Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach klingt nach einer klaren Sache: Sonne rein, Strom raus. In der Praxis hängt der tatsächliche Ertrag aber von mehreren Faktoren ab – Standort, Ausrichtung, Anlagengröße und wie viel Strom du selbst nutzt. Wer vor der Anschaffung steht oder eine bestehende Anlage einschätzen will, sollte die wichtigsten Kennzahlen verstehen. Dieser Ratgeber erklärt, wie du den Ertrag einer PV-Anlage realistisch abschätzt.
Die Grundeinheit: Kilowatt-Peak (kWp)
Die Leistung einer PV-Anlage wird in Kilowatt-Peak (kWp) angegeben. Das ist die Nennleistung unter genormten Testbedingungen (1000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Modultemperatur). Eine typische Anlage auf einem Einfamilienhaus liegt zwischen 5 und 12 kWp. Als grobe Faustregel benötigt 1 kWp etwa 5–7 m² Dachfläche bei modernen Modulen.
Wichtig: kWp ist eine Leistungsangabe (Momentanwert), kein Ertrag. Wie viel Energie tatsächlich übers Jahr zusammenkommt, beschreibt der spezifische Ertrag.
Spezifischer Ertrag: kWh pro kWp und Jahr
Der spezifische Ertrag gibt an, wie viele Kilowattstunden (kWh) eine Anlage pro installiertem kWp und Jahr liefert. In Deutschland liegt dieser Wert je nach Region und Ausrichtung typischerweise zwischen 900 und 1100 kWh/kWp pro Jahr. Süddeutschland erreicht eher die obere Grenze, der Norden eher die untere.
Die einfache Faustformel für den Jahresertrag lautet:
- Jahresertrag (kWh) = Anlagengröße (kWp) × spezifischer Ertrag (kWh/kWp)
- Beispiel: 8 kWp × 1000 kWh/kWp = 8000 kWh pro Jahr
Genau diese Rechnung nimmt dir der Solar Ertrag Rechner ab: Du gibst Anlagengröße, Standortfaktor und deinen Strompreis ein und erhältst sofort den geschätzten Jahresertrag, den Eigenverbrauchsanteil und eine grobe Amortisationsdauer.
Ausrichtung und Neigung
Der ideale Fall ist ein nach Süden ausgerichtetes Dach mit etwa 30–35° Neigung. Abweichungen kosten Ertrag, aber weniger dramatisch als oft angenommen:
- Süd: 100 % Referenzertrag
- Ost oder West: ca. 80–85 % – dafür gleichmäßigere Verteilung über den Tag
- Ost-West-Aufteilung: beliebt, weil morgens und abends Strom kommt, wenn der Haushalt ihn braucht
- Flachdach: Module werden aufgeständert, meist Richtung Süden oder in Ost-West-Reihen
Eigenverbrauch und Einspeisung
Der wirtschaftliche Kern einer PV-Anlage ist der Eigenverbrauch. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Strom, den du sonst für 30–40 Cent vom Versorger kaufen müsstest. Strom, den du nicht selbst nutzt, wird ins Netz eingespeist und mit der gesetzlichen Einspeisevergütung honoriert – die liegt aktuell deutlich niedriger, im Bereich von 8 Cent pro kWh.
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauchsanteil oft nur bei 25–35 %, weil die Sonne tagsüber scheint, der Verbrauch aber abends anfällt. Ein Batteriespeicher hebt den Eigenverbrauch auf 60–70 % und macht die Anlage in vielen Fällen wirtschaftlicher – allerdings bei höheren Anschaffungskosten.
Amortisation: Wann hat sich die Anlage bezahlt?
Die Amortisationsdauer ergibt sich aus den Anschaffungskosten geteilt durch die jährliche Ersparnis (vermiedener Strombezug plus Einspeisevergütung). Typische Werte liegen heute zwischen 9 und 14 Jahren, bei einer Lebensdauer der Module von 25 Jahren und mehr. Steigende Strompreise verkürzen diese Zeit zusätzlich.
Wenn du die laufenden Stromkosten deines Haushalts gegenüberstellen willst, hilft der Stromkosten Rechner, und für die Frage, wann sich eine Investition allgemein durch Ersparnis bezahlt macht, der Amortisationsrechner. Weitere passende Werkzeuge findest du in der Webtools-Übersicht.
Worauf du bei der Planung achten solltest
Eine überdimensionierte Anlage liefert viel Strom, der zu schlechten Konditionen eingespeist wird; eine zu kleine deckt deinen Bedarf nicht. Orientiere die Größe am Jahresverbrauch und an der nutzbaren Dachfläche. Wechselrichter, Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude und die Qualität der Module beeinflussen den realen Ertrag spürbar.
Die hier genannten Werte sind Richtwerte für eine erste Einschätzung. Für eine verbindliche Auslegung lohnt sich immer eine Vor-Ort-Begehung durch einen Fachbetrieb. Mit den Faustformeln und dem Rechner bekommst du aber schnell ein realistisches Gefühl dafür, was eine PV-Anlage an deinem Standort leisten kann.