Zwei Fragen tauchen bei jeder Wärmepumpen-Diskussion zuverlässig auf: "Kann das Ding auch Warmwasser?" und "Ist das mit dem Kohlestrom überhaupt klimafreundlich?". Beide Punkte verdienen eine ehrliche, zahlengestützte Antwort. Denn Warmwasser macht in gut gedämmten Häusern einen erstaunlich großen Anteil des Energiebedarfs aus, und die CO2-Bilanz einer Wärmepumpe hängt unmittelbar davon ab, mit welchem Strom sie läuft. Beides klären wir hier mit konkreten Zahlen.
Warmwasser mit der Wärmepumpe
Eine Heizungswärmepumpe bereitet in der Regel auch das Warmwasser über einen Warmwasserspeicher mit. Das funktioniert gut, hat aber einen Haken: Warmwasser braucht mit rund 50 bis 60 Grad eine deutlich höhere Temperatur als die Raumheizung mit ihren 35 bis 40 Grad. Bei dieser höheren Vorlauftemperatur sinkt die Effizienz, weshalb die JAZ im Warmwasserbetrieb niedriger ausfällt als beim Heizen.
Es gibt zwei Strategien, das abzufedern: Erstens die Warmwassertemperatur nicht höher als nötig einstellen (aus Hygienegründen ist eine regelmäßige Aufheizung gegen Legionellen aber wichtig). Zweitens eine separate Warmwasser-Wärmepumpe (Brauchwasserwärmepumpe) für den Warmwasserteil, die zum Beispiel die Abwärme aus dem Keller nutzt. Den Kostenvergleich verschiedener Warmwasserlösungen liefert der Warmwasser-Kosten-Rechner.
Warum die CO2-Frage berechtigt ist
Eine Wärmepumpe verbrennt nichts und stößt am Aufstellort kein CO2 aus. Die Emissionen entstehen indirekt – bei der Stromerzeugung. Entscheidend ist also der CO2-Gehalt des verbrauchten Stroms und wie viel Strom dank der Effizienz überhaupt nötig ist. Genau das ist der Knackpunkt der Bilanz.
Der Effizienzhebel schlägt den Strommix
Selbst mit dem heutigen deutschen Strommix steht die Wärmepumpe gut da. Rechnen wir es durch: Der durchschnittliche CO2-Faktor des deutschen Strommix liegt grob bei rund 0,38 kg CO2 je kWh (Tendenz mit dem Erneuerbaren-Ausbau weiter fallend). Eine Wärmepumpe mit JAZ 3,5 braucht für 1 kWh Wärme nur 0,29 kWh Strom – das ergibt rund 0,11 kg CO2 je kWh Wärme.
Eine Gasheizung stößt dagegen pro verbrannter kWh Gas rund 0,20 kg CO2 aus, plus die Verluste durch den Wirkungsgrad. Pro Kilowattstunde Heizwärme liegt sie damit bei etwa 0,21 kg – also rund doppelt so hoch wie die Wärmepumpe. Den Vergleich für Ihr Haus rechnen Sie mit dem CO2-Emissionen-Heizung-Vergleichs-Rechner durch.
Mit Ökostrom und PV nahezu emissionsfrei
Der eigentliche Clou: Während die Gasheizung dauerhaft an ihren Emissionsfaktor gebunden ist, wird die Wärmepumpe mit jedem Jahr sauberer, weil der Strommix immer mehr Erneuerbare enthält. Wer zertifizierten Ökostrom bezieht, senkt die rechnerischen Emissionen weiter. Und mit eigener Photovoltaik nähert sich die CO2-Bilanz beim selbst genutzten Solarstrom praktisch null. Die Wärmepumpe ist damit die einzige Heizung, deren Klimabilanz sich im Laufe ihrer Lebensdauer automatisch verbessert.
Was bedeutet das für Ihre Kosten?
Die CO2-Bilanz ist nicht nur eine Klimafrage, sondern zunehmend eine Kostenfrage. Der CO2-Preis verteuert fossiles Heizen Jahr für Jahr, während die Wärmepumpe davon ausgenommen ist. Die niedrige CO2-Last ist also gleichzeitig ein finanzieller Schutzschirm. Wie sich der steigende CO2-Preis auf fossile Heizkosten auswirkt, zeigt der CO2-Preis-Prognose-Rechner.
