Warmwasser mit Strom: Der unterschätzte Stromfresser im Haushalt

Wenn das warme Wasser im Haushalt mit Strom erzeugt wird, ist es fast immer der größte einzelne Stromverbraucher, größer als Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher zusammen. Trotzdem bleibt er oft unbeachtet, weil er nicht als sichtbares Gerät, sondern unscheinbar als Durchlauferhitzer im Bad oder als Boiler in der Küche daherkommt. Wer hier ansetzt, hat in vielen Haushalten den mit Abstand größten Sparhebel beim Strom. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist und was hilft.

Warum Warmwasser mit Strom so teuer ist

Wasser zu erwärmen kostet physikalisch viel Energie. Um einen Liter Wasser um ein Grad zu erwärmen, braucht man eine feste Energiemenge, und beim Duschen werden schnell viele Liter um 25 bis 35 Grad erhitzt. Wird das mit Strom direkt gemacht, fließt jede Kilowattstunde zum vollen Strompreis in die Wärme. Anders als bei einer Wärmepumpe gibt es bei einem Durchlauferhitzer oder Boiler keinen Effizienzgewinn: Aus einer Kilowattstunde Strom wird genau eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr.

Je nach Haushalt und Duschgewohnheiten kommen so schnell 600 bis 1.500 Kilowattstunden im Jahr nur für Warmwasser zusammen. Bei 33 Cent pro Kilowattstunde sind das 200 bis 500 Euro, oft ohne dass den Betroffenen klar ist, woher die hohe Rechnung kommt.

Den eigenen Warmwasser-Verbrauch einschätzen

Ein Durchlauferhitzer hat eine hohe Leistung, häufig 18 bis 24 Kilowatt, die aber nur während des Wasserlaufens anliegt. Ein Boiler oder Warmwasserspeicher heizt dagegen einen Vorrat auf und hält ihn warm, was Bereitschaftsverluste verursacht. Um abzuschätzen, was Ihr Warmwassergerät kostet, hilft es, die Leistung und die tägliche Nutzungsdauer zu kennen. Mit dem Stromfresser- und Standby-Rechner können Sie diese Werte eingeben und sehen die Jahreskosten sowie den Anteil an Ihrer gesamten Stromrechnung. Bei einem Boiler ist dabei der Standby-Wert für die Bereitschaftsverluste relevant.

Sofort wirksame Sparmaßnahmen

Einige Maßnahmen wirken sofort und kosten wenig:

  1. Sparduschkopf einbauen: Reduziert den Durchfluss von 12 bis 15 auf 6 bis 8 Liter pro Minute, ohne dass die Dusche schwach wirkt. Das halbiert beinahe die zu erwärmende Wassermenge und damit den Stromverbrauch.
  2. Kürzer duschen: Jede eingesparte Minute spart direkt Energie. Eine Minute weniger pro Person und Tag summiert sich über das Jahr erheblich.
  3. Wassertemperatur senken: Wer den Durchlauferhitzer oder Boiler ein paar Grad kühler einstellt, spart anteilig Energie.
  4. Boiler-Temperatur prüfen: Ein Speicher muss aus Hygienegründen regelmäßig auf eine ausreichend hohe Temperatur kommen, sollte aber nicht unnötig überheizt werden.

Den Boiler entlüften und entkalken

Verkalkte Heizstäbe in Boilern arbeiten ineffizient, weil die Kalkschicht wie eine Isolierung wirkt und mehr Energie verlangt. In Regionen mit hartem Wasser lohnt sich daher die regelmäßige Wartung. Auch eine gute Dämmung des Speichers und der Warmwasserleitungen senkt die Bereitschaftsverluste spürbar, gerade wenn der Boiler in einem kühlen Raum steht.

Die größere Lösung: Warmwasser entkoppeln

Der nachhaltigste Hebel ist, das Warmwasser von der direkten Stromheizung zu lösen. Mehrere Wege sind möglich:

Diese Lösungen erfordern eine Investition, amortisieren sich bei hohem Warmwasserverbrauch aber über die eingesparten Stromkosten. Wer ohnehin eine Heizungsmodernisierung plant, sollte die Warmwasserbereitung gleich mitdenken.

Fazit

Elektrisches Warmwasser ist in vielen Haushalten der heimliche Spitzenreiter beim Stromverbrauch. Schon einfache Maßnahmen wie ein Sparduschkopf und kürzere Duschzeiten bringen schnell spürbare Einsparungen. Den größten Sprung schafft, wer die Warmwasserbereitung mittelfristig von der direkten Stromheizung entkoppelt. Weitere Energie-Rechner finden Sie in den Webtools, und Artikel zum Stromsparen im Haushalt und zum Finden von Stromfressern in den News.

Häufige Fragen

Was verbraucht mehr, Durchlauferhitzer oder Boiler?

Das hängt vom Nutzungsverhalten ab. Ein Durchlauferhitzer erwärmt nur bei Bedarf, hat aber keine Effizienzvorteile. Ein Boiler hält einen Vorrat warm und verursacht Bereitschaftsverluste, kann aber günstiger sein, wenn er gut gedämmt ist und der Speicher passend dimensioniert wurde. In beiden Fällen ist die elektrische Erwärmung teuer im Vergleich zu einer Wärmepumpe.

Wie viel spart ein Sparduschkopf?

Ein Sparduschkopf kann den Wasserdurchfluss nahezu halbieren und damit auch die zu erwärmende Wassermenge stark reduzieren. Bei elektrischer Warmwasserbereitung übersetzt sich das fast eins zu eins in Stromersparnis, oft mehrere hundert Kilowattstunden im Jahr in einem Mehrpersonenhaushalt. Die Anschaffung amortisiert sich meist innerhalb weniger Monate.

Lohnt sich eine Warmwasser-Wärmepumpe?

Bei hohem Warmwasserverbrauch und bisher rein elektrischer Bereitung oft ja. Ein Brauchwasser-Wärmepumpenboiler erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom ein Vielfaches an Wärme und senkt den Stromverbrauch für Warmwasser deutlich. Die höhere Anschaffung amortisiert sich über die eingesparten Stromkosten, vor allem wenn die Pumpe Abwärme aus einem ohnehin kühl zu haltenden Raum nutzt.

Sollte ich den Boiler nachts ausschalten?

Das kann sinnvoll sein, wenn nachts kein Warmwasser gebraucht wird, weil dann keine Bereitschaftsverluste entstehen. Achten Sie aber darauf, dass der Speicher regelmäßig eine aus Hygienegründen ausreichend hohe Temperatur erreicht, um die Vermehrung von Keimen zu vermeiden. Eine Zeitschaltung, die den Boiler vor den Nutzungszeiten aufheizt, kombiniert Ersparnis und Hygiene.