Plausible Analytics: DSGVO-konforme Website-Analyse ohne Cookies

Wer eine Website betreibt, will wissen, wie viele Besucher kommen, welche Seiten am beliebtesten sind und woher der Traffic stammt. Google Analytics war lange die Standardlösung – doch der DSGVO-Compliance-Marathon, Cookie-Banner-Pflicht und Datenübertragungen in die USA haben viele Betreiber nachdenklich gestimmt. Plausible Analytics bietet eine schlanke, datenschutzkonforme Alternative, die ohne Cookies auskommt und trotzdem aussagekräftige Kennzahlen liefert.

Was ist Plausible Analytics?

Plausible Analytics ist ein Open-Source-Webanalyse-Tool, das 2019 vom estnischen Entwickler Uku Täht gestartet wurde. Die Software wird als gehosteter SaaS-Dienst angeboten, lässt sich aber auch selbst hosten. Das Besondere: Plausible verfolgt Besucher ausdrücklich nicht über Gerätegrenzen hinweg, speichert keine IP-Adressen und setzt keine Cookies – weder First-Party- noch Third-Party-Cookies. Damit entfällt die Pflicht zum Cookie-Banner nach ePrivacy-Richtlinie, und die Daten bleiben datenschutzkonform im Sinne der DSGVO.

Statt einer Benutzer-ID zu vergeben, erzeugt Plausible für jeden Seitenaufruf einen täglichen Hash aus IP-Adresse, User-Agent und einer zufälligen Salt-Zeichenkette. Dieser Hash wird nicht gespeichert und erlaubt keine Wiedererkennung am nächsten Tag. Unique Visitors werden damit auf Tagesbasis geschätzt, ohne dass ein Profil entsteht.

Das Tracking-Skript unter 1 KB

Der wohl auffälligste technische Vorteil von Plausible ist die Dateigröße des Tracking-Skripts. Während das Standard-Tag von Google Analytics (GA4) rund 45–80 KB nachladen kann, ist das Plausible-Skript weniger als 1 KB groß – und wird zusätzlich von einem schnellen CDN ausgeliefert. Das macht einen spürbaren Unterschied beim Pagespeed und bei den Core Web Vitals, besonders auf mobilen Verbindungen.

Die Einbindung ist denkbar einfach:

<script defer data-domain="meine-domain.de" src="https://plausible.io/js/script.js"></script>

Wer keine externen Anfragen möchte, kann das Skript auch selbst hosten und über die eigene Domain ausliefern – das verbessert zusätzlich die Performance und umgeht Ad-Blocker, die externe Domains filtern.

Dashboard-Überblick

Das Plausible-Dashboard ist bewusst minimalistisch gehalten. Auf einer einzigen Seite sieht man die wichtigsten Metriken auf einen Blick:

Das Dashboard kann optional als öffentliche Seite geteilt werden – ideal für Kunden oder Stakeholder, die Einblick in die Performance einer Website benötigen, ohne selbst einen Account zu haben.

Tipp: Plausible unterstützt UTM-Parameter vollständig. Versehen Sie Ihre Newsletter- oder Social-Media-Links einfach mit ?utm_source=newsletter&utm_medium=email, und der Traffic wird im Dashboard korrekt zugeordnet – ganz ohne zusätzliche Konfiguration.

Self-Hosting mit Docker

Wer die volle Datenkontrolle behalten möchte, kann Plausible auf dem eigenen Server betreiben. Das Community Edition lässt sich mit Docker Compose in wenigen Minuten aufsetzen. Benötigt werden PostgreSQL und ClickHouse als Datenbanken sowie ein Reverse-Proxy wie Caddy oder Nginx. Die offizielle Dokumentation beschreibt jeden Schritt ausführlich.

Der Vorteil des Self-Hostings: Die Daten verlassen nie Ihren Server, es entstehen keine monatlichen SaaS-Kosten (nur Serverkosten), und bei hohem Traffic-Volumen kann die Lösung deutlich günstiger sein als das Cloud-Angebot.

