Windows Terminal & winget: Software per Kommandozeile verwalten

Lange Zeit war die Software-Verwaltung unter Windows ein mühsames Geschäft: Webseite suchen, Installer herunterladen, durch Setup-Assistenten klicken, Update-Benachrichtigungen wegklicken. Linux-Nutzer haben über ihre Paketmanager gelächelt, und das zu Recht. Mit dem Windows Terminal und dem Paketmanager winget hat Microsoft endlich nachgelegt. Zusammen verwandeln sie die Software-Pflege in einen schnellen, reproduzierbaren Prozess über die Kommandozeile. Dieser Artikel zeigt dir, wie du beides optimal einsetzt.

Was ist das Windows Terminal?

Das Windows Terminal ist eine moderne, vom alten Konsolenfenster losgelöste Anwendung, die mehrere Shells unter einer Oberfläche vereint. In einem einzigen Fenster kannst du parallel Eingabeaufforderung, PowerShell, das Windows-Subsystem für Linux (WSL) und sogar die Azure Cloud Shell öffnen, jeweils in eigenen Tabs oder geteilten Bereichen.

Auf aktuellen Windows-11-Systemen ist das Terminal bereits vorinstalliert und als Standard-Terminal gesetzt. Falls nicht, installierst du es über den Microsoft Store oder, passenderweise, gleich über winget. Gegenüber der alten Konsole bietet es echte Vorteile: Unicode- und Emoji-Unterstützung, frei wählbare Schriftarten, GPU-beschleunigtes Rendering, Tabs, Splitscreen und vollständig anpassbare Profile.

Tabs, Splits und Tastenkürzel

Der Produktivitätsgewinn liegt in den Tastenkürzeln. Wer einmal flüssig mit Tabs und geteilten Bereichen arbeitet, will nicht mehr zurück. Die wichtigsten Standardkürzel:

Praktisch ist das etwa, wenn du in einem Bereich einen Entwicklungsserver laufen lässt, im zweiten Logs beobachtest und im dritten Befehle eingibst. Alles in einem Fenster, sauber nebeneinander.

Das Terminal anpassen

Die gesamte Konfiguration des Windows Terminals steckt in einer settings.json, die du über die Einstellungen (Strg + Komma) oder direkt im Editor öffnest. Dort definierst du Profile, Farbschemata, Schriftarten und Verhalten. Ein paar lohnende Anpassungen:

Da die Konfiguration eine einzige Datei ist, kannst du sie in dein Dotfiles-Repository legen und zwischen Rechnern synchronisieren, genau wie dein PowerShell-Profil.

winget: der Paketmanager von Windows

winget (Windows Package Manager) ist das offizielle Kommandozeilen-Werkzeug von Microsoft zur Software-Verwaltung. Es greift auf ein kuratiertes Repository zu, in dem tausende Anwendungen mit ihren offiziellen Installern hinterlegt sind. Auf aktuellen Windows-Systemen ist es über den „App-Installer" bereits vorhanden.

Die Grundbefehle sind schnell gelernt:

Allein der Befehl winget upgrade --all spart enorm viel Zeit, weil er dir das mühsame Einzel-Updaten dutzender Programme abnimmt. Wer früher Tools wie PowerToys, Browser und Entwicklerwerkzeuge einzeln aktualisieren musste, erledigt das nun in einem Rutsch.

Reproduzierbare Setups per Export und Import

Das mächtigste Feature von winget kommt erst zum Tragen, wenn du einen neuen Rechner einrichtest oder ein System neu aufsetzt. Mit winget export -o pakete.json schreibst du eine Liste all deiner installierten Programme in eine Datei. Auf dem neuen System spielst du sie mit winget import -i pakete.json ein und winget installiert die komplette Sammlung automatisch.

Damit wird das stundenlange Neueinrichten eines Arbeitsplatzes zur Angelegenheit von Minuten. Du checkst die Paketliste in dein Konfigurations-Repository ein und hast jederzeit eine dokumentierte, reproduzierbare Beschreibung deiner Software-Ausstattung. Genau dieses Prinzip, Konfiguration als Code, kennt man aus der Server-Welt und winget bringt es auf den Desktop.

