Wenn der Strompreis steigt, denken viele zuerst an gierige Versorger. Tatsächlich ist der Preis, den Sie pro Kilowattstunde zahlen, ein Bündel aus sehr unterschiedlichen Bestandteilen, und der reine Energiepreis ist nur einer davon. Wer versteht, woraus sich der Preis zusammensetzt, erkennt auch, wo überhaupt Spielraum zum Sparen besteht und wo nicht. Dieser Artikel zerlegt den Haushaltsstrompreis 2026 in seine Bausteine.
Die drei großen Blöcke
Vereinfacht besteht der Strompreis aus drei Hauptblöcken:
- Energiebeschaffung und Vertrieb: der Anteil, den der Anbieter für den eingekauften Strom und seine eigene Marge berechnet. Das ist der einzige Block, der zwischen den Anbietern wirklich frei verhandelbar ist.
- Netzentgelte: die Gebühr für die Nutzung der Strominfrastruktur, also Übertragungs- und Verteilnetze, plus Messstellenbetrieb. Diese werden reguliert und unterscheiden sich je nach Region erheblich.
- Steuern, Abgaben und Umlagen: staatlich festgelegte Bestandteile, auf die weder Sie noch der Anbieter Einfluss haben.
In der Summe machen die staatlich oder regulatorisch bedingten Bestandteile, also Netzentgelte plus Steuern und Abgaben, oft die Hälfte oder mehr des Endpreises aus. Der frei beeinflussbare Energieanteil ist kleiner, als die meisten denken.
Was im Steuer- und Abgabenblock steckt
Zu den staatlichen Bestandteilen gehören 2026 insbesondere:
- Stromsteuer: eine bundesweit einheitliche Verbrauchsteuer pro Kilowattstunde.
- Mehrwertsteuer: der reguläre Satz von 19 Prozent, der auf den gesamten Strompreis erhoben wird, also auch auf alle anderen Bestandteile.
- Konzessionsabgabe: ein Entgelt der Versorger an die Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege.
- Weitere Umlagen für bestimmte Netz- und Systemkosten, deren Höhe sich jährlich ändern kann.
Wichtig: Die einst bekannte EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird seit Mitte 2022 nicht mehr über den Strompreis erhoben, sondern aus anderen Quellen finanziert. Wer also noch von der EEG-Umlage auf der Rechnung ausgeht, hat einen veralteten Stand. Die genauen Beträge der einzelnen Umlagen sollten Sie auf Ihrer aktuellen Rechnung oder bei der Bundesnetzagentur prüfen, da sie sich regelmäßig ändern.
Warum Netzentgelte so unterschiedlich sind
Die Netzentgelte sind nicht bundesweit gleich. Sie hängen vom jeweiligen Verteilnetzbetreiber ab. In Regionen mit viel dezentraler Einspeisung und hohem Netzausbaubedarf, etwa in Teilen Norddeutschlands mit viel Windkraft, sind die Netzentgelte teils höher als anderswo, weil der Ausbau dort teuer ist. Ab 2025 gibt es allerdings Mechanismen, um besonders stark belastete Netzgebiete zu entlasten und die Kosten gerechter zu verteilen. Für Sie als Verbraucher bedeutet das: Selbst bei identischem Energiepreis kann Ihr Endpreis je nach Wohnort abweichen.
Wo Sie tatsächlich sparen können
Aus der Zerlegung folgt direkt, wo Sparen möglich ist und wo nicht:
- Energieanteil: beeinflussbar durch Anbieterwechsel und Tarifvergleich. Hier liegt der Hebel beim Preis.
- Netzentgelte: kaum direkt beeinflussbar, aber durch Paragraf 14a und zeitvariable Netzentgelte für steuerbare Verbraucher reduzierbar.
- Steuern und Abgaben: nicht beeinflussbar, sie fallen pro Kilowattstunde an.
- Die Menge: der wirksamste Hebel überhaupt. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde spart alle Bestandteile auf einmal.
Genau deshalb ist das Senken des Verbrauchs so effektiv: Es reduziert nicht nur den Energieanteil, sondern auch alle anteilig pro Kilowattstunde anfallenden Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Wie viel einzelne Geräte zu Ihrem Verbrauch beitragen, zeigt der Stromfresser-Rechner in unseren Webtools.
Grundpreis und Arbeitspreis auf der Rechnung
Auf Ihrer Stromrechnung erscheinen die obigen Blöcke meist gebündelt in zwei Posten: dem Grundpreis, einem festen jährlichen Betrag, und dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Der Grundpreis deckt unter anderem Mess- und Abrechnungskosten ab und fällt unabhängig vom Verbrauch an. Deshalb ist er bei niedrigem Verbrauch besonders relevant: Wer wenig verbraucht, sollte auf einen niedrigen Grundpreis achten, während bei hohem Verbrauch der Arbeitspreis dominiert.
Fazit
Der Strompreis ist kein einzelner, frei gesetzter Betrag, sondern ein Bündel aus Energie, regulierten Netzentgelten und staatlichen Abgaben. Beeinflussen können Sie vor allem den Energieanteil über den Tarif und, mit steuerbaren Verbrauchern, einen Teil der Netzentgelte. Den größten und verlässlichsten Hebel haben Sie aber über die verbrauchte Menge. Vertiefende Artikel zu dynamischen Tarifen, Anbieterwechsel und Paragraf 14a finden Sie in den News.
Häufige Fragen
Welcher Anteil des Strompreises ist beeinflussbar?
Frei beeinflussbar ist im Wesentlichen nur der Energie- und Vertriebsanteil, also der Teil, der zwischen den Anbietern variiert. Netzentgelte sind reguliert und nur über Paragraf 14a teilweise reduzierbar, Steuern und Abgaben sind fix. In Summe ist oft die Hälfte oder mehr des Preises nicht durch einen Anbieterwechsel veränderbar.
Gibt es die EEG-Umlage noch auf der Stromrechnung?
Nein. Die EEG-Umlage wird seit Mitte 2022 nicht mehr über den Strompreis erhoben, sondern anderweitig finanziert. Wer die EEG-Umlage noch als Posten erwartet, hat einen veralteten Stand. Andere Umlagen für Netz- und Systemkosten können dagegen weiterhin auf der Rechnung erscheinen.
Warum zahlt mein Nachbar in einer anderen Region weniger?
Vor allem wegen unterschiedlicher Netzentgelte. Diese hängen vom örtlichen Netzbetreiber und dem Ausbaubedarf ab und können regional stark abweichen. Selbst bei identischem Energiepreis kann der Endpreis je nach Wohnort verschieden sein. Ab 2025 gibt es Mechanismen, um besonders belastete Netzgebiete etwas zu entlasten.
Lohnt sich Sparen, wenn die Hälfte des Preises fix ist?
Gerade dann. Weil Steuern, Abgaben und Netzentgelte anteilig pro Kilowattstunde anfallen, spart jede eingesparte Kilowattstunde den vollen Endpreis, nicht nur den Energieanteil. Das macht das Senken des Verbrauchs zum wirksamsten Sparhebel, ergänzt durch einen günstigen Tarif für den beeinflussbaren Energieanteil.