Wer Daten in der Cloud verwaltet, kennt das Problem: Verschiedene Anbieter, unterschiedliche Schnittstellen und kein einheitliches Werkzeug für alles. Rclone löst dieses Problem auf elegante Weise. Das quelloffene Kommandozeilenprogramm verbindet sich mit über 70 Cloud-Speicheranbietern und erlaubt es, Dateien zu kopieren, zu synchronisieren, zu verschieben und sogar verschlüsselt abzulegen – alles mit einem einzigen Tool.
Was ist Rclone?
Rclone ist ein in Go geschriebenes Open-Source-Programm, das unter dem Motto „rsync for cloud storage“ steht. Es wurde 2013 von Nick Craig-Wood ins Leben gerufen und hat sich seitdem zur Standardlösung für Cloud-Backups im Server- und Power-User-Bereich entwickelt. Anders als grafische Clients wie Cyberduck oder Mountainduck setzt Rclone konsequent auf die Kommandozeile, was es ideal für Skripting und Automatisierung macht.
Das Programm ist für Windows, macOS und Linux verfügbar und wird als einzelne ausführbare Datei ohne Installation ausgeliefert. Die offizielle Dokumentation sowie Downloads findet man auf rclone.org.
Unterstützte Anbieter
Rclone unterstützt weit über 70 verschiedene Backends. Zu den bekanntesten gehören Google Drive inklusive geteilter Laufwerke, Amazon S3 und alle S3-kompatiblen Dienste wie Wasabi, MinIO oder Cloudflare R2, Backblaze B2, Microsoft OneDrive mit SharePoint-Anbindung, Dropbox, SFTP für eigene Server und NAS-Systeme sowie WebDAV, FTP und SMB für klassische Netzwerkprotokolle. Zusätzlich werden Nextcloud, Jottacloud, pCloud und Dutzende weiterer Dienste unterstützt.
Konfiguration: rclone config
Der Einstieg beginnt immer mit dem interaktiven Konfigurationsassistenten. Nach dem Aufruf von rclone config wählt man „New remote“, gibt dem Remote einen Namen (z. B. gdrive) und folgt den Anweisungen des jeweiligen Anbieters. Bei Google Drive öffnet sich automatisch ein Browser-Fenster für die OAuth-Authentifizierung. Für S3-kompatible Dienste gibt man Access Key und Secret direkt ein.
Die gespeicherte Konfiguration liegt unter ~/.config/rclone/rclone.conf und enthält alle Remote-Definitionen in INI-Syntax. Mit rclone listremotes werden alle konfigurierten Remotes angezeigt.
Die wichtigsten Befehle
rclone copy kopiert Dateien von Quelle zu Ziel und überspringt bereits vorhandene, identische Dateien. Vorhandene Ziel-Dateien werden nicht gelöscht. rclone sync synchronisiert Quelle zu Ziel vollständig – Dateien, die in der Quelle nicht mehr existieren, werden auch im Ziel entfernt. rclone move verschiebt Dateien und löscht sie anschließend an der Quelle.
Mit rclone ls und rclone lsd lassen sich Dateien bzw. Verzeichnisse eines Remotes auflisten. rclone check prüft zwei Standorte auf Unterschiede, ohne Daten zu übertragen. rclone size zeigt den belegten Speicherplatz eines Remotes an.
--dry-run testen. So simuliert Rclone den Befehl, ohne tatsächlich Daten zu verändern. Ideal vor einem großen Sync- oder Move-Vorgang.
Cloud-Speicher als lokales Laufwerk einbinden
Mit rclone mount lässt sich ein Remote als lokales Dateisystem einbinden. Unter Linux und macOS setzt das FUSE voraus, unter Windows wird WinFsp benötigt. Nach dem Einhängen erscheint der Cloud-Speicher wie eine lokale Festplatte im Dateimanager. Dateien werden bei Bedarf heruntergeladen und können mit jedem Programm geöffnet werden. Mit dem Flag --vfs-cache-mode full wird ein lokaler Cache angelegt, der auch das Schreiben von Dateien zuverlässig ermöglicht.
