Regenwasser ist kostenlos, kalkfrei und fällt jedes Jahr in erstaunlichen Mengen auf dein Dach – nur läuft das meiste davon ungenutzt in die Kanalisation. Wer den Garten gießt, das Auto wäscht oder die Toilettenspülung mit Regenwasser speist, spart Trinkwasser und bares Geld. Die spannende Frage ist nur: Wie viel Wasser lässt sich realistisch sammeln? Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen und zeigt, wie du deine eigene Sammelmenge berechnest.
Die einfache Faustformel
Die sammelbare Regenwassermenge ergibt sich aus drei Größen: der Dachfläche, dem Jahresniederschlag und einem Abflussbeiwert, der berücksichtigt, dass nicht jeder Tropfen am Ende in der Tonne landet. Die Grundformel lautet:
- Sammelmenge (Liter) = Dachfläche (m²) × Niederschlag (mm) × Abflussbeiwert
Ein Millimeter Niederschlag entspricht genau einem Liter pro Quadratmeter. Bei 800 mm Jahresniederschlag fallen also 800 Liter auf jeden Quadratmeter Grundfläche. Wenn du diese Werte nicht im Kopf jonglieren willst, übernimmt der Regenwasser Rechner die komplette Rechnung für dich – du gibst nur Dachfläche und Niederschlag ein und bekommst die jährlich sammelbare Menge direkt angezeigt.
Was ist die Dachfläche – und warum nicht die Dachschräge?
Ein häufiges Missverständnis: Es zählt nicht die schräge, tatsächliche Dachfläche, sondern die überdachte Grundfläche – also die Fläche, die das Dach von oben betrachtet abdeckt. Regen fällt senkrecht, deshalb ist allein die Projektion auf den Boden entscheidend. Ein steiles Dach sammelt nicht mehr Wasser als ein flaches mit gleicher Grundfläche.
Praktisch misst du also die Länge und Breite des Gebäudes inklusive Dachüberstand und multiplizierst beides. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 10 × 12 Metern Grundfläche kommst du auf rund 120 m².
Der Abflussbeiwert: Nicht alles kommt an
Ein Teil des Regens verdunstet auf dem warmen Dach, bleibt in Vertiefungen stehen oder wird vom Material aufgesaugt. Der Abflussbeiwert bildet diesen Verlust ab:
- Ziegel- und Schieferdächer: rund 0,8 – glatte, geneigte Flächen leiten gut ab.
- Flachdächer (bekiest): etwa 0,6 – mehr Verdunstung und Rückhalt.
- Gründächer: 0,3 oder weniger – die Bepflanzung speichert einen großen Teil.
Rechnest du das Beispiel durch – 120 m² × 800 mm × 0,8 – ergeben sich rund 76.800 Liter pro Jahr. Das ist mehr als genug, um einen Garten über die Sommermonate zu versorgen.
Tonne, Tank oder Zisterne?
Die berechnete Jahresmenge sagt noch nichts darüber aus, wie viel du tatsächlich speichern kannst. Entscheidend ist das Speichervolumen:
- Regentonne (200–500 Liter): reicht für gelegentliches Gießen kleiner Beete und Balkonpflanzen.
- Oberirdischer Tank (1.000–3.000 Liter): überbrückt mehrere Trockenwochen im Sommer.
- Erdzisterne (3.000–10.000 Liter): versorgt Garten, Toilette und Waschmaschine ganzjährig.
Als grobe Regel gilt: Ein Speicher sollte etwa 5 bis 6 Prozent der Jahresmenge fassen, um die typischen Trockenperioden zu überbrücken. Wer das Wasser auch im Haus nutzt, profitiert vom kalkfreien Regenwasser besonders – es schont Waschmaschine und spart Entkalker.
Was bringt das finanziell?
Trinkwasser kostet inklusive Abwassergebühr je nach Region zwischen 4 und 7 Euro pro Kubikmeter (1.000 Liter). Wer im Jahr 30.000 Liter Regenwasser statt Leitungswasser nutzt, spart schnell 150 bis 200 Euro. Wie sich der Wasserverbrauch im Haushalt insgesamt aufschlüsselt, kannst du mit dem Wasserkosten Rechner nachrechnen. Und wenn du wissen willst, was deine Gartenbewässerung mit der Pumpe an Strom verbraucht, hilft der Stromkosten Rechner weiter. Eine Übersicht aller praktischen Helfer findest du unter kotsch.tech/webtools.
Fazit
Schon eine durchschnittliche Dachfläche sammelt in Deutschland mehrere zehntausend Liter Regenwasser pro Jahr. Mit der einfachen Formel aus Fläche, Niederschlag und Abflussbeiwert bekommst du eine belastbare Schätzung, wie groß dein Speicher sein sollte und was sich lohnt. Gib deine Werte einmal in den Regenwasser Rechner ein – dann weißt du sofort, welches Potenzial unter deinem Dach steckt.