Smartphones werden teurer, die Nutzungsdauer steigt – doch irgendwann endet für jedes Android-Gerät der offizielle Software-Support. Samsung hat in den vergangenen Monaten mehrere Galaxy-Modelle aus dem Update-Programm entlassen. Was das konkret bedeutet, welche Geräte betroffen sind, wie Samsungs Update-Politik im Vergleich zu Google und Apple dasteht und welche Optionen Nutzer jetzt haben, erklärt dieser Artikel ausführlich.
Samsungs Update-Politik: Was versprochen wird
Samsung hat seine Update-Versprechen in den vergangenen Jahren schrittweise ausgeweitet – angetrieben durch den wachsenden Druck von Google Pixel, neue EU-Nachhaltigkeitsvorschriften und den gestiegenen Anspruch der Verbraucher an die Langlebigkeit ihrer Geräte. Aktuelle Flaggschiffe aus der Galaxy-S-Reihe sowie ausgewählte Mittelklasse-Modelle erhalten mittlerweile bis zu vier große Android-OS-Upgrades und fünf Jahre monatliche Sicherheitsupdates. Mit dem Galaxy S24 und neueren Modellen wurde das Versprechen sogar auf sieben Jahre ausgedehnt – ein Schritt, der die gesamte Android-Branche unter Zugzwang gesetzt hat.
Diese großzügige Politik gilt jedoch ausschließlich für neuere und höherpreisige Modelle. Günstigere Einstiegsgeräte und alle Modelle, die vor 2022 veröffentlicht wurden, sind von den alten, kürzeren Versprechen betroffen. Wer 2020 oder 2021 ein Samsung-Gerät gekauft hat, muss damit rechnen, dass der Support bereits ausläuft oder in naher Zukunft endet.
Welche Galaxy-Modelle verlieren 2025 und 2026 den Support?
Die Galaxy-S20-Serie gehört zu den bekanntesten Geräten, die ihren Support verlieren. Die Modelle S20, S20+, S20 FE und S20 Ultra wurden 2020 veröffentlicht und haben vier große Android-OS-Updates erhalten – von Android 10 bis Android 14. Die Sicherheitsupdates laufen planmäßig 2025 aus. Nach fünf Jahren endet damit auch der letzte offizielle Schutz.
Auch mehrere A-Serie-Modelle aus dem Jahr 2021 sind betroffen:
- Galaxy A52 / A52s: Vier OS-Updates erhalten, Sicherheits-Support bis Ende 2025
- Galaxy A72: Vier OS-Updates, Sicherheits-Support bis Anfang 2026
- Galaxy A32: Drei OS-Updates, Sicherheits-Support bereits ausgelaufen oder kurz vor Ende
- Galaxy A12 / A02s: Nur zwei OS-Updates, kein aktiver Sicherheits-Support mehr
- Galaxy M-Serie (2020/2021): Je nach Modell ein bis drei OS-Updates, Support größtenteils eingestellt
Die vollständige und aktuelle Übersicht der Support-Enddaten für alle Modelle findet sich auf der offiziellen Samsung-Website unter „Software-Update-Richtlinien".
Was bedeutet „End of Support" in der Praxis?
Das Ende des offiziellen Supports bedeutet nicht, dass das Smartphone sofort aufhört zu funktionieren. Anrufe, Nachrichten und die meisten installierten Apps laufen weiterhin. Doch mit der Zeit entstehen spürbare Nachteile, die die Alltagsnutzung immer stärker einschränken:
- Offene Sicherheitslücken: Bekannte Schwachstellen im Betriebssystem werden nicht mehr geschlossen. Angreifer können diese gezielt ausnutzen, etwa über präparierte Webseiten, manipulierte Netzwerke oder schädliche Apps.
- Zunehmende App-Inkompatibilität: Entwickler setzen für neue App-Versionen immer aktuellere Android-Versionen voraus. Ältere Geräte werden nach und nach von App-Updates ausgeschlossen – Banking-Apps machen bereits heute in vielen Fällen einen Mindest-Android-Stand zur Voraussetzung.
- Kein vollständiger Google Play Protect: Der Schutzmechanismus gegen schädliche Apps verliert ohne OS-Updates langfristig an Wirksamkeit, da neue Bedrohungsmuster nicht mehr vollständig abgedeckt werden.
- Fehlende neue Funktionen: Verbesserte Datenschutzeinstellungen, optimiertes Energiemanagement, neue Kamera-APIs und Performance-Verbesserungen stehen auf veralteten Android-Versionen nicht zur Verfügung.
