Der individuelle Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, ist das wichtigste Planungsdokument der energetischen Sanierung – und gleichzeitig ein cleverer Förderhebel. Er beantwortet die Frage, in welcher Reihenfolge ein Gebäude saniert werden sollte, was jede Maßnahme kostet und bringt, und wie sich daraus über die Jahre ein effizientes Haus entwickelt. Wer ihn nutzt, bekommt obendrein einen Förderbonus auf nahezu jede darauf folgende Einzelmaßnahme. Dieser Artikel erklärt, was im iSFP steckt, wie die Erstellung abläuft und warum sich das Dokument für die meisten Eigentümer rechnet.
Was der iSFP eigentlich ist
Der iSFP ist ein standardisiertes Beratungsdokument, das ein zugelassener Energie-Effizienz-Experte erstellt. Er besteht aus zwei Teilen: dem farbigen, leicht verständlichen Maßnahmenplan für den Eigentümer und einer technischen Umsetzungshilfe für Handwerker und Planer. Anders als ein einzelnes Sanierungsangebot betrachtet der iSFP das Gebäude als Ganzes über einen längeren Zeitraum. Er zeigt mehrere Schritte, ihre Reihenfolge und das energetische Endziel – sei es ein Effizienzhaus-Niveau oder ein Maßnahmenpaket, das den Verbrauch deutlich senkt.
Charakteristisch ist die Darstellung in zwei möglichen Wegen: einer Sanierung in einem Zug und einer Sanierung in mehreren Schritten. Letztere ist für die meisten Privathaushalte realistisch, weil sie die hohen Investitionskosten auf mehrere Jahre verteilt.
Der iSFP-Bonus: 5 Prozent extra Förderung
Der praktische Anreiz steckt im sogenannten iSFP-Bonus. Wird eine Einzelmaßnahme aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) umgesetzt, die in einem iSFP empfohlen wurde, erhöht sich der Förderzuschuss um zusätzliche fünf Prozentpunkte. Bei einer Fassadendämmung für beispielsweise 30.000 Euro sind das 1.500 Euro zusätzlich – deutlich mehr, als der iSFP selbst nach Förderung kostet. Der Bonus gilt für Maßnahmen an der Gebäudehülle und der Anlagentechnik mit Ausnahme des reinen Heizungstauschs, der über eine eigene Förderschiene läuft.
Der Bonus kann über mehrere Jahre genutzt werden: Solange Sie die im Fahrplan empfohlenen Maßnahmen umsetzen, gilt der iSFP üblicherweise als Grundlage für den Bonus über einen mehrjährigen Zeitraum. Damit lohnt sich das Dokument besonders, wenn Sie ohnehin in Etappen sanieren.
So läuft die Erstellung ab
Der Ablauf ist überschaubar und dauert meist einige Wochen.
- Beraterwahl: Sie beauftragen einen Energie-Effizienz-Experten, der in der offiziellen Expertenliste des Bundes geführt ist. Nur diese dürfen den iSFP erstellen.
- Vor-Ort-Termin: Der Berater nimmt das Gebäude auf – Bauteile, Dämmzustand, Fenster, Heizung, Warmwasser, Lüftung. Oft werden Bauunterlagen und Verbrauchsdaten gesichtet.
- Analyse: Aus den Daten werden U-Werte, Wärmebrücken und der Energiebedarf abgeleitet und einzelne Maßnahmen bewertet.
- Fahrplan: Die Maßnahmen werden in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht, mit Kosten, Einsparungen und Förderhinweisen versehen.
- Abschlussgespräch: Der Berater erläutert den Plan und übergibt das Dokument.
Schon vor dem Beratertermin können Sie selbst Größenordnungen abschätzen. Den heutigen Stand Ihres Gebäudes ordnen Sie grob mit dem Energieausweis-Kennwert-Rechner ein, und die mögliche Wirkung einzelner Dämmmaßnahmen testen Sie mit den Energie-Rechnern der Webtools-Sammlung.
Was der iSFP kostet
Die Erstellung wird über die BEG-Energieberatung für Wohngebäude gefördert. Der Staat übernimmt einen erheblichen Teil des Beraterhonorars, gedeckelt durch einen Höchstbetrag, der sich nach der Art des Gebäudes richtet – für Ein- und Zweifamilienhäuser liegt der förderfähige Anteil niedriger als für größere Mehrfamilienhäuser. In der Praxis bleibt für den Eigentümer eines Einfamilienhauses oft nur ein moderater Eigenanteil im niedrigen dreistelligen Bereich übrig. Die genauen Fördersätze und Deckel sollten Sie vor der Beauftragung beim BAFA prüfen, da sie sich mit den Förderprogrammen ändern können.
