Bei einem Darlehen zahlst du jeden Monat eine feste Rate – doch nur ein Teil davon verringert tatsächlich deine Schulden. Der andere Teil sind Zinsen. Wie sich beide Anteile aufteilen und warum sich das Verhältnis über die Jahre verschiebt, ist der Schlüssel zum Verständnis jeder Finanzierung. Mit dem Tilgungsrechner siehst du Zinsanteil, Tilgungsanteil und Restschuld auf einen Blick, hier erfährst du, wie das funktioniert.
Zinsanteil und Tilgungsanteil
Jede Rate eines Annuitätendarlehens besteht aus zwei Teilen. Der Zinsanteil wird auf die aktuelle Restschuld berechnet, der Tilgungsanteil ist der Rest der Rate und reduziert die Schuld. Da die Rate konstant bleibt, die Restschuld aber sinkt, fällt der Zinsanteil mit jeder Zahlung – und der Tilgungsanteil wächst entsprechend. Dieser Effekt beschleunigt den Schuldenabbau gegen Ende der Laufzeit deutlich.
Die anfängliche Tilgung
Bei der Baufinanzierung gibt man statt der Laufzeit oft die anfängliche Tilgung an, etwa 2 oder 3 Prozent. Sie beschreibt, welcher Anteil der Darlehenssumme im ersten Jahr getilgt wird. Eine höhere anfängliche Tilgung bedeutet eine höhere Rate, aber eine deutlich kürzere Laufzeit und weniger Zinskosten. Bei niedrigen Zinsen ist eine höhere Tilgung besonders sinnvoll, weil die Schuld sonst nur langsam sinkt.
So berechnest du den ersten Monat
- Zins pro Monat = Restschuld × (Jahreszins / 12)
- Tilgung pro Monat = Rate − Zins pro Monat
- Neue Restschuld = Restschuld − Tilgung
Beispiel: 200.000 Euro Darlehen, 4 Prozent Zins, 2 Prozent anfängliche Tilgung. Die jährliche Rate beträgt 6 Prozent von 200.000 Euro, also 12.000 Euro oder 1.000 Euro im Monat. Im ersten Monat entfallen davon rund 667 Euro auf Zinsen und 333 Euro auf die Tilgung. Schon im nächsten Monat verschiebt sich das Verhältnis minimal zugunsten der Tilgung. Der Tilgungsrechner führt diese Schritte für den ganzen Plan automatisch aus.
Der Tilgungsplan
Ein vollständiger Tilgungsplan listet für jede Periode Rate, Zinsanteil, Tilgungsanteil und Restschuld auf. Er zeigt eindrucksvoll, wie träge ein Darlehen am Anfang abgebaut wird: Bei 2 Prozent Tilgung und 4 Prozent Zins dauert es über 25 Jahre, bis die Schuld getilgt ist. Wer den Plan kennt, trifft bewusstere Entscheidungen zu Tilgungshöhe und Sondertilgungen.
Sollzinsbindung und Restschuld
In Deutschland wird der Zins meist nur für eine bestimmte Zeit festgeschrieben, etwa 10 oder 15 Jahre – die Sollzinsbindung. Danach bleibt eine Restschuld, die zu den dann gültigen Konditionen neu finanziert werden muss. Genau hier liegt das Zinsänderungsrisiko: Sind die Zinsen gestiegen, wird die Anschlussfinanzierung teurer. Eine höhere anfängliche Tilgung verringert dieses Risiko, weil die Restschuld kleiner ausfällt.
Sondertilgung als Beschleuniger
Eine Sondertilgung fließt zu 100 Prozent in die Schuld, ohne Zinsanteil. Dadurch wirkt sie überproportional: Sie spart nicht nur die getilgte Summe, sondern auch alle Zinsen, die darauf bis zum Laufzeitende angefallen wären. Schon eine jährliche Sondertilgung von wenigen Tausend Euro kann die Gesamtlaufzeit um mehrere Jahre verkürzen.
Fazit
Tilgung ist der eigentliche Motor jeder Finanzierung. Wer versteht, dass der Zinsanteil mit sinkender Restschuld fällt und der Tilgungsanteil dadurch immer schneller wächst, kann Laufzeit und Kosten gezielt steuern. Spiele verschiedene Tilgungssätze durch und vergleiche sie mit dem Kreditrechner oder weiteren Finanztools in den Webtools – die Unterschiede über 20 Jahre sind oft größer, als man denkt.