Achtung: Plausible Cloud speichert Daten auf Servern in der EU (Deutschland). Beim Self-Hosting sind Sie selbst für den Serverstandort und die Datensicherung verantwortlich. Stellen Sie sicher, dass Ihr Hosting-Anbieter DSGVO-konforme Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) anbietet.

Vergleich: Plausible vs. Google Analytics vs. Matomo vs. Fathom

Kriterium Plausible Google Analytics 4 Matomo Cloud Fathom
Preis (gehostet) Ab 9 USD/Monat Kostenlos (bis GA360) Ab 23 USD/Monat Ab 15 USD/Monat
DSGVO-konform Ja (ohne Banner) Nein / aufwendig Ja (mit Konfiguration) Ja (ohne Banner)
Cookies Keine Ja (First-Party) Optional Keine
Datenspeicherung EU / eigener Server USA EU / eigener Server EU (Litauen)
Self-Hosting Ja (Open Source) Nein Ja (Open Source) Nein
Skriptgröße < 1 KB ~45–80 KB ~22 KB ~1 KB
Echtzeit-Dashboard Ja Ja Ja Ja
Öffentliches Dashboard Ja Nein Ja Ja

DSGVO-Konformität ohne Zustimmung

Da Plausible keine personenbezogenen Daten im Sinne der DSGVO erhebt und keine Cookies setzt, ist in den meisten EU-Ländern kein Consent-Banner erforderlich. Die Datenschutzrichtlinie von Plausible beschreibt transparent, welche Daten verarbeitet werden. Für Websites, die das Tool in der Cloud-Version nutzen, stellt Plausible einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) bereit – ein wichtiger Punkt für die rechtliche Absicherung nach Art. 28 DSGVO.

Wichtig: Auch wenn Plausible keinen Consent benötigt, sollten Betreiber das Tool in ihrer Datenschutzerklärung erwähnen und auf die Datenverarbeitung hinweisen. Das ist eine gute Praxis und schafft Vertrauen bei den Nutzern.

Für wen eignet sich Plausible?

Plausible ist ideal für Blogger, kleine bis mittelgroße Websites, Agenturen und alle, die einen schnellen Überblick ohne komplexe Konfiguration benötigen. Wer hingegen tiefe Trichteranalysen, benutzerdefinierte Dimensionen in großem Umfang oder enge Integration mit Google-Diensten wie Ads benötigt, wird bei Plausible an Grenzen stoßen. Für die Mehrheit der Websites bietet das Tool aber mehr als genug – und spart dabei den Aufwand für Cookie-Banner und Consent-Management-Plattformen.

Die wachsende Gemeinschaft rund um Plausible entwickelt regelmäßig neue Features. Mit der Stats API lassen sich Daten auch in eigene Dashboards oder Reports einbinden.

FAQ

Benötige ich mit Plausible noch einen Cookie-Banner?
In den meisten Fällen nicht. Da Plausible keine Cookies setzt und keine personenbezogenen Daten speichert, entfällt die Einwilligungspflicht nach ePrivacy-Richtlinie. Ein Hinweis in der Datenschutzerklärung ist dennoch empfehlenswert.
Wie viel kostet Plausible Analytics?
Plausible Cloud startet bei 9 USD pro Monat für bis zu 10.000 monatliche Pageviews. Höhere Volumenpakete sind gestaffelt erhältlich. Die Community Edition zum Selbsthosten ist kostenlos (Serverkosten ausgenommen).
Kann ich Plausible und Google Analytics gleichzeitig nutzen?
Ja, beide Skripte können gleichzeitig eingebunden werden. Viele Betreiber tun dies während einer Übergangsphasephase, um Daten zu vergleichen und sicherzustellen, dass Plausible alle gewünschten Metriken erfasst, bevor Google Analytics deaktiviert wird.
Erkennen Ad-Blocker das Plausible-Skript?
Das Standard-Skript von plausible.io wird von manchen Ad-Blockern gefiltert. Wer alle Besucher erfassen möchte, sollte das Skript über eine eigene Subdomain (Proxy) ausliefern. Die Plausible-Dokumentation erklärt, wie ein solcher Proxy mit Cloudflare Workers, Vercel oder Nginx eingerichtet wird.