Wer von einem iSFP besonders profitiert
Der Fahrplan lohnt sich nicht für jeden gleich stark. Besonders sinnvoll ist er in diesen Fällen:
- Sie besitzen einen unsanierten Altbau und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen.
- Sie wollen in mehreren Etappen über Jahre sanieren und brauchen einen roten Faden.
- Sie planen ohnehin geförderte Einzelmaßnahmen und wollen den 5-Prozent-Bonus mitnehmen.
- Sie haben ein Gebäude geerbt oder gekauft und benötigen eine neutrale Einschätzung.
Weniger Mehrwert bietet er, wenn Sie ohnehin in einem Zug komplett zum Effizienzhaus sanieren – dann ist die KfW-Effizienzhaus-Förderung der relevante Pfad und die technische Planung läuft über die Baubegleitung.
Was im fertigen iSFP-Dokument steht
Das Ergebnis ist bewusst laienverständlich gestaltet. Der Eigentümerteil arbeitet mit Farben und Symbolen statt mit technischem Fachjargon und enthält typischerweise:
- Eine Einordnung des heutigen energetischen Zustands des Gebäudes.
- Die empfohlenen Maßnahmenpakete in ihrer sinnvollen Reihenfolge.
- Für jedes Paket grobe Kosten, die zu erwartende Energieeinsparung und Förderhinweise.
- Den Zielzustand nach Umsetzung aller Schritte, oft als Effizienzhaus-Niveau.
Der technische Umsetzungsteil richtet sich an Handwerker und Planer und enthält konkretere Vorgaben zu Bauteilen, U-Werten und Anschlussdetails. So spricht ein Dokument beide Zielgruppen an.
Häufige Stolpersteine bei der Umsetzung
Ein iSFP entfaltet seinen Wert nur, wenn er auch gelebt wird. In der Praxis bleibt er manchmal in der Schublade liegen, weil die finanziellen Mittel für den nächsten Schritt fehlen oder andere Prioritäten dazwischenkommen. Das ist kein Beinbruch, solange man die Reihenfolge nicht durcheinanderbringt. Problematisch wird es nur, wenn aus Bequemlichkeit eine spätere Maßnahme vorgezogen wird, die eine frühere voraussetzt – etwa der Heizungstausch vor der Dämmung der Hülle. Wer den Fahrplan als verbindlichen roten Faden behandelt und vor jedem Schritt prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, holt das Maximum aus dem Dokument heraus. Eine kurze Rücksprache mit dem Energieberater vor jeder größeren Etappe stellt sicher, dass Förderbedingungen und technische Anforderungen noch zueinander passen.
Häufige Fragen
Ist der iSFP verpflichtend?
Nein, der iSFP ist freiwillig. Er ist keine Voraussetzung, um Einzelmaßnahmen zu fördern. Wer ihn aber nutzt, sichert sich den zusätzlichen Förderbonus und eine durchdachte Reihenfolge der Maßnahmen.
Wie lange ist ein iSFP gültig?
Der iSFP ist auf eine mehrjährige Umsetzung ausgelegt. Der darauf basierende Förderbonus kann über einen festgelegten Zeitraum nach Erstellung für die empfohlenen Maßnahmen genutzt werden. Die konkrete Frist sollten Sie zum Zeitpunkt der Beauftragung bestätigen lassen, da sie in den Förderrichtlinien geregelt ist.
Kann ich vom Fahrplan abweichen?
Ja. Der iSFP ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung. Sie können die Reihenfolge an Ihre finanzielle Situation anpassen. Für den Förderbonus sollten die umgesetzten Maßnahmen aber im Fahrplan empfohlen worden sein. Weitere Ratgeber zur Sanierung finden Sie in unseren News.
Worin unterscheidet sich der iSFP vom Energieausweis?
Der Energieausweis dokumentiert lediglich den energetischen Ist-Zustand und ist beim Verkauf oder der Vermietung Pflicht. Der iSFP geht weit darüber hinaus und liefert einen konkreten, geförderten Maßnahmenplan für die Zukunft des Gebäudes.