsselungssoftware wie AnyDVD HD benötigt, da MPC-HC selbst keinen AACS-Decoder mitbringt.