Ventoy – Multi-Boot USB-Stick: Mehrere ISOs auf einem Stick

Ventoy – Multi-Boot USB-Stick: Mehrere ISOs auf einem Stick

Wer regelmäßig Betriebssysteme installiert, IT-Systeme wartet oder eine Sammlung nützlicher Live-Systeme parat haben möchte, stößt mit klassischen Tools wie Rufus schnell an Grenzen: Für jede neue ISO muss der Stick neu geflasht werden. Ventoy löst dieses Problem auf elegante Weise. Der USB-Stick wird einmalig mit Ventoy vorbereitet, danach genügt es, ISO-Dateien einfach auf den Stick zu kopieren – beim Booten erscheint automatisch ein Auswahlmenü.

Was macht Ventoy besonders?

Das Prinzip hinter Ventoy ist so simpel wie wirkungsvoll: Ventoy installiert einen schlanken Bootloader auf dem USB-Stick und legt eine große Datenpartition an. Auf dieser Partition lassen sich ISO-Dateien ablegen wie auf einem normalen Laufwerk – per Drag & Drop im Windows-Explorer oder cp auf der Linux-Kommandozeile. Beim nächsten Boot liest Ventoy alle ISOs auf dem Stick ein und zeigt ein übersichtliches Auswahlmenü. Kein erneutes Flashen, kein Warten auf lange Schreibvorgänge für jedes neue Image.

Ventoy unterstützt laut eigener Dokumentation über 1.000 verschiedene ISO-Images und wird aktiv weiterentwickelt. Das Projekt ist auf GitHub vollständig quelloffen.

Ventoy auf einem USB-Stick installieren

Die Installation von Ventoy selbst ist ein einmaliger Vorgang und dauert nur wenige Minuten:

  1. Aktuelle Version von der offiziellen Ventoy-Website herunterladen (ZIP-Archiv für Windows).
  2. ZIP entpacken und Ventoy2Disk.exe als Administrator starten.
  3. Den Ziel-USB-Stick im Dropdown auswählen. Alle Daten auf dem Stick werden gelöscht!
  4. Unter „Option" kann zwischen MBR und GPT gewählt werden – für moderne PCs empfiehlt sich GPT.
  5. Auf „Installieren" klicken und den Vorgang bestätigen.

Nach der Installation erscheint der Stick im Windows-Explorer als normale Partition. Diese ist jetzt bereit, ISO-Dateien aufzunehmen.

ISOs hinzufügen: Windows 11, Ubuntu, Kali und mehr

Das Hinzufügen neuer Betriebssysteme ist denkbar einfach: ISO-Datei herunterladen und direkt in das Hauptverzeichnis des Ventoy-Sticks kopieren. Zur Übersicht lassen sich auch Unterordner anlegen – Ventoy durchsucht rekursiv alle Verzeichnisse nach ISO-Dateien.

Beliebte Kombinationen für einen IT-Toolkit-Stick:

Tipp: Lege auf dem Ventoy-Stick einen Ordner namens ISOs an und organisiere die Images in Unterordnern (z. B. Windows, Linux, Rescue). Ventoy findet sie trotzdem – und du behältst den Überblick auf einem 64-GB-Stick mit einem Dutzend Images.

Boot-Menü anpassen

Das Standard-Boot-Menü von Ventoy ist schlicht, aber funktional. Mit der Ventoy JSON-Konfiguration lässt es sich individuell anpassen: Hintergrundbilder, Themes im GRUB-Stil und eine benutzerdefinierte Reihenfolge der Einträge sind möglich. Die Konfigurationsdatei ventoy.json wird im Ordner /ventoy/ auf dem Stick abgelegt.

