Viele Geräte im Haushalt sind nie wirklich aus. Sie warten in einem Bereitschaftszustand auf den Fernbedienungsbefehl, halten eine Uhr am Laufen oder horchen auf ein WLAN-Signal. Dieser Leerlaufverbrauch, oft Phantomlast oder Standby genannt, läuft Tag und Nacht und macht in einem typischen Haushalt grob 5 bis 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus. Das klingt wenig, summiert sich aber auf 60 bis 150 Euro im Jahr, die für reines Warten draufgehen.
Anders als oft behauptet, ist Standby nicht in jedem Einzelfall ein großes Problem. Ein modernes Gerät, das gesetzlich auf unter 0,5 Watt im Ruhezustand begrenzt ist, kostet kaum etwas. Das Problem entsteht durch die Masse vieler Geräte und durch einige wenige Altlasten mit hohem Ruheverbrauch. Dieser Artikel zeigt, wo sich das Abschalten wirklich lohnt.
Was Standby überhaupt kostet
Die Rechnung ist einfach: Ein Gerät mit 5 Watt Dauer-Standby verbraucht im Jahr rund 44 Kilowattstunden, also bei 33 Cent etwa 14 Euro. Ein Gerät mit 0,3 Watt kostet dagegen nur etwa 85 Cent im Jahr, praktisch nichts. Der Unterschied zwischen einem sparsamen und einem schlechten Standby ist also enorm. Deshalb lohnt es sich, gezielt die Geräte zu finden, die viel ziehen, statt pauschal alles abzuschalten.
Mit unserem Stromfresser- und Standby-Rechner können Sie pro Gerät den Standby-Wert eingeben und sehen sofort die jährlichen Leerlaufkosten. So erkennen Sie, welche Geräte es wert sind, konsequent vom Netz getrennt zu werden.
Die typischen Phantomlast-Verursacher
Manche Gerätegruppen fallen regelmäßig durch hohen Standby auf:
- Ältere Spielkonsolen: im Ruhezustand teils mehrere Watt, vor allem mit aktivierter Schnellstart- oder Download-Funktion.
- AV-Receiver und Soundbars: oft 3 bis 8 Watt im Bereitschaftsmodus.
- Set-Top-Boxen und alte Sat-Receiver: manche fahren nie richtig herunter.
- Kaffeevollautomaten mit Dauer-Heizung oder Display: halten Wasser warm oder zeigen permanent die Uhrzeit.
- Drucker und Multifunktionsgeräte: ziehen im Bereitschaftsmodus oft mehr als nötig.
- Mikrowelle und Backofen mit Display: die Uhrzeitanzeige läuft rund um die Uhr.
Sparsam sind dagegen die meisten modernen Smartphones, Laptops am Netzteil ohne Last und neue Fernseher, die die EU-Vorgaben einhalten.
Standby gezielt abschalten
Schaltbare Steckdosenleisten
Das wirksamste Mittel ist eine Steckdosenleiste mit Kippschalter. Bündeln Sie zusammengehörige Geräte: das Heimkino mit Fernseher, Receiver, Konsole und Soundbar an einer Leiste, den Arbeitsplatz mit Monitor, Dock und Drucker an einer anderen. Ein Schalter trennt alles vollständig vom Netz. Achten Sie nur darauf, keine Geräte zu trennen, die Einstellungen verlieren oder lange Bootzeiten haben.
Master-Slave-Leisten
Eine Master-Slave-Steckdosenleiste erkennt, wenn das Hauptgerät, etwa der PC oder Fernseher, ausgeschaltet wird, und trennt automatisch die angeschlossenen Zusatzgeräte. Das ist komfortabel, weil man nicht aktiv an den Schalter denken muss.
Zeitschaltuhren für Dauerläufer
Geräte, die nachts garantiert nicht gebraucht werden, lassen sich per Zeitschaltuhr abschalten. Bei Netzwerktechnik sollte man aber prüfen, ob Telefonie, Smart-Home-Steuerungen oder nächtliche Updates darunter leiden.
Wo Abschalten keinen Sinn ergibt
Nicht alles gehört vom Netz getrennt. Kühlschrank und Gefriertruhe müssen durchlaufen. Router sollte man nur trennen, wenn keine Dienste daran hängen. Smart-Home-Zentralen, Rauchmelder mit Netzanschluss und Telefonanlagen brauchen ihre Dauerversorgung. Und Geräte mit empfindlicher Elektronik mögen häufiges hartes Trennen nicht unbedingt. Hier gilt: Der gesparte Cent-Betrag steht in keinem Verhältnis zum Risiko oder Komfortverlust.
Die richtige Reihenfolge
- Zuerst messen: Steckdosenmessgerät an verdächtige Geräte, die Watt-Werte notieren.
- Die größten Standby-Verbraucher identifizieren und bündeln.
- Schaltbare Leisten dort einsetzen, wo der Verbrauch hoch und das Abschalten unkritisch ist.
- Sparsame Geräte in Ruhe lassen, der Aufwand lohnt sich nicht.
- Den Erfolg über die Grundlast am Zähler oder Smart Meter kontrollieren.
So holen Sie das Maximum heraus, ohne Ihren Alltag mit unnötigem Stecker-Ziehen zu belasten. Weitere Rechner finden Sie in den Webtools, und einen ausführlichen Beitrag zum Aufspüren der Grundlast in den News.
Versteckte Phantomlast jenseits der Unterhaltungselektronik
Die offensichtlichen Verdächtigen wie Fernseher und Konsole hat man schnell im Blick. Tückischer sind die Verbraucher, an die niemand denkt, weil sie selten als „Gerät" wahrgenommen werden:
- Steckernetzteile ohne Last: Das Ladegerät, das rund um die Uhr in der Steckdose steckt, zieht auch ohne angeschlossenes Handy etwas Strom. Einzeln wenig, in der Summe über viele Netzteile spürbar.
- WLAN-Repeater und Mesh-Knoten: Sie laufen oft in Räumen, die nachts gar nicht versorgt werden müssen, und summieren sich über mehrere Geräte.
- Smart-Home-Adapter und Funksteckdosen: Ironischerweise verbraucht manche Spar-Steckdose selbst dauerhaft Strom für ihr Funkmodul.
- Türklingel-Trafos, Garagentoröffner und elektrische Zahnbürsten-Ladestationen: klassische Dauerläufer, die nie bewusst ausgeschaltet werden.
- Eingebaute Netzteile in Möbeln und Lampen: LED-Trafos und USB-Buchsen in Schreibtischen oder Nachttischlampen ziehen oft auch im Aus-Zustand der Lampe.
Gerade weil diese Geräte einzeln harmlos wirken, lohnt es sich, einmal mit dem Messgerät durch die Wohnung zu gehen. Die Überraschung ist oft nicht das eine große Gerät, sondern die schiere Zahl kleiner Dauerverbraucher.
Was die EU-Vorgaben heute leisten
Ein Grund, warum sich pauschales Stecker-Ziehen immer weniger lohnt, ist die europäische Ökodesign-Regulierung. Sie begrenzt den Bereitschaftsverbrauch neuer Geräte schrittweise immer strenger – bei einfachem Standby auf Bruchteile eines Watts, bei vernetzten Geräten mit Aufwachfunktion auf etwas höhere, aber ebenfalls gedeckelte Werte. Ein nach aktuellen Vorgaben gebautes Gerät kostet im Ruhezustand meist nur noch wenige Euro im Jahr.
Das verschiebt die Logik des Stromsparens: Bei einem neuen Haushalt sind es vor allem die wenigen Altgeräte und die vernetzten Funktionen, die ins Gewicht fallen, nicht mehr die breite Masse. Wer ein altes Gerät mit hohem Ruheverbrauch ohnehin ersetzen will, spart durch ein effizientes Neugerät oft mehr als durch jede Steckerleiste – allerdings rechtfertigt die Standby-Ersparnis allein selten einen vorzeitigen Neukauf, weil die Herstellung des neuen Geräts selbst Energie kostet. Eine grobe Abschätzung, ab wann sich ein Austausch energetisch lohnt, lässt sich mit den Rechnern in den Webtools anstellen.
Häufige Fragen
Wie viel macht Standby an der gesamten Stromrechnung aus?
In einem durchschnittlichen Haushalt sind es grob 5 bis 10 Prozent des Stromverbrauchs, was je nach Haushalt 60 bis 150 Euro im Jahr entspricht. Der Großteil davon stammt meist von wenigen Geräten mit hohem Ruheverbrauch, während viele moderne Geräte dank EU-Vorgaben kaum noch ins Gewicht fallen.
Schadet es Geräten, sie ständig komplett vom Netz zu trennen?
Bei den meisten Unterhaltungs- und Bürogeräten ist das unbedenklich. Einige Geräte verlieren allerdings Einstellungen oder müssen nach dem Einschalten neu booten und initialisieren. Empfindliche Elektronik oder Geräte mit Firmware-Updates über Nacht sollte man nicht hart trennen. Im Zweifel ist eine Master-Slave-Leiste die schonendere Lösung.
Lohnt sich das Standby-Sparen überhaupt noch?
Bei wenigen modernen Geräten kaum, bei vielen Geräten oder einzelnen Altlasten mit hohem Ruheverbrauch durchaus. Der Schlüssel ist Messen statt pauschal Abschalten. Wer die zwei oder drei größten Phantomlasten findet und konsequent trennt, holt den Löwenanteil der möglichen Ersparnis mit minimalem Aufwand.
Wie erkenne ich ein Gerät mit hohem Standby?
Oft an einer dauerhaft leuchtenden Anzeige, einem ständig warmen Netzteil oder einer Uhrzeit, die rund um die Uhr läuft. Sicherheit gibt nur eine Messung mit einem Steckdosenmessgerät. Geräte über etwa 3 Watt Standby sind klare Kandidaten für eine schaltbare Steckdosenleiste.
Zieht ein Ladegerät ohne Handy wirklich Strom?
Ja, wenn auch wenig. Ein modernes Steckernetzteil verbraucht im Leerlauf meist nur Bruchteile eines Watts, ältere Modelle deutlich mehr. Einzeln ist das vernachlässigbar, doch über viele dauerhaft eingesteckte Netzteile summiert es sich. Wer sie nach dem Laden zieht oder an eine schaltbare Leiste hängt, vermeidet diesen stillen Verbrauch.
Lohnt es sich, ein altes Gerät wegen des Standby zu ersetzen?
Selten allein deswegen. Ein nach aktuellen EU-Vorgaben gebautes Gerät verbraucht im Ruhezustand kaum noch etwas, doch die Herstellung eines Neugeräts kostet selbst Energie. Steht ein Austausch ohnehin an, ist die Standby-Ersparnis ein schöner Nebeneffekt – ein vorzeitiger Neukauf nur fürs Standby-Sparen rechnet sich dagegen meist nicht.