Sicherheit und Quellen

winget bezieht Pakete standardmäßig aus zwei Quellen: dem von der Community gepflegten, aber von Microsoft moderierten winget-Repository und dem Microsoft Store. Die im Repository hinterlegten Installer werden auf Schadcode geprüft und verweisen auf die offiziellen Download-URLs der Hersteller. Das ist deutlich sicherer als das Herunterladen von dubiosen Download-Portalen, die Installer gerne mit Adware bündeln.

Dennoch gilt: Prüfe bei der Suche, ob der Herausgeber-Name plausibel ist, bevor du installierst. Ein Paket namens „Mozilla.Firefox" vom Herausgeber Mozilla ist vertrauenswürdig, ein ähnlich klingendes von einem unbekannten Anbieter solltest du meiden. Wer Hashes oder Download-Quellen zusätzlich verifizieren möchte, findet im Webtools-Bereich von kotsch.tech passende Helfer, etwa einen Hash-Generator zur Prüfsummenkontrolle.

winget in Skripten und der Provisionierung

Da winget ein reines Kommandozeilen-Werkzeug ist, lässt es sich problemlos in PowerShell-Skripte einbinden. So baust du dir ein Einrichtungsskript, das beim ersten Start eines neuen Rechners alle benötigten Programme installiert, Einstellungen setzt und dein PowerShell-Profil einrichtet, alles automatisch.

Für Unternehmen und fortgeschrittene Nutzer interessant: winget unterstützt den unbeaufsichtigten Modus (--silent) und das Akzeptieren von Lizenzvereinbarungen per Parameter, sodass keine Interaktion nötig ist. In Kombination mit dem Windows-Taskplaner kannst du etwa regelmäßige automatische Updates einrichten. Wie das geht, beschreibt unser Artikel zum Windows-Taskplaner.

winget vs. Alternativen

winget ist nicht der einzige Paketmanager für Windows. Chocolatey und Scoop existieren teils länger und haben treue Anhänger. Chocolatey bietet ein riesiges Community-Repository und mächtige Verwaltungsfunktionen, Scoop punktet mit portablen Installationen ohne Administratorrechte und sauberer Trennung vom System.

Da winget jedoch direkt in Windows integriert ist, ohne Zusatzinstallation auskommt und von Microsoft offiziell gepflegt wird, ist es für die meisten Nutzer der naheliegende Einstieg. Wer spezielle Bedürfnisse hat, etwa portable Tools oder ein bestimmtes Paket, das nur woanders verfügbar ist, kann die Manager problemlos kombinieren.

Häufige Fragen

Brauche ich Administratorrechte für winget?

Das hängt vom Paket ab. Programme, die systemweit installiert werden, verlangen eine Administrator-Bestätigung. Anwendungen, die nur im Benutzerprofil landen, lassen sich auch ohne erhöhte Rechte installieren.

Aktualisiert winget wirklich jedes Programm?

Nur Programme, die über ein winget-kompatibles Paket installiert wurden oder deren Version winget erkennt. Manche manuell installierte Software taucht in der Upgrade-Liste nicht auf. Der Großteil gängiger Anwendungen wird aber sauber erfasst.

Ist winget sicherer als Download-Portale?

In aller Regel ja. Die Pakete verweisen auf die offiziellen Installer der Hersteller und werden moderiert, während viele Download-Portale Installer mit unerwünschter Zusatzsoftware bündeln. Prüfe trotzdem stets den Herausgeber-Namen.

Kann ich mit dem Windows Terminal auch Linux-Befehle nutzen?

Ja, sofern du das Windows-Subsystem für Linux installiert hast. Das Terminal öffnet deine WSL-Distribution als eigenes Profil, in dem du eine vollwertige Linux-Shell parallel zu PowerShell betreibst.

Verschwindet die alte Eingabeaufforderung?

Die klassische cmd.exe bleibt erhalten und funktioniert weiter. Das Windows Terminal ist nur eine modernere Oberfläche, die sie zusammen mit anderen Shells beherbergt. Du verlierst also nichts, gewinnst aber viel an Komfort.