Realzins erklärt: Wie Inflation deine echte Rendite frisst

Dein Tagesgeldkonto verspricht 3 % Zinsen, und du freust dich über den Zuwachs. Doch wenn die Preise im selben Jahr um 4 % steigen, hast du am Ende real weniger Kaufkraft als vorher – obwohl auf dem Konto mehr Geld steht. Genau diesen Effekt beschreibt der Realzins. Er zeigt, was nach Abzug der Inflation tatsächlich von deiner Rendite übrig bleibt.

Nominalzins vs. Realzins

Der Nominalzins ist die Zahl, die dir die Bank nennt: der Zinssatz, der dem Konto oder der Anleihe aufgedruckt ist. Er sagt aber nichts darüber aus, wie viel du dir am Jahresende davon kaufen kannst. Der Realzins dagegen berücksichtigt den Kaufkraftverlust durch steigende Preise und misst damit deinen echten Vermögenszuwachs.

Die einfache Faustformel lautet:

Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate

Bei 3 % Zins und 2 % Inflation bleiben also rund 1 % realer Zuwachs. Diese Näherung reicht für den Alltag völlig aus. Wer es exakt will, nutzt die Fisher-Gleichung:

Realzins = (1 + Nominalzins) / (1 + Inflation) − 1

Den genauen Wert nach Fisher musst du nicht im Kopf rechnen – der Realzins Rechner nimmt dir Nominalzins und Inflationsrate ab und liefert sofort die reale Rendite, mit der du verschiedene Anlagen ehrlich vergleichen kannst.

Negative Realzinsen – die schleichende Enteignung

Liegt die Inflation über dem Nominalzins, wird der Realzins negativ. Das war in Deutschland über weite Strecken der 2010er- und frühen 2020er-Jahre der Fall: Sparbücher brachten nahe null Prozent, während die Preise spürbar stiegen. Wer sein Geld auf dem Konto liegen ließ, verlor real jedes Jahr an Kaufkraft – ohne dass der Kontostand je gesunken wäre.

Diese "kalte" Vermögensvernichtung trifft besonders konservative Sparer, die ausschließlich auf Tagesgeld und Sparbücher setzen. Der nominale Zuwachs täuscht Sicherheit vor, während die reale Kaufkraft langsam abschmilzt.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, du legst 10.000 Euro für ein Jahr zu 3,5 % an. Nominal hast du danach 10.350 Euro. Beträgt die Inflation in diesem Jahr 2 %, kostet ein Warenkorb, der vorher 10.000 Euro kostete, nun 10.200 Euro. Deine reale Kaufkraft ist also nur um rund 150 Euro gestiegen – das entspricht einem Realzins von etwa 1,47 %. Steigt die Inflation dagegen auf 5 %, schrumpft deine reale Rendite ins Minus: Trotz 350 Euro nominalem Gewinn kannst du dir am Jahresende weniger leisten.

Warum der Realzins für jede Anlageentscheidung zählt

Der Realzins ist der ehrlichste Maßstab für den Erfolg einer Geldanlage. Zwei Produkte mit identischem Nominalzins können sich real völlig unterschiedlich entwickeln, wenn sie in Phasen mit verschiedener Inflation laufen. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte deshalb nicht auf die höchste Zinszahl schielen, sondern darauf, ob die Rendite die Inflation dauerhaft schlägt.

Genau hier liegt das Argument für Sachwerte wie Aktien oder Immobilien: Sie bieten zwar kurzfristig mehr Schwankung, haben aber historisch deutlich häufiger einen positiven Realzins erzielt als reine Zinsanlagen. Wie viel von einem zukünftigen Betrag heute überhaupt wert ist, kannst du übrigens mit dem Barwert Rechner ermitteln. Weitere Werkzeuge rund um Zinsen und Rendite findest du in unserer Sammlung an Webtools.

Fazit

Der Realzins trennt den schönen Schein vom echten Ertrag. Solange du nur auf den Nominalzins schaust, kann dir die Inflation unbemerkt deine Rendite auffressen. Rechne deshalb bei jeder Anlage den realen Zins aus – nur er zeigt, ob dein Geld wirklich für dich arbeitet oder bloß langsamer an Wert verliert.