Sinus, Kosinus, Tangens: Trigonometrie verständlich erklärt

Sinus, Kosinus und Tangens klingen nach trockener Schulmathematik – dabei stecken sie hinter fast jeder Technik, die mit Winkeln, Wellen oder Entfernungen zu tun hat. Von der Vermessung eines Daches über die GPS-Ortung bis zur Signalverarbeitung: Die Trigonometrie verbindet Winkel mit Längenverhältnissen. Dieser Artikel erklärt die drei Grundfunktionen am rechtwinkligen Dreieck, die berühmte Eselsbrücke und den Unterschied zwischen Grad und Radiant.

Die drei Grundfunktionen am Dreieck

Alles beginnt am rechtwinkligen Dreieck. Betrachtest du einen der spitzen Winkel, unterscheidest du drei Seiten: die Hypotenuse (die längste Seite gegenüber dem rechten Winkel), die Gegenkathete (die dem Winkel gegenüberliegende Seite) und die Ankathete (die am Winkel anliegende Seite). Die drei Funktionen sind nichts anderes als feste Verhältnisse dieser Seiten:

Diese Verhältnisse hängen nur vom Winkel ab, nicht von der Größe des Dreiecks. Den genauen Zahlenwert für einen bestimmten Winkel liefert dir der Trigonometrie Rechner, der Sinus, Kosinus und Tangens auf einmal ausgibt.

SOHCAHTOA: Die Eselsbrücke

Damit du die Zuordnung nicht verwechselst, gibt es die englische Merkhilfe SOHCAHTOA:

Im Deutschen hilft alternativ: "Gegenkathete durch Hypotenuse ist der Sinus". Wer die Logik einmal verstanden hat, braucht die Merkhilfe nicht mehr.

Grad oder Radiant?

Winkel kann man auf zwei Arten angeben. Das vertraute Gradmaß teilt den Vollkreis in 360°. Das Bogenmaß (Radiant) misst den Winkel über die Länge des zugehörigen Kreisbogens; ein Vollkreis entspricht 2π Radiant. Die Umrechnung lautet: 180° = π rad. In der höheren Mathematik und in der Programmierung wird fast immer im Bogenmaß gerechnet – die Trigonometriefunktionen in Programmiersprachen erwarten in der Regel Radiant. Achte deshalb genau darauf, welche Einheit dein Werkzeug verwendet, sonst sind die Ergebnisse falsch. Brauchst du eine reine Umrechnung, hilft der Winkel Umrechner.

Wozu Trigonometrie im Alltag?

Die Anwendungsbreite ist enorm. Mit Sinus und Kosinus berechnet man die Höhe eines Baumes aus Schattenlänge und Sonnenstand, die Steigung einer Rampe, die Kräfte an einer schiefen Ebene oder die Position eines Punktes auf der Erde. In der Technik beschreiben Sinusfunktionen Schwingungen und Wellen – von Wechselstrom über Schall bis zu Funksignalen. Selbst die Computergrafik dreht Objekte mithilfe von Sinus und Kosinus.

Wenn du im rechtwinkligen Dreieck statt der Funktionswerte konkrete Seitenlängen oder Winkel suchst, ist der Dreieck Rechner die passende Ergänzung. Eine Übersicht aller Mathe-Helfer findest du unter webtools.

Die Umkehrfunktionen

Oft kennst du das Seitenverhältnis und suchst den Winkel. Dafür gibt es die Umkehrfunktionen Arkussinus (sin−1 bzw. arcsin), Arkuskosinus (arccos) und Arkustangens (arctan). Hast du etwa eine Rampe mit 1 m Höhe auf 5 m Länge, ergibt arctan(1/5) ≈ 11,3° den Steigungswinkel. So schließt sich der Kreis: Vom Winkel kommst du zum Verhältnis und vom Verhältnis wieder zurück zum Winkel.

Häufige Fragen

Warum sind Sinus und Kosinus nie größer als 1?

Weil sie ein Verhältnis zur Hypotenuse bilden und die Hypotenuse immer die längste Seite im rechtwinkligen Dreieck ist. Gegen- und Ankathete sind also nie länger als die Hypotenuse, weshalb der Wert zwischen −1 und 1 liegt.

Was ist der Unterschied zwischen Grad und Radiant?

Beides misst Winkel. Grad teilt den Vollkreis in 360 Teile, Radiant misst über die Bogenlänge, wobei der Vollkreis 2π entspricht. 180° sind genau π Radiant.

Gelten Sinus und Kosinus nur am rechtwinkligen Dreieck?

Die Definition über Seitenverhältnisse gilt am rechtwinkligen Dreieck. Über den Einheitskreis lassen sich die Funktionen aber auf beliebige Winkel erweitern – das ist die Grundlage für Schwingungen und Wellen.