Wer eine Stunde Arbeit verkauft, muss wissen, was diese Stunde im Betrieb wirklich kostet – sonst arbeitet man im schlimmsten Fall mit Verlust. Der Stundenverrechnungssatz (auch Verrechnungsstundensatz genannt) ist genau dafür gemacht: Er übersetzt alle Kosten und die gewünschte Marge in den Preis, den du pro produktiver Stunde abrechnen musst. Dieser Ratgeber zeigt, wie du ihn sauber kalkulierst.
Was ist der Stundenverrechnungssatz?
Der Stundenverrechnungssatz ist der Betrag, den du einem Kunden pro geleisteter Arbeitsstunde in Rechnung stellst, damit alle Kosten gedeckt sind und der gewünschte Gewinn entsteht. Er ist deutlich höher als der reine Stundenlohn eines Mitarbeitenden – denn er muss neben dem Lohn auch Lohnnebenkosten, Gemeinkosten, unproduktive Zeiten und die Gewinnmarge mittragen.
Diese Verwechslung ist der häufigste und teuerste Fehler: Wer 25 Euro Lohn zahlt und 35 Euro abrechnet, macht früher oder später Verlust, weil die Gemeinkosten fehlen.
Die Bausteine der Kalkulation
Ein belastbarer Stundenverrechnungssatz setzt sich aus mehreren Schichten zusammen:
- Direkte Personalkosten: Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
- Gemeinkosten: Miete, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherungen, Verwaltung, Software – anteilig auf jede produktive Stunde umgelegt.
- Produktive Stunden: nur die Zeit, die du tatsächlich abrechnen kannst – nach Abzug von Urlaub, Krankheit, Weiterbildung und Leerlauf.
- Zielmarge: der prozentuale Gewinnaufschlag, den du am Ende erzielen willst.
Die Formel
Vereinfacht ergibt sich der Satz so:
- Kostendeckender Satz = (Gesamtkosten pro Jahr) ÷ (produktive Stunden pro Jahr)
- Stundenverrechnungssatz = kostendeckender Satz × (1 + Zielmarge in %)
Beispiel: Deine jährlichen Gesamtkosten für eine Fachkraft betragen 78.000 Euro, abrechenbar sind 1.300 produktive Stunden im Jahr. Der kostendeckende Satz liegt bei 78.000 ÷ 1.300 = 60 Euro. Mit einer Zielmarge von 20 % ergibt sich ein Stundenverrechnungssatz von 60 × 1,20 = 72 Euro. Den ganzen Rechenweg übernimmt der Stundenverrechnungssatz Rechner – du gibst Kosten, produktive Stunden und Zielmarge ein und erhältst den fertigen Satz.
Der unterschätzte Hebel: produktive Stunden
Viele kalkulieren mit den vollen Jahresarbeitsstunden – ein gravierender Fehler. Von rund 2.080 theoretischen Jahresstunden (40 h × 52 Wochen) bleiben nach Urlaub, Feiertagen, Krankheit, Weiterbildung, Angebotserstellung, Fahrzeiten und Leerlauf oft nur 1.200 bis 1.400 wirklich abrechenbare Stunden übrig. Wer mit zu vielen produktiven Stunden rechnet, setzt seinen Satz systematisch zu niedrig an. Wie hoch dein abrechenbarer Anteil ist, kannst du mit dem Kapazität Auslastung Rechner prüfen.
Marge ist kein Aufschlag auf den Lohn
Die Zielmarge bezieht sich auf die Gesamtkosten, nicht auf den Lohn. Sie ist deine Risikoprämie und dein Unternehmerlohn – sie finanziert Investitionen, Rücklagen für schlechte Zeiten und das unternehmerische Risiko. Eine Marge von 10–20 % ist in vielen Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben üblich. Zu knapp kalkuliert bedeutet, dass schon ein einziger Ausfall oder eine Fehlkalkulation das Jahresergebnis kippt.
Typische Fehler vermeiden
- Gemeinkosten vergessen: Büro, Buchhaltung und Werkzeug verschwinden gern in der Kalkulation – und fehlen dann im Ergebnis.
- Mit Bruttolohn statt Vollkosten rechnen: Die Arbeitgeberanteile machen rund 20 % obendrauf aus.
- Den Markt ignorieren: Der kalkulierte Satz ist die Untergrenze – was der Markt zahlt, kann höher liegen und sollte nicht verschenkt werden.
Fazit
Der Stundenverrechnungssatz ist die Grundlage jeder seriösen Angebotskalkulation im Dienstleistungs- und Handwerksbereich. Entscheidend sind ehrliche Vollkosten, realistische produktive Stunden und eine auskömmliche Marge. Rechne deinen Satz mit dem Stundenverrechnungssatz Rechner aus und gleiche ihn anschließend über den Zielumsatz Rechner mit deinem Jahresziel ab. Weitere Kalkulationshelfer gibt es unter kotsch.tech/webtools.