Rendite nach Steuern: Was nach Abgeltungssteuer, Soli und Freibetrag wirklich bleibt

Eine Geldanlage wirbt mit 6 Prozent Rendite, am Ende landen aber deutlich weniger auf deinem Konto. Der Grund: In Deutschland werden Kapitalerträge versteuert, und zwischen der versprochenen Bruttorendite und dem, was du tatsächlich behältst, liegt die Nettorendite nach Steuern. Wer Anlagen seriös vergleichen will, muss diesen Unterschied kennen. Dieser Ratgeber erklärt, welche Abgaben anfallen, wie der Sparerpauschbetrag wirkt und wie du deine echte Rendite ermittelst.

Warum die Bruttorendite trügt

Renditeangaben in Prospekten und Vergleichsportalen sind fast immer Bruttowerte vor Steuern. Das ist nicht falsch, aber unvollständig. Erst wenn du die Steuerlast abziehst, kannst du verschiedene Anlagen fair gegeneinander stellen. Besonders wichtig wird das, sobald dein jährlicher Sparerpauschbetrag aufgebraucht ist, denn ab diesem Punkt schlägt die volle Abgeltungssteuer zu. Mit dem Rendite nach Steuern Rechner siehst du sofort, wie viel von deiner Bruttorendite nach allen Abgaben übrig bleibt.

Die drei Bausteine der Steuerlast

Auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne fallen in Deutschland drei Abgaben an, die zusammen die sogenannte Kapitalertragsteuer ergeben:

In Summe liegt die effektive Belastung ohne Kirchensteuer bei rund 26,375 Prozent, mit Kirchensteuer bei etwa 27,8 bis 28 Prozent des Ertrags.

Der Sparerpauschbetrag: dein steuerfreier Sockel

Bevor überhaupt Steuern fällig werden, steht dir der Sparerpauschbetrag zu. Seit 2023 beträgt er 1.000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro. Kapitalerträge bis zu dieser Höhe bleiben komplett steuerfrei, sofern du bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilt hast.

Ein Rechenbeispiel: Bei 800 Euro Zinsertrag und einem ausgeschöpften Freistellungsauftrag zahlst du keinen Cent Steuern, deine Nettorendite entspricht der Bruttorendite. Erst beim 1.001. Euro greift die Abgeltungssteuer. Deshalb ist die Reihenfolge entscheidend, in der du deine Freibeträge auf mehrere Banken verteilst.

So rechnest du die Nettorendite aus

Die Formel ist im Kern simpel: Vom Bruttoertrag ziehst du den noch verfügbaren Sparerpauschbetrag ab, versteuerst nur den Rest und teilst das Ergebnis wieder durch das eingesetzte Kapital. Ein Beispiel mit 10.000 Euro Anlage und 6 Prozent Bruttorendite:

Diese Staffelung von Hand sauber zu rechnen ist fehleranfällig. Der Rendite nach Steuern Rechner nimmt dir das ab und berücksichtigt Abgeltungssteuer, Soli, Kirchensteuer und den verbleibenden Freibetrag in einem Schritt.

Worauf du beim Anlagenvergleich achten solltest

Vergleiche immer Nettorenditen, nicht Bruttorenditen. Eine Anlage mit niedrigerem Bruttowert, aber steuerlichen Vorteilen kann am Ende mehr abwerfen. Beachte außerdem, dass thesaurierende Fonds in Deutschland einer Vorabpauschale unterliegen, die deine laufende Steuerlast beeinflusst. Und denke an die Inflation: Eine Nettorendite von 4 Prozent bei 3 Prozent Inflation bedeutet real nur 1 Prozent Kaufkraftgewinn.

Wenn du einen reinen Zinsertrag ohne Freibetrag prüfen willst, hilft dir auch der Abgeltungssteuer Rechner. Für die Hochrechnung deines Vermögens über viele Jahre lohnt ein Blick auf den Zinseszins Rechner. Eine Übersicht aller Finanz-Werkzeuge findest du unter kotsch.tech/webtools.

Fazit

Die Rendite nach Steuern ist die einzig ehrliche Vergleichsgröße für Geldanlagen. Wer Abgeltungssteuer, Soli, Kirchensteuer und Sparerpauschbetrag im Kopf behält, vermeidet böse Überraschungen beim Blick auf die Jahresabrechnung. Plane deine Freistellungsaufträge clever, rechne netto statt brutto und berücksichtige die Inflation, dann triffst du fundierte Anlageentscheidungen.