Verschlüsselte Remotes
Rclone bietet mit dem crypt-Backend eine clientseitige End-to-End-Verschlüsselung. Man definiert dabei ein neues Remote, das auf ein bestehendes Remote zeigt, und wählt als Typ crypt. Dateinamen und Dateiinhalte werden mit XSalsa20/Poly1305 verschlüsselt, bevor sie hochgeladen werden. Der Cloud-Anbieter sieht nur unlesbaren Dateinamen-Salat.
Automatisierung mit Cron und systemd
Rclone fügt sich nahtlos in klassische Unix-Automatisierungstools ein. Ein einfacher Cron-Eintrag für ein nächtliches Backup sieht so aus: 0 2 * * * rclone sync /home/user/dokumente gdrive:backup/dokumente --log-file=/var/log/rclone.log. Für anspruchsvollere Szenarien empfiehlt sich ein systemd-Timer, der zuverlässiger als Cron arbeitet und Logs direkt in das systemd-Journal schreibt. Auf der offiziellen Rclone-Dokumentation sind fertige systemd-Unit-Vorlagen verfügbar.
Vergleich: Rclone vs. Cyberduck vs. Mountainduck vs. s3cmd
| Merkmal | Rclone | Cyberduck | Mountainduck | s3cmd |
|---|---|---|---|---|
| Unterstützte Anbieter | 70+ | ~20 | ~20 | S3-kompatibel |
| Clientseitige Verschlüsselung | Ja (crypt) | Nein | Nein | Nein |
| Als lokales Laufwerk einbinden | Ja | Nein | Ja (kostenpflichtig) | Nein |
| Grafische Oberfläche | Nein (CLI) | Ja | Ja | Nein (CLI) |
| Automatisierung / Skripting | Sehr gut | Eingeschränkt | Eingeschränkt | Gut |
| Kosten | Kostenlos | Kostenlos | Kostenpflichtig | Kostenlos |
| Betriebssysteme | Win/Mac/Linux | Win/Mac | Win/Mac | Linux/Mac |
Praxistipps
Mit dem Flag --transfers lässt sich die Anzahl gleichzeitiger Übertragungen erhöhen, was bei vielen kleinen Dateien die Geschwindigkeit deutlich steigert. --bwlimit begrenzt die Bandbreite, um das Netzwerk nicht zu überlasten. Für inkrementelle Backups mit Versionierung bietet sich das rclone bisync-Kommando an, das bidirektionale Synchronisation unterstützt.
Häufig gestellte Fragen
- Kann Rclone zwischen zwei Cloud-Diensten direkt kopieren, ohne lokalen Zwischenspeicher?
- Ja, bei Server-seitig unterstützten Remotes wie S3 zu S3 oder Google Drive zu Google Drive kopiert Rclone serverseitig. Bei nicht unterstützten Kombinationen fließen die Daten kurz über den lokalen Rechner.
- Ist Rclone für Windows-Nutzer geeignet?
- Ja. Die Windows-Version funktioniert vollständig über die PowerShell oder die Eingabeaufforderung. Für den Mount-Befehl muss zusätzlich WinFsp installiert werden.
- Wie sicher ist die crypt-Verschlüsselung?
- Rclone nutzt NaCl/libsodium-basierte Verschlüsselung (XSalsa20-Poly1305 für Inhalte, EME für Dateinamen). Der Algorithmus gilt als sehr sicher, solange das Passwort stark gewählt wird.
- Gibt es eine grafische Oberfläche für Rclone?
- Rclone selbst ist ein CLI-Tool, aber mit
rclone rcd --rc-web-guikann eine browser-basierte Weboberfläche gestartet werden. Auch Drittanbieter-GUIs wie RcloneBrowser stehen zur Verfügung.