Selbstständige stehen bei der Altersvorsorge vor einem besonderen Problem: Viele sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und müssen ihre Vorsorge komplett selbst organisieren. Gleichzeitig zahlen erfolgreiche Freiberufler und Unternehmer oft hohe Steuern. Genau an dieser Stelle setzt die Rürup-Rente an, offiziell Basisrente genannt. Sie ist als steuerlich gefördertes Pendant zur gesetzlichen Rente konzipiert und entfaltet ihren Reiz vor allem über den Sonderausgabenabzug. Dieser Artikel erklärt, für wen die Basisrente 2026 sinnvoll ist – und für wen eher nicht.
Was die Basisrente von anderen Verträgen unterscheidet
Die Rürup-Rente ist bewusst streng konstruiert, um steuerlich wie die gesetzliche Rente behandelt zu werden. Das bedeutet konkret: Das angesparte Kapital wird im Alter ausschließlich als lebenslange monatliche Rente ausgezahlt – eine Kapitalauszahlung in einer Summe ist nicht möglich. Die Ansprüche sind nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht beleihbar und nicht kündbar; du kannst den Vertrag allenfalls beitragsfrei stellen. Diese Unflexibilität ist der Preis für den Steuervorteil und der Hauptgrund, warum die Basisrente nicht für jeden passt.
Der Steuervorteil als Kernargument
Beiträge zur Basisrente sind als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar, und zwar seit einigen Jahren zu 100 Prozent bis zu einem jährlichen Höchstbetrag. Dieser Höchstbetrag orientiert sich am Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung und liegt für 2026 im Bereich von rund 29.000 Euro für Alleinstehende beziehungsweise dem Doppelten für gemeinsam veranlagte Ehepaare; den exakten Wert solltest du vor der Steuererklärung prüfen, da er jährlich angepasst wird. In diesen Höchstbetrag werden allerdings auch andere Altersvorsorgebeiträge eingerechnet, etwa zur gesetzlichen Rente oder zu berufsständischen Versorgungswerken.
Je höher dein persönlicher Grenzsteuersatz, desto stärker wirkt der Abzug. Ein Gutverdiener im Spitzensteuersatz bekommt einen erheblichen Teil seiner Einzahlung über die Steuererstattung zurück. Wie viel das in deinem Fall ist, hängt direkt von deinem zu versteuernden Einkommen ab – ein Einkommensteuer-Rechner hilft, den Grenzsteuersatz und damit die ungefähre Ersparnis abzuschätzen.
Für wen sich Rürup besonders eignet
- Selbstständige ohne andere Pflichtvorsorge: Sie haben kaum geförderte Alternativen, weil Riester ihnen meist nicht offensteht und die betriebliche Vorsorge fehlt.
- Gutverdiener im hohen Steuersatz: Der Sonderausgabenabzug entfaltet bei ihnen die größte Wirkung.
- ältere Sparer mit kurzer Restlaufzeit: Wer mit hohem Einkommen kurz vor der Rente steht, kann in wenigen Jahren viel einzahlen, hohe Steuerersparnisse mitnehmen und das Kapital bald wieder als Rente beziehen – die geringe Flexibilität fällt dann weniger ins Gewicht.
Wo die Basisrente an Grenzen stößt
Die strenge Konstruktion bringt klare Nachteile mit sich:
- keine Kapitalauszahlung: Du kommst nie in einer Summe an dein Geld, was bei Liquiditätsengpässen oder einem frühen Todesfall problematisch ist.
- eingeschränkte Vererbung: Ohne Zusatzbausteine verfällt das Kapital im Todesfall weitgehend; absichern lässt sich das nur über Hinterbliebenenschutz, der wiederum Rendite kostet.
- volle Besteuerung im Alter: Da die Beiträge gefördert wurden, ist die spätere Rente nachgelagert voll zu versteuern.
