Länger arbeiten als vertraglich vereinbart – das kennen viele. Doch was ist eine Überstunde überhaupt, wie wird sie vergütet und wann steht dir ein Zuschlag zu? Rund um Überstunden gibt es viele Halbwahrheiten. Dieser Ratgeber bringt Klarheit in die Berechnung und die wichtigsten Regeln.
Überstunden, Mehrarbeit – wo ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft vermischt, meinen aber nicht dasselbe. Überstunden sind Arbeitsstunden, die über die individuell vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Mehrarbeit im engeren Sinne bezeichnet die Überschreitung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit nach dem Arbeitszeitgesetz. Für die Praxis entscheidend ist meist die Überschreitung deiner persönlichen Sollarbeitszeit.
So berechnest du Überstunden
Die Grundrechnung ist einfach. Du brauchst zunächst deinen Stundenlohn, der sich aus dem Monatsgehalt und den vertraglichen Wochenstunden ergibt. Anschließend multiplizierst du die geleisteten Überstunden mit diesem Stundenlohn – plus einem eventuellen Zuschlag:
- Stundenlohn = Monatsgehalt / (Wochenstunden × 4,33)
- Überstundenvergütung = Überstunden × Stundenlohn × (1 + Zuschlag in %)
- Beispiel: 12 Überstunden × 22 € × 1,25 (25 % Zuschlag) = 330 €
Genau diese Rechnung inklusive Zuschlag nimmt dir der Überstunden Rechner ab: Stunden, Stundenlohn und Zuschlag eintragen, fertig. Deinen reinen Stundenlohn aus dem Monatsgehalt ermittelst du vorab bequem mit dem Stundenlohn Rechner.
Gibt es einen gesetzlichen Zuschlag?
Ein weit verbreiteter Irrtum: Ein gesetzlicher Anspruch auf einen Überstundenzuschlag besteht in Deutschland grundsätzlich nicht. Ob und in welcher Höhe ein Zuschlag gezahlt wird, ergibt sich aus:
- Tarifvertrag – oft 25 % oder mehr, je nach Branche und Tageszeit
- Betriebsvereinbarung
- Arbeitsvertrag
Ohne eine solche Regelung werden Überstunden in der Regel mit dem normalen Stundenlohn vergütet. Höhere Zuschläge sind typisch für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit.
Auszahlung oder Freizeitausgleich?
Überstunden müssen nicht zwingend ausgezahlt werden. Viele Arbeitgeber bieten Freizeitausgleich an – du baust die Mehrstunden später durch freie Zeit wieder ab. Was gilt, regelt der Arbeitsvertrag oder die Betriebsvereinbarung. In beiden Fällen ist es wichtig, dass die Stunden sauber erfasst werden.
Grenzen und Dokumentation
Das Arbeitszeitgesetz setzt Grenzen: Die werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten, im Ausnahmefall zehn Stunden, sofern der Durchschnitt eingehalten wird. Ruhezeiten von mindestens elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen sind einzuhalten. Wichtig für dich: Dokumentiere deine Überstunden lückenlos. Im Streitfall musst du nachweisen, dass die Stunden angefallen sind und vom Arbeitgeber angeordnet oder geduldet wurden.
Pauschalklauseln wie „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" sind nicht unbegrenzt wirksam – sehr weitreichende Klauseln gelten häufig als unklar und damit unwirksam. Weitere Rechner rund um Arbeit, Gehalt und Zeit findest du in den kotsch.tech Webtools. Mit einer korrekten Berechnung und sauberer Erfassung weißt du jederzeit, was dir für deine Mehrarbeit tatsächlich zusteht.