Vergleich: Update-Versprechen der großen Smartphone-Hersteller
Im direkten Vergleich wird deutlich, wie unterschiedlich die Hersteller mit dem Thema Software-Langlebigkeit umgehen. Das ist heute ein wesentliches Kaufkriterium:
| Hersteller | OS-Updates (Flaggschiff) | Sicherheitsupdates | Mittelklasse-Support |
|---|---|---|---|
| Samsung Galaxy S (ab S24) | 7 Jahre | 7 Jahre | 4 Jahre OS |
| Samsung Galaxy S (S20–S23) | 4 Jahre | 5 Jahre | 3–4 Jahre OS |
| Google Pixel (ab Pixel 8) | 7 Jahre | 7 Jahre | 7 Jahre (Pixel A) |
| Apple iPhone | 5–6 Jahre | 5–6 Jahre | 5–6 Jahre (SE) |
| OnePlus (Flaggschiff) | 4 Jahre | 5 Jahre | 2–3 Jahre OS |
| Xiaomi (Flaggschiff) | 3–4 Jahre | 4–5 Jahre | 2–3 Jahre OS |
Google Pixel-Geräte ab der Pixel-8-Generation setzen mit sieben Jahren vollständigem Support den aktuellen Goldstandard. Apple liegt mit bis zu sechs Jahren ebenfalls weit vor Samsung – und das nicht nur bei Flaggschiffen, sondern auch beim günstigeren iPhone SE. Samsung hat mit dem Galaxy S24 zwar aufgeholt, doch ältere Geräte profitieren davon nicht rückwirkend.
Optionen für Nutzer betroffener Geräte
Option 1: Neues Smartphone kaufen
Die unkomplizierteste Lösung ist ein Gerätewechsel. Wer bei Samsung bleiben möchte, sollte zu einem aktuellen Galaxy S25 oder einem neueren A-Modell mit langen Support-Versprechen greifen. Alternativ bieten Google Pixel oder ein iPhone deutlich längere Update-Garantien und damit mehr Zukunftssicherheit für den nächsten Kaufzyklus. Achten Sie beim Kauf explizit auf das Support-Versprechen in Jahren – es ist heute ein ebenso wichtiges Qualitätsmerkmal wie Akku-Kapazität oder Kameraqualität.
Option 2: Custom ROM installieren
Technisch versierte Nutzer können ihr Gerät mit einem Custom ROM wie LineageOS neu beleben. LineageOS basiert auf dem Android Open Source Project (AOSP) und wird von einer aktiven Community regelmäßig mit Sicherheits-Patches versorgt – oft noch Jahre nach dem offiziellen Hersteller-Support-Ende. Für die Galaxy-S20-Serie existieren stabile LineageOS-Builds mit monatlichen Patches.
Der Wechsel erfordert das Entsperren des Bootloaders, was bei Samsung-Geräten die Knox-Sicherheitsumgebung dauerhaft deaktiviert. Das hat Auswirkungen auf Samsung Pay, Knox-basierte Container-Apps und manche Banking-Apps, die Knox-Integrität voraussetzen. Für Nutzer, die diese Funktionen nicht benötigen, ist LineageOS eine vollwertige und sicherere Alternative zum veralteten Original-System.
Option 3: Nutzung einschränken
Wer das alte Gerät nicht ersetzen möchte, sollte es zumindest nicht mehr für sicherheitskritische Tätigkeiten verwenden. Online-Banking, E-Mail, Shopping und soziale Netzwerke mit sensiblen Daten sollten auf ein aktuell gepflegtes Gerät verlagert werden. Das alte Samsung kann weiterhin als Medienabspieler, Navigationshilfe, Zweit-Gerät für WLAN-basierte Aktivitäten oder als Steuerzentrale für Smart-Home-Geräte dienen.
EU-Regulierung und die Zukunft des Smartphone-Supports
Die Europäische Union hat mit der Ökodesign-Verordnung für Smartphones Mindestanforderungen für Software-Updates eingeführt, die seit 2025 gelten. Hersteller sind verpflichtet, Sicherheitsupdates für mindestens fünf Jahre und Betriebssystem-Updates für mindestens drei Jahre nach Markteinführung bereitzustellen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, bleibt aber hinter dem zurück, was Google Pixel und Apple bereits freiwillig bieten.
Für Verbraucher gilt: Die Update-Politik eines Herstellers ist heute ein handfestes Kaufargument. Ein Gerät mit sieben Jahren Support-Versprechen kostet auf vier bis fünf Jahre gerechnet oft weniger als zwei günstigere Geräte mit jeweils kurzer Support-Dauer – und schont nebenbei die Umwelt durch weniger Elektronikschrott.
Fazit
Das Support-Ende für ältere Samsung-Galaxy-Modelle ist keine Überraschung, aber ein wichtiges Signal: Software-Support ist ein zentrales Qualitätsmerkmal, das beim Smartphonekauf zu wenig beachtet wird. Betroffene Nutzer sollten zügig handeln – entweder durch einen Gerätewechsel zu einem Modell mit langem Support, durch den Wechsel auf LineageOS oder zumindest durch die Verlagerung sensibler Aktivitäten auf ein aktuell gepflegtes Gerät. Für künftige Käufe gilt: Wer sieben Jahre Support bekommt, kauft smarter und nachhaltiger.