- Produktkosten: Klassische Rürup-Versicherungen können hohe Kosten haben; günstiger sind oft fondsgebundene Varianten mit ETF-Anlage, die aber Schwankungen mit sich bringen.
Wer Wert auf Flexibilität legt oder im Notfall an das Kapital kommen möchte, fährt mit einem freien ETF-Depot oft besser – wenn auch ohne Steuervorteil in der Ansparphase. Ein häufiger Denkfehler ist, allein auf die Steuererstattung beim Einzahlen zu schauen und die spätere volle Besteuerung sowie die fehlende Verfügbarkeit auszublenden. Eine seriöse Betrachtung rechnet stets beide Phasen zusammen – Förderung in der Ansparzeit und Belastung in der Auszahlung – und stellt das Ergebnis einer Alternative ohne Bindung gegenüber, statt sich von der unmittelbaren Steuerrückzahlung blenden zu lassen.
Klassisch oder fondsgebunden?
Bei der Produktwahl entscheidest du dich grob zwischen zwei Welten. Die klassische Rürup-Versicherung verspricht Garantien und einen kalkulierbaren Rentenfaktor, liefert aber in der Niedrigzinswelt nur magere Renditen. Die fondsgebundene Basisrente investiert in Fonds oder ETFs und bietet höhere Renditechancen bei entsprechendem Risiko. Für lange Laufzeiten und renditeorientierte Sparer ist die fondsgebundene Variante meist attraktiver – wichtig sind dann niedrige Fondskosten und eine breit gestreute Anlage. Achte in beiden Fällen auf die Effektivkostenquote, die alle laufenden Kosten zusammenfasst und Verträge vergleichbar macht.
Rürup im Zusammenspiel mit anderen Bausteinen
Die Basisrente ist kein Alleskönner, sondern ein Baustein. Sinnvoll ist sie meist als steuerlich optimierter Teil eines breiteren Vorsorgekonzepts: Daneben sollten flexible Anlagen stehen, an die du im Notfall herankommst, sowie idealerweise ein Liquiditätspuffer. Ein verbreiteter Ansatz ist, in ertragsstarken Jahren gezielt höhere Rürup-Beiträge einzuzahlen, um die Steuerlast zu senken, und in schwächeren Jahren flexibler zu sparen. Wie sich die Bausteine ergänzen, beleuchten weitere Beiträge in unseren News; nützliche Rechner dazu findest du in den Webtools.
Häufige Fragen
Können auch Angestellte eine Rürup-Rente abschließen?
Ja. Die Basisrente steht jedem offen, lohnt sich für Angestellte aber meist erst, wenn die geförderten Wege wie betriebliche Altersvorsorge und gegebenenfalls Riester ausgeschöpft sind und ein hoher Steuersatz vorliegt. Für viele Angestellte sind andere Bausteine vorrangig attraktiver.
Wie viel kann ich 2026 maximal absetzen?
Absetzbar ist der volle Beitrag bis zum jährlichen Höchstbetrag, der sich am Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung orientiert und für Verheiratete verdoppelt. Andere Altersvorsorgebeiträge zählen mit hinein. Den genauen Betrag für 2026 solltest du aktuell nachschlagen, da er jedes Jahr angepasst wird.
Was passiert mit dem Geld, wenn ich früh sterbe?
Ohne Zusatzvereinbarung verfällt das Kapital weitgehend zugunsten der Versichertengemeinschaft. Absichern lässt sich das über eine Hinterbliebenenrente oder eine Beitragsrückgewähr, was jedoch die eigene Rente schmälert. Wer Familie absichern will, sollte diese Optionen vor Abschluss einkalkulieren.
Kann ich die Beiträge flexibel anpassen?
Bei den meisten Verträgen ja: Du kannst Beiträge erhöhen, senken, Sonderzahlungen leisten oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Das macht die Basisrente besonders für Selbstständige mit schwankenden Einkommen praktikabel, weil sich die Einzahlungen an gute und schlechte Jahre anpassen lassen.