Secure-Boot-Unterstützung

Secure Boot ist bei modernen Windows-11-Systemen standardmäßig aktiviert und kann das Booten nicht signierter Medien verhindern. Ventoy unterstützt Secure Boot über einen integrierten Mechanismus: Beim ersten Start von einem Ventoy-Stick auf einem Secure-Boot-System erscheint ein Einrichtungsdialog, der die Ventoy-Schlüssel im UEFI-Schlüsselspeicher einträgt (Enroll Key). Danach startet Ventoy auch mit aktiviertem Secure Boot problemlos.

Persistenter Speicher für Linux

Viele Linux-Live-Systeme unterstützen Persistenz – das bedeutet, Änderungen (installierte Programme, gespeicherte Dateien, Einstellungen) bleiben auch nach einem Neustart erhalten, obwohl das System vom USB-Stick läuft. Ventoy unterstützt Persistenz für eine Vielzahl von Distributionen wie Ubuntu, MX Linux und Debian. Dazu wird eine sogenannte Persistence-Datei auf dem Stick angelegt, deren Größe sich beim Erstellen festlegen lässt.

Warnung: Die initiale Installation von Ventoy auf den USB-Stick löscht alle vorhandenen Daten unwiderruflich. Vorhandene Dateien vorher sichern! Nach der Installation können Daten und ISOs problemlos auf dem Stick koexistieren – aber der erste Installationsschritt ist destruktiv.

Ventoy vs. Rufus vs. YUMI – Vergleich

Merkmal Ventoy Rufus YUMI
Multi-Boot Ja (beliebig viele ISOs) Nein Ja (begrenzt)
ISO-Aktualisierung Einfach (kopieren/löschen) Stick muss neu geflasht werden Manuell, teils aufwendig
Windows-11-Tweaks Nein Ja (TPM-Check deaktivieren) Nein
Secure Boot Ja (mit Key-Enrollment) Ja Eingeschränkt
Persistenz (Linux) Ja Nein Ja (ausgewählte Distros)
Betriebssystem Windows, Linux Nur Windows Windows
Unterstützte ISOs 1.000+ Alle gängigen Begrenzte Liste

ISOs aktuell halten

Ein Vorteil von Ventoy zeigt sich besonders beim Aktualisieren der Images: Statt den Stick komplett neu zu flashen, wird die alte ISO-Datei einfach gelöscht und die neue Datei kopiert. Das dauert nur so lange wie der eigentliche Kopiervorgang – keine Minutenlange Formatierung und kein erneutes Schreiben des Bootloaders.

Anwendungsfälle

Ventoy eignet sich besonders für folgende Szenarien:

FAQ zu Ventoy

Kann ich auf dem Ventoy-Stick auch normale Dateien speichern?
Ja. Neben den ISO-Dateien lässt sich die Ventoy-Datenpartition wie ein normales USB-Laufwerk nutzen. ISOs und eigene Dokumente können problemlos nebeneinander existieren, solange genug Speicherplatz vorhanden ist.
Funktioniert Ventoy mit verschlüsselten Linux-ISOs?
Ventoy unterstützt eine ISO-Verschlüsselungsfunktion für den Stick selbst: Mit VentoyVlnk lassen sich ISO-Dateien mit einem Passwort sichern, sodass nicht jeder beliebig auf die Betriebssystem-Images zugreifen kann.
Wie groß sollte der USB-Stick für Ventoy sein?
Das hängt von der geplanten ISO-Sammlung ab. Für Windows 11 (ca. 6 GB) und zwei bis drei Linux-Distros (je ca. 1–4 GB) empfiehlt sich mindestens ein 32-GB-Stick. Für ein umfangreiches IT-Toolkit ist ein 64-GB- oder 128-GB-Modell sinnvoll.
Unterstützt Ventoy auch ARM-basierte Systeme?
Ventoy selbst läuft als Installer auf x86-Windows und x86-Linux. Ob die gebooteten ISOs auf ARM-Hardware funktionieren, hängt von der jeweiligen ISO ab. Native Ventoy-Unterstützung für ARM-Hosts befindet sich noch in der Entwicklung – aktuelle Details gibt es auf der Ventoy ARM-Seite.