Auch die graue Energie zählt
Eine ehrliche Bilanz endet nicht beim Betrieb. Auch Herstellung, Transport und Entsorgung einer Wärmepumpe verursachen Emissionen, die sogenannte graue Energie. Hinzu kommt das Kältemittel im Kreislauf: Klassische teilfluorierte Kältemittel haben ein hohes Treibhauspotenzial, falls sie entweichen. Doch zwei Punkte relativieren das deutlich. Erstens ist der Anteil der Herstellungsemissionen an der Gesamtbilanz über die Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren klein gegenüber den im Betrieb eingesparten Mengen. Eine Wärmepumpe hat die graue Energie ihrer Produktion in der Regel binnen weniger Jahre wieder eingespart. Zweitens setzen moderne Geräte zunehmend auf natürliche Kältemittel wie Propan (R290), deren Treibhauspotenzial gegen null geht. Wer Wert auf eine saubere Gesamtbilanz legt, sollte daher gezielt nach Geräten mit natürlichem Kältemittel fragen – diese werden über den Effizienzbonus der BEG-Förderung zusätzlich belohnt.
Der zeitliche Vorteil: Strom wird sauberer, Gas nicht
Der entscheidende Unterschied zwischen Wärmepumpe und Gasheizung liegt in der Entwicklung über die Zeit. Eine Gasheizung, die heute eingebaut wird, stößt in zehn Jahren pro Kilowattstunde exakt dieselbe Menge CO2 aus wie am ersten Tag – Erdgas bleibt Erdgas. Der deutsche Strommix dagegen verbessert sich kontinuierlich, weil immer mehr Wind- und Solarstrom eingespeist wird. Der CO2-Faktor des Stroms ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken und wird weiter fallen. Eine heute installierte Wärmepumpe wird also Jahr für Jahr klimafreundlicher, ohne dass der Betreiber etwas tun muss. Über die gesamte Lebensdauer gerechnet vergrößert sich ihr Vorsprung gegenüber fossilen Heizungen damit kontinuierlich. Wer zusätzlich auf Ökostrom oder eine eigene PV-Anlage setzt, beschleunigt diesen Effekt und macht die Heizung weitgehend unabhängig vom Reststrommix. Den langfristigen Kostenvergleich verschiedener Heizsysteme spielen Sie mit den Webtools durch. Vertiefende Beiträge finden Sie im News-Bereich.
Häufige Fragen
Wird das Warmwasser mit einer Wärmepumpe heiß genug?
Ja. Übliche Speichertemperaturen von 50 bis 60 Grad erreichen Wärmepumpen problemlos, viele Geräte schaffen auch die regelmäßige Legionellen-Aufheizung. Bei sehr hohem Warmwasserbedarf kann eine separate Brauchwasserwärmepumpe sinnvoll sein.
Ist eine Wärmepumpe mit Kohlestrom noch sinnvoll?
Selbst mit dem heutigen Strommix verursacht sie pro Kilowattstunde Wärme etwa halb so viel CO2 wie eine Gasheizung, weil ihre Effizienz den höheren Emissionsfaktor des Stroms überkompensiert. Mit dem fortschreitenden Erneuerbaren-Ausbau wird der Vorteil größer.
Wie viel CO2 spare ich konkret?
Das hängt von Ihrem Wärmebedarf, der JAZ und dem bezogenen Strom ab. In einem typischen Einfamilienhaus liegt die Ersparnis gegenüber Gas oft im Bereich mehrerer Tonnen CO2 pro Jahr. Den genauen Wert liefert der verlinkte CO2-Vergleichsrechner.
Bringt eine PV-Anlage für die CO2-Bilanz wirklich viel?
Ja. Selbst genutzter Solarstrom ist nahezu emissionsfrei und deckt gerade in der Übergangszeit einen relevanten Teil des Wärmepumpenstroms. Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik ist die klimafreundlichste Heizvariante für Einfamilienhäuser.
Fällt die Herstellung der Wärmepumpe ins Gewicht?
Die graue Energie aus Produktion und Transport ist vorhanden, aber im Verhältnis zur Lebensdauer klein. Die im Betrieb eingesparten Emissionen übersteigen den Herstellungsaufwand meist schon nach wenigen Jahren deutlich. Über 15 bis 20 Jahre fällt dieser Anteil kaum ins Gewicht.
Sind natürliche Kältemittel wie Propan besser für die Bilanz?
Ja. Geräte mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) haben ein verschwindend geringes Treibhauspotenzial, falls Kältemittel entweicht. Sie sind zudem über den Effizienzbonus der BEG-Förderung begünstigt und gelten als zukunftssichere Wahl.