Stromfresser finden: Grundlast aufspüren und senken

Wenn die Stromrechnung höher ausfällt als erwartet, liegt das selten an einer einzelnen großen Sünde. Meist sind es mehrere kleine, ständig laufende Verbraucher, die zusammen einen erstaunlich großen Sockel bilden. Diesen Sockel nennt man Grundlast: die Leistung, die Ihr Haushalt rund um die Uhr zieht, auch wenn niemand aktiv etwas benutzt. Wer die Grundlast kennt und gezielt senkt, spart das ganze Jahr über, ohne im Alltag etwas zu vermissen.

Was Grundlast bedeutet und warum sie so teuer ist

Grundlast ist tückisch, weil sie 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr anfällt. Eine Dauerleistung von nur 50 Watt summiert sich über das Jahr auf rund 438 Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von 33 Cent sind das etwa 145 Euro, die verschwinden, ohne dass jemand bewusst etwas nutzt. Liegt Ihre Grundlast bei 150 Watt, was in vielen Haushalten mit viel Elektronik gar nicht ungewöhnlich ist, reden wir bereits über mehr als 400 Euro im Jahr allein für den Leerlauf.

Die einzelne Kilowattstunde im Dauerbetrieb ist dieselbe wie jede andere. Was Dauerverbraucher so kostspielig macht, ist die schiere Zahl der Stunden. Genau deshalb lohnt es sich, die Grundlast als Erstes ins Visier zu nehmen.

Die Grundlast messen

Es gibt zwei einfache Wege, die eigene Grundlast zu bestimmen:

  1. Über den Zähler: Schalten Sie abends alle bewusst genutzten Geräte aus und lesen Sie den Zählerstand ab. Eine Stunde später erneut ablesen und die Differenz auf Watt hochrechnen. Bei einem digitalen Zähler zeigt das Display oft direkt die aktuelle Momentanleistung in Watt an.
  2. Mit einem Steckdosenmessgerät: Für unter 20 Euro erhältlich. Es misst den Verbrauch einzelner Geräte oder ganzer Steckdosenleisten und zeigt auch sehr kleine Dauerleistungen an.

Eine gesunde Grundlast für einen normalen Haushalt liegt grob bei 30 bis 80 Watt. Liegen Sie deutlich darüber, lohnt die Suche nach den Verursachern.

Die häufigsten versteckten Dauerverbraucher

Folgende Geräte ziehen oft rund um die Uhr Strom, ohne dass es auffällt:

Um abzuschätzen, was ein einzelner Verdächtiger im Jahr kostet, hilft unser Stromfresser- und Standby-Rechner: Sie tragen die gemessene Leistung, die tägliche Betriebszeit und den Standby-Wert ein und sehen die Jahreskosten sowie den Anteil an Ihrer gesamten Stromrechnung.

Systematisch vorgehen statt raten

Die effektivste Methode ist das schrittweise Abschalten. Notieren Sie die Grundlast am Zähler und schalten Sie dann einzelne Sicherungskreise oder Geräte nacheinander ab. Sinkt die Momentanleistung deutlich, haben Sie einen Übeltäter gefunden. So entlarven Sie auch fest verbaute Verbraucher, an die ein Steckdosenmessgerät nicht herankommt, etwa eine Lüftungsanlage, eine Fußbodenheizungssteuerung oder eben die Heizungspumpe.

Maßnahmen gegen hohe Grundlast

Abschaltbare Steckdosenleisten

Geräte, die nur zeitweise gebraucht werden, gehören auf eine schaltbare Leiste: Fernseher samt Soundbar und Konsole, der Arbeitsplatz mit Monitor und Drucker, die Kaffeemaschine mit Dauer-Display. Ein Klick trennt alles wirklich vom Netz, statt es im Standby weiterlaufen zu lassen.

Alte Heizungspumpe tauschen

Eine alte, ungeregelte Umwälzpumpe kann allein 400 bis 600 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen. Eine moderne Hocheffizienzpumpe braucht nur einen Bruchteil und amortisiert sich oft schon nach wenigen Jahren. Das ist einer der größten unterschätzten Hebel überhaupt.

Zweitgeräte hinterfragen

Der alte Kühlschrank im Keller, der nur für Getränke an Feiertagen läuft, kostet das ganze Jahr Strom. Oft lohnt es sich, ihn abzuschalten und nur bei Bedarf einzuschalten oder ganz auszumustern.

Dranbleiben lohnt sich

Eine einmal gesenkte Grundlast wirkt dauerhaft. Wer seine Grundlast von 150 auf 60 Watt drückt, spart bei 33 Cent pro Kilowattstunde rund 260 Euro im Jahr, Jahr für Jahr. Behalten Sie den Zählerstand oder die Smart-Meter-Anzeige im Blick, um schleichende Anstiege früh zu erkennen. Weitere Energie- und Kostenrechner finden Sie in den Webtools, und passende Artikel zum Senken von Standby und zur Strompreis-Zusammensetzung in den News.

Häufige Fragen

Was ist eine normale Grundlast für einen Haushalt?

Für einen durchschnittlichen Haushalt sind etwa 30 bis 80 Watt Dauerlast normal. Werte deutlich über 100 Watt deuten auf vermeidbare Dauerverbraucher hin, etwa alte Pumpen, viele Standby-Geräte oder vergessene Zweitkühlgeräte. Die Grundlast lässt sich am einfachsten messen, indem man nachts alle aktiv genutzten Geräte ausschaltet und die verbleibende Leistung am Zähler abliest.

Wie finde ich heraus, welches Gerät der Stromfresser ist?

Am zuverlässigsten durch schrittweises Abschalten und Beobachten der Momentanleistung am digitalen Zähler. Für Geräte mit Stecker eignet sich ein Steckdosenmessgerät. Fest verbaute Verbraucher wie Heizungspumpen oder Lüftungsanlagen identifizieren Sie, indem Sie einzelne Sicherungskreise abschalten und die Differenz messen.

Lohnt sich der Tausch der Heizungspumpe wirklich?

Bei einer alten, ungeregelten Pumpe fast immer. Der Unterschied im Verbrauch zwischen einer alten und einer modernen Hocheffizienzpumpe ist groß, oft mehrere hundert Kilowattstunden im Jahr. Da die Pumpe rund um die Uhr läuft, amortisiert sich die Investition meist innerhalb weniger Jahre.

Macht der Router als Dauerverbraucher viel aus?

Ein einzelner Router mit 10 Watt kostet bei 33 Cent etwa 29 Euro im Jahr. Das ist überschaubar, aber zusammen mit Repeatern, Switch und Netzwerkspeicher kommt schnell ein dreistelliger Betrag zusammen. Wer Netzwerktechnik nachts nicht braucht, kann sie per Zeitschaltuhr abschalten, sollte aber prüfen, ob Telefonie oder Smart-Home-Funktionen